Tipp 5 für mehr Selbstmotivation im Fernstudium: Konzentriere dich auf die positiven Aspekte!

Im Laufe eines Fernstudiums durchlebt wohl jeder Fernstudent Phasen, in denen man gefrustet ist, das Gefühl hat, auf einer Stelle zu treten oder mit Misserfolgen zurechtkommen muss. Solche Phasen sind ganz natürlich. Damit jedoch keine innere Leere aufkommt, die dann sogar in Resignation und einem Studienabbruch enden kann, ist es wichtig, sich gerade in schwierigen Situationen der Aufgabe zu stellen und nach vorne zu schauen.

Ziel dieser Artikelreihe mit “10 Tipps für mehr Selbstmotivation im Fernstudium” ist es, einige Tipps & Tricks aufzuzeigen, um Tiefphasen während der i.d.R. doch langen Studiendauer zu überbrücken, an seinen Zielen festzuhalten und bis zum Ende, bzw. dem erfolgreichen Abschluss des Fernstudiums, durchzuhalten.

In Phasen von Unlust, Frust und Demotivation kann es helfen, sich auf die positiven Aspekte des Fernstudiums zu konzentrieren, um wieder neue Kraft zu schöpfen und die Chancen – nicht die Risiken und Probleme – zu sehen, die das Studium mit sich bringt.

In diesem Artikel möchte ich daher darauf eingehen, ob und wie hilfreich Positives Denken ist, warum es hilft, sich an Erfolgen zu orientieren und wie sogar Misserfolge zur Selbstmotivation genutzt werden können.

Positives Denken: Zwischen Wahrheit und Nutzen

DauergrinserPositives Denken ist ein weit verbreitetes Konzept, dass vor allem in unzähligen Persönlichkeits- und Motivationsbüchern, sowie Seminaren und Coachings auf den Tisch kommt. Dabei wird davon ausgegangen: “Wer Erfolg erwartet, der bekommt auch Erfolg. Und wer Misserfolg erwartet, der bekommt Misserfolg”.

Wenn es so einfach wäre, läge ich schon längst an einem karibischen weißen Sandstrand mit einem Cuba libre in der Hand und würde mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Denn jeden Mittwoch, bzw. Samstag erwarte ich die sechs Richtigen im Lotto.

Ganz so eindach scheint positives Denken daher nicht zu funktionieren. Doch worum geht es beim positiven Denken überhaupt? Einige haben sicherlich schon von der sog. “self-fulfilling prophecy“, also der sich selbst erfüllenden Prophezeihung” gehört. Wenn man positiv denkt und Positives erwartet, führt dies auch zu positiven Effekten. Je nachdem, was wir erwarten, bzw. was wir uns selbst prophezeien, tun wir dann unbewusst Dinge, die unserer Erwartung zuträglich sind und steuern unser Denken und Handeln in eine – nämlich die prophezeite –  Richtung.

Beim Konzept des positiven Denkens geht man von der Vorstellung aus, dass jeder Mensch programmierbar sei und man mit autogenem Training, bzw. Autosuggestionen das Bewusstsein beeinflussen und bestimmte Vorsätze im Unterbewusstsein verankern kann. Positives Denken wird daher auch oft mit Synonymen, wie “neues Denken”, “richtiges Denken”, “Kraftdenken” oder “mentaler Positivismus” propagiert.

Das hört sich ja alles super an und die Theorie findet seit Jahren reißenden Absatz. Bücher, wie “Sorge dich nicht, lebe!” von Dale Carnegie oder “Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben”” von Martin E.P. Seligman sind Bestseller auf diesem Gebiet. Anscheinend gibt es eine große Zielgruppe, die gerne an den alleinige Kraft der Gedanken glaubt. Aber noch größer ist wohl die Zielgruppe derer, die ihre Zufriedenheit und Lebensqualität durch solch psychologische Halbwahrheiten erhöhen möchte.

Kann man sich Frust, Kummer und Sorgen einfach weg-, oder schöndenken? Sicherlich nicht. Mit Hoffnung und Willen alleine ist es nicht getan. Ich glaube auch nicht, dass man einen Menschen zum Optimisten “programmieren” kann. Denn jeder Mensch geht anders mit Rückschlägen, Problemen und Frust um. Das Diktat des positiv Denkens kann für viele Menschen sogar ins Gegenteil umschwenken, nämlich wenn sie sich krampfhaft verstellen und einreden müssen, gute gelaunt und optimistisch zu sein. Solche Ratgeber sind wohl auch mehr von guten Verkäufern, als von seriösen Wissenschaftlern verfasst.

Und permanente Positiv-Denker können auf Dauer auch ziemlich nervig werden, zumindest geht es mir so. Ich möchte jedenfalls nicht einen permanent, wie auf Droge grinsenden Menschen um mich herum haben. Jeder kennt doch seine eigene Psyche am besten – und die merkt ziemlich schnell, wenn man sich sich etwas einredet, was dem wahren persönlichen Empfinden nicht entspricht. Ich finde es daher vollkommen legitim, sich bei Frust, Stress und Demotivation Luft zu machen und auch mal (kurzfristig) den Kopf in den Sand zu stecken und enttäuscht zu sein. Alles andere wäre schon unnormal.

Ist positives Denken dann im Fernstudium überhaupt nützlich?

Obwohl ich die “unerschöpflichen Kraft des Positiven Denkens” stark anzweifle, so ist eine positive Grundeinstellung an sich nicht verkehrt und kann in Motivationstiefs sogar nützlich sein. Obwohl es nicht zielführend ist, sich irgendetwas schönzureden oder gar einzubilden, so ist es aber ebenso schlecht, sich selbst permanent fertig zu machen und runterzuziehen und in Selbstmitleid zu verfallen. Realitätsverlust und positives Denken trotz gegenteiliger Beweise bringt nichts, aber eine optimistische Einstellung und positive Erwartung können helfen, trotz Rückschlägen und Tiefphasen, weiterzumachen.

Positiv Denken darf nicht heißen, nur Positives zu erwarten. Entscheidend ist eine realistische Einschätzung von machbaren Zielen, die auch das Durchspielen möglicher Schwierigkeiten und Misserfolge einschließt. Denn tritt eine negative Konsequenz ein, so wird man viel besser mit diesem Rückschlag fertig werden, als wenn man sich nur das blaue von Himmel ausgemalt hat.

Der Zwang der “Hurra-Kultur” zum positiven Denken macht blind für die Realität und weckt unrealisitsche Glücksansprüche, die, wenn sie nicht eintreten, auf Dauer sogar depressiv machen können. Wie bereits erwähnt, muss das Ziel daher in erster Linie machbar sein, ansonsten würde wieder das Gefühl entstehen, sich selbst zu täuschen.

Wenn man ein Ziel für sich selbst als realistisch empfindet, wird man auch an die praktische Umsetzung und den Erfolg glauben und dem Vorhaben gegenüber von alleine positiv eingestellt sein.

Positives Denken ist daher definitiv ein Erfolgsfaktor für ein erfolgreiches Fernstudium, aber noch lange kein Erfolgsgarant! Wer nicht an sich glaubt und davon ausgeht, das Studium erfolgreich abzuschließen wird über kurz oder lang mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgeben (“Selbst erfüllende Prophezeiung”). Man sollte also schon davon ausgehen, dass man das Fernstudium auch zu Ende bringt und sein Ziel erreicht. Ansonsten wäre es verschwendete Zeit und vergeudetes Geld. Aber wichtiger, als die optimistische Erwartung ist das entsprechende Handeln.

Zuerst muss man etwas wollen, ein Ziel haben und an die Verwirklichung des Ziels glauben. Das verstehe ich unter positivem Denken. Wenn das gegeben ist, muss man dann aber auch die Ärmel hochkrämpeln und in diese Richtung hinarbeiten. Das wäre dann auch die Erklärung für meinen ausgebliebenden Lottogewinn. Am positiven Denken hat es bisher sicherlich nicht gemangelt, aber beim Handeln ist man in dem Fall dann doch ziemlich eingeschränkt ;).

Damit Lernerfolge nicht bloß Tagträumereien bleiben und man in den schönen Erfolgsphantasien schwelgt, die dann irgendwie doch nicht eintreten, muss man selbst ran und die Wünsche durch oft mühsame Arbeit, bzw. Lernen verwirklichen.

Denn nur durch Handeln, bzw. kontinuierliches Lernen und gutes Zeitmanagement  werden Phantasieerfolge auch zu Realitätserfolgen. Und noch hilfreicher als das positive Denken, bzw. optimistische Erwarten von gewünschten Ereignissen ist es, sich auf solche vergangene Erfolge zu besinnen.

Mehr Selbstmotivation durch vergangene (Miss)Erfolge


Erfolge motivieren, keine Frage. Sich an bestandene Prüfungen und erreichte Lernziele zu erinnern, kann helfen, die Batterien in Tiefphasen wieder aufzuladen und neue Energien zu sammeln. Denn was man bereits geschafft hat, kann einem keiner mehr nehmen. Erfolge sind der beste Beweis für die eigene Fähigkeit, seine Ziele auch wirklich in die Tat umsetzen zu können. Ein Ziel erreicht zu haben, fühlt sich gut und erhöht die Stimmung.

Der Glaube an sich selbst und an die eigenen Fähigkeiten ist, wie im vorangegangenem Abschnitt erläutert, zwar wichtig, aber Erfolge sind Beweise für das entsprechende zielführende Handeln. Erfolge vermitteln das Gefühl, dass das Handeln effektiv war und erhöhen sowohl das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, als auch die Erwartungen, auch in Zukunft erfolgreich sein zu können. Denn was man einmal geschafft hat, kann man auch wieder schaffen.

Dabei müssen es nicht immer gleich die Großereignisse, wie bestandene Prüfungen oder gar der Abschluss sein – Auch kleine, tägliche Lernerfolge können beflügeln und zum Weitermachen motivieren. Voraussetzung ist, dass man sich Lernziele setzt, die erfüllt werden können und die Zielerreichung dann am besten zusätzlich visualisiert (z.B. mit Wegstreichen/Abhaken auf einem Kalender). Mehrere Erfolge bedeuten schließlich auch einen Fortschritt in der Zielerreichung und dieser sollte möglichst plakativ nachvollziehbar sein.

Erfolge unterstützen die Selbstmotivation im Fernstudium. Man sollte sich jedoch auch der Einschränkungen bewusst sein. Denn erreichte Zielen, bzw. Erfolgen geben meist Anlass dazu, seine Anstrengungen für dieses Ziel herunterzufahren. Sind die Prüfungen eines Semesters erstmal bestanden, kann man die Zeit danach nutzen, um wieder Energie für die Aufgaben des kommenden Semesters zu sammeln und die Ressourcen aufzufüllen. Die bereits erreichten Ziele können dabei motivieren und dafür sorgen, dass man die neuen Aufgaben und Lernzielen mit mehr Leistungsbereitschaft und Engagement angeht.

Doch erreichte Ziele bieten auch die Gefahr, dass man sich nach, bzw. auf Erfolgen ausruht. Gerade nach bestandenen Prüfungen, die ja ein größeres Teilziel während des Studiums darstellen, neigt man dazu, sich an den darauffolgenden Wochen erstmal anderen Dingen zuzuwenden, obwohl schon die nächsten Lerneinheiten, Einsendearbeiten und Prüfungen anstehen. Bei schlechtem Zeitmanagement kann das wieder in Lernstress, Frust, Zeitnot – und letztendlich zu Demotivation und Frust – führen.

Doch ähnlich wie beim Positiven Denken, lässt sich der Kopf auch beim Besinnen auf vergangene Erfolge nicht überlisten. Wenn man in einer absoluten Tiefphase, Krise oder einem Motivationsloch steckt, ist der Tipp, an schöne, erfolgreiche Zeiten zurückzudenken, eher gut gemeint, als gut beraten. Denn in Phasen von Demotivation, Unlust und schlechter Laune fühlen sich erfolgreiche Phasen ewig weit weg an und oftmals geht es einem danach noch schlechter, als vorher. Die Psyche ist nun mal nicht so leicht auszutricksen, bzw. in schlechter Verfassung nicht durch Schönrederei zu beeinflussen.

MimikmännchenWenn es einem schlecht geht, ist das nun mal so. Und das ist auch nicht schlimm. Denn auch Misserfolge und Situationen, in denen wir ein Ziel noch nicht erreicht haben, können eine motivierende Wirkung haben. Warum? Misserfolge lösen zwar ein gewisses Maß an Unzufriedenheit aus, sie signalisieren aber auch, dass man sich noch mehr anstrengen muss, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Wenn das Ziel wirklich wichtig ist, dann werden Misserfolge die Bereitschaft steigern, mehr Energie zur Verwirklichung des Ziels zu investieren.

Die Auseinandersetzung mit Misserfolgen ist wichtig, da Misserfolge auch Möglichkeiten bieten. Dies gilt besonders dann, wenn der Misserfolg nicht auf die eigene Unfähigkeit, sondern auf andere, situationsbedingte und beeinflussbare Faktoren zurückgeführt wird.

Erfolge sich selbst und Misserfolge den äußeren Umständen zuzuschreiben – Das Thema “internale und externale Attribution” hatte ich schon während meines Erststudiums und besonders Männer neigen dazu, dieses Schema so anzuwenden. Warum auch nicht? Unerreichte Ziele auf mangelnde Fähigkeit zurückzuführen resultiert auch nur in Unzufriedenheit und hemmt die Selbstmotivation. Es wird immer wieder Schwierigkeiten auf dem Weg zum Ziel geben.

Besser ist es, diese zu akzeptieren und sich mit den eigenen Möglichkeiten zu beschäftigen, Misserfolge zu bewältigen, Lösungen für das Problem zu finden und diese dann auch umzusetzen. Ggf. muss man die eigenen Lern-, bzw. Studienziele anzupassen oder alternative Ziele suchen.

Sowohl Erfolge, als auch Misserfolge können eine positive Wirkung auf die Selbstmotivation und das Engagement während des Fernstudiums haben. Es kommt darauf an, wie man mit beidem umgeht. Sich auf Erfolgen auszuruhen oder Misserfolge der eigenen Unfähigkeit zuzurechnen wird nicht zielführend sein. Erfolge und Misserfolge zeigen auf, ob unser Handeln in die gewünschte Richtung verläuft. Es ist daher wichtig ist, sich beides bewusst zu machen und sich jeweils auf die Aspekte zu fokussieren, die tatsächlich verändert werden können.

Fazit

Positiv zu denken und sich an Erfolgen zu orientieren kann zur Steigerung der Selbstmotivation beitragen.

Eine optimistische Grundeinstellung ist schließlich die Voraussetzung, um Willenskraft zu entwickeln und an sich zu glauben. Viele Ratgeber des positiven Denkens predigen einem vor, immer gut gelaunt und optimistisch durch die Welt zu laufen, frei nach dem Motto “Wenn man ganz fest an etwas glaubt, dann schafft man das auch”. Doch mit Glauben und Willen alleine ist es nicht getan. Damit Ziele keine Phantasiegebilde bleiben, ist Handeln angesagt.

Das Leben ist kein Ponyhof und ebenso wenig ein Wunschkonzert. Auch im Fernstudium wird man immer wieder mit Misserfolgen, Niederlagen und Rückschritten rechnen müssen. Oftmals werden diese aber als persönliches Versagen interpretiert, was zu Selbstvorwürfen und Motivationsmangel führt – also genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich bezwecken wollte. Es bringt nicht, der Psyche etwas vorzumachen und krampfhaft positiv zu denken, obwohl einem gar nicht danach ist.

Wenn Misserfolge auftreten, man z.B. aus dem Zeitplan kommt, die Einsendearbeiten nicht besteht oder in einer Prüfung durchfällt, dann muss man auch damit umgehen lernen. Ich interpretiere positives Denken nicht einer programmierten, permanenten und aufgezwungenen Einstellung, sondern vielmehr im Glauben an sich selbst und an die Verwirklichung seiner Ziele. Wichtig ist, dass diese Ziele machbar sind und man voll und ganz dahinter steht.

Erfolge, die die Effektivität der eigenen Handlung und damit das Selbstvertrauen stärken, sind auf dem Weg zum Ziel ebenso wichtig, wie Misserfolge, die signalisieren, dass mehr Anstrengung, bzw. eine Veränderung notwendig ist. Jeder Mensch tickt anders und hat seine eigene Weise, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Für langfristigen Erfolg eines Fernstudium ist es entscheidend, aus Erfolgen Kraft zu tanken und Misserfolge nicht gleich als persönliches Versagen, sondern als Chance zur Verbesserung zu sehen. Beides gehört in einem Fernstudium dazu, es kommt nur darauf an, was man daraus macht.

Denn gerade Misserfolge, wie Unlust und Demotivation beim Lernen, können ein Zeichen dafür sein, dass man sich nicht auf dem richtigen Weg befindet und etwas (an seinem Lernverhalten/Zeitplan) verändern oder ggf. den Studiengang  wechseln muss. Es geht darum, herauszufinden, was man wirklich will und worin man aufblühen kann. Mit aufgesetztem Optimismus und dem Ausruhen auf Erfolgen wird man dies nie herausfinden.