Lernblockade. Keine Lust, was dann?

Die neue Artikelreihe von studies4studies beschäftigt sich mit einem Problem, dem wohl jeder Fernstudent früher oder später gegenübersteht: Den Null-Bock-Phasen. Eigentlich unterscheidet sich ein Fernstudium in diesem Punkt kaum von anderen, teilweise stressigen oder unangenehmen Tätigkeiten (Ich sage nur „Gesunde Ernährung“ und „Sport“). Egal ob Essen, Sport oder Fernstudieren – es geht doch immer um den stetigen Kampf mit dem inneren Schweinehund, dem Bruch mit den alten, lieb gewonnenen Gewohnheiten und dem Bemühen, auf dem richtigen Weg zu bleiben (oder ihn erst zu finden…).

Der Start ist erst der Anfang, das Schlimmste kommt noch… Ebenso erging es mir vor Beginn meines Fernstudiums. Die euphorischen Phasen bei der Anmeldung, die von positiven Gefühlen, wie Neugier und Vorfreude getragen wurden, wichen ziemlich schnell dem Stress des Alltags. Dann sitzt man nämlich alleine vor seinen Studienheften, hat eventuell noch Defizite oder Lernprobleme und es wäre ja nicht so, dass das „normale Leben“ nicht ohnehin schon stressig und zeitfüllend genug wäre.

Die meisten Fernstudenten arbeiten, einige haben Familie und Kinder, andere haben mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen und so etwas wie Freizeit oder Hobbys soll es ja auch noch geben 😉 (hab ich gehört). Es ist schon ziemlich schwer, sich kontinuierlich zum Lernen aufzuraffen und dauerhaft motiviert zu bleiben.

Der Umfang des Lernstoffs und die Zeit, die man investieren muss wird leicht überschätzt, ist aber auch bei einem Teilzeitstudium, wie ich es mache, heftig. Man fühlt sich schnell überfordert und Zeitmangel, Stress oder Probleme anderer Art verschlimmern die Situation nur noch. In solchen Depri-Phasen kann ich über die fröhlichen und optimistischen Texte auf den Homepages der Fernstudienanbieter nur müde lächeln, die die hohe Flexibiliät, freie Zeiteinteilung und örtliche Ungebundenheit als große Vorteile anpreisen. Suuuuuper.

Denn diese Vorteile können auch gleichzeitig die größten Hindernisse beim Fernstudieren sein. Wer es nicht gewohnt ist, zu Hause zu lernen oder zu arbeiten, der muss sich an die neue Situation erstmal gewöhnen. Und das nicht genug, nebenbei ein Fernstudium zu absolvieren erfordert ein Höchstmaß an Disziplin und gutes Zeitmanagement – Eigenschaften, die wohl den wenigsten in die Wiege gelegt wurden. Vor allem im Umgang mit sich selbst neigt man dazu, eher nachlässig zu sein und unangenehme Dinge hinauszuschieben.

Und auch, wenn man das mit der Diszilin und Zeit einigermaßen gut hinbekommt, so darf man nicht vergessen, dass ein Fernstudium ein mehrjähriges Projekt ist, in welchem es immer Hoch- und Tiefphasen geben wird. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Tiefphasen, den Situationen, in welchen man absoluten keine Lust mehr zum Lernen hat. Doch ein Fernstudium soll und muss sogar Spaß machen, um es langfristig durchzustehen. Denn nur so bleibt die Motivation und Lernbereitschaft erhalten, die langfristig für den Erfolg eines Studiums entscheidend ist. Doch wenn eine Lernbockade vorliegt, kommt es gar nicht erst zu einem richtigen Lernprozess. Selbst wenn man dann viel lernt, kann das Gelernte nicht so verarbeitet werden, dass es in der Prüfung richtig wiedergegeben werden kann – schlechte Noten sind die Folge.

Mit dem Wissen, dass es Tiefphasen beim Lernen und Lernblockaden gibt, geht es vielmehr darum, typische Situationen aufzudecken, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen und geeignete Mittel und Wege zu finden, Lernblockaden zu lösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen..

Was sind also typische „Keine-Lust-Situationen“, was sind die ersten Anzeichen und was kann man dagegen tun?

Typische „Keine-Lust-Situationen“

Typische Situationen, bei denen ich bisher keine Lust (mehr) hatte, waren, als ich ein allgemeines Gefühl der Überforderung verspürt habe. Bei Mathe kamen z.B. der Umfang der Studienhefte, als auch der Schwierigkeitsgrad und meine lückenhaften Vorkenntnisse zusammen. Das alles zusammen ergab Frust pur. Aber auch Zeitnot und das Gefühl, viel in kurzer Zeit lernen und irgendwie in den Kopf kriegen zu müssen endeten oft in Null-Bock-Phasen. Schließlich dürfen beispielsweise bei BWL, VWL oder Mathe keine Formelsammlungen verwendet werden. Daher gilt es, das Gelernte im Kopf zu behalten (zumindest bis nach der Prüfung ;)).

Viele Studenten fühlen sich dem Lernumfang nicht gewachsen. So ein Berg Studienhefte kann auf den ersten Blick schon ziemlich einschüchtern und jegliche Lust zum Lernen rauben. Einen Berg zu sehen und zu wissen oder zu befürchten, da nicht hochzukommen, raubt jedliche Lust am Lernen.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich damals, als ich die Fachoberschule besucht habe, viel mehr Spaß am Lernen hatte. Ich habe mich nach der Schule täglich hingesetzt und wirklich gerne gelernt. Sogar vor den Prüfungen hat es mir richtig viel Spaß gemacht, mich gut vorzubereiten und nahezu alles auswendig zu können. Die Situation hat sich dann während meines Erststudiums schnell geändert, als ich sich nur der Lernumfang, aber auch der Schwierigkeitsgrad angezogen hat. Zudem habe ich nebenbei gejobbt und hatte diese Doppelbelastung zu tragen, die für mich eine komplett neue Situation war.

FOS- oder Abizeiten sind nun mal nicht mit einem Studium vergleichbar, da gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad und Umfang des Lernstoffs viel höher sind. Und auch ich musste mich in den ersten Semestern mit schlechteren Noten, als zu meinen FOS-Zeiten zufrieden geben. Das demotiviert natürlich auch. An solchen Situationen, bzw. negativen Erfahrungen hat man vor allem zu Beginn des Studiums zu knabbern und muss sich immer wieder neu zum Lernen motivieren und dazu aufraffen, nicht aufzugeben.

Andere typische „Keine-Lust-Situationen“ entstehen auch durch Druck und Stress in anderen Alltagssituationen, z.B. durch stressige Phasen im Beruf- oder Familienleben. Schließlich ist ein Fernstudium – im Vergleich zu einem Präsenzstudium –  i.d.R. nicht der Mittelpunkt des Lebens. Es ist nicht verwunderlich, dass die guten Lernvorsätze und selbstgestellten Termine im Alltagstrouble untergehen.

Der wohl größte Auslöser für Lernblockaden ist Prüfungsstress. Allein der Gedanke an die Prüfungssituation, die Angst zu versagen und etwas zu vergessen löst bei vielen Stress und die bekannte „Leere im Kopf“ aus. Ich bin einige Tage vor der Prüfung zwar aufgeregt, aber am Prüfungstag wird es aber richtig schlimm. Mein Magen fühlt sich an, als müsste ich gleich vor 100.000 Leuten auftreten – Lampenfieber pur! Ich versuche dann zwar einen einigermaßen ruhigen Start in den Tag hinzulegen (Früh aufstehen, Frühstücken, Fußweg zum Prüfungsort mit Lieblingsmusik im Ohr). Manchmal gehe ich auf die Schnelle noch einige Prüfungsthemen nochmal durch, aber das Wiederholen des Gelernten macht in dieser Phase keinen Sinn mehr. Denn macht hat wirklich das Gefühl, sich nichts mehr merken zu können. Auch die Leute, die sich dann wenige Minuten vor der Prüfung noch etwas von ihren Kommilitonen erklären lassen oder laut den Stoff durchgehen, könnte ich dann an den Hals springen!  Aber: Auch wenn man kurz vor der Prüfung diese Leere im Kopf spürt – in aller Regel wird man sich in der Situation selbst, an das Gelernte erinnern können (wenn man es denn vorher ausreichend geübt hat).

Die Angst zu versagen kann jedoch schon viel früher auftreten. Denn „Keine-Lust-Situationen“ entstehen auch oftmals, wenn man sieht, dass andere Fernstudenten den Workload scheinbar viel besser bewerkstelligen, als man selbst. Zwar ist man während eines Fernstudiums keiner direkten Wettbewerbssituation ausgesetzt, jedoch findet auf diversen Foren, Blogs etc. reger Austausch mit Kommilitonen statt  Der Wettbewerb ist daher da und kann im schlimmsten Fall zu einer Art körperlichen Angststarre führen. Dann ist man zwar in der Lage, Dinge auswenig zu lernen, die Transferleistung, das Gelernte dann aber auch in einen Kontext einzubetten, gelingt dann aber nicht mehr.

Zwar ist der Vergleich mit anderen grundsätzlich gar nicht verkehrt, schließlich kann es auch einen Motivationsschub geben, aber manchmal kann er echt frustrierend und demotivierend sein. Es kommt immer darauf an, was man selbst mit diesem Vergleich anstellt und welche Schlüsse man daraus zieht.

Keine-Lust-Situationen können jedoch auch viel einfacher entstehen. Nach einer XXL-Pizza mit Ben & Jerry´s Eis hätte ich auch keine Lust mehr zu Lernen. Nach üppigen Mahlzeiten hat der Körper schließlich besseres zu tun, als intellektuelle Höchstleistungen zu vollbringen. Weitere körperliche Ursachen für Keine-Lust-Situationen sind Wassermangel, ein zu hoher Zuckerkonsum und wenig Bewegung.

Auch eine unangenehme Lernumgebung, wie ein unaufgräumter Arbeitsplatz, Straßenlärm, Unruhe, Hitze, stickige Luft etc. sind schlechte Voraussetzungen, um Lust zum Lernen zu haben. Denn kommen diese öfters vor, wird man die Lernsituation irgendwann automatisch mit einem unangenehmen Gefühl verbinden. Zum Lernen braucht man Ruhe und eine angenehme Atmosphäre. Medienüberflutung durch Fernseher, Radio, PC u.s.w. kann störend wirken.

Lernblockaden: Erste Anzeichen

Um Lernblockaden lösen bzw. ihnen vorbeugen zu können, ist es zunächst wichtig, sie frühzeitig zu erkennen. Erste Anzeigen für Lernblockaden können negative Gefühle, wie Unzufriedenheit, Überforderung und Angst sein.

Unzufriedenheit entsteht z.B. durch schlechte Noten oder mit dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, bzw, einem geringen Selbstwertgefühl. Überforderung spiegelt oftmals das mangelnde Vertrauen in das eigene Zeit- und Selbstmanagement wieder. Angst ist ein weiteres typisches Symptom von Lernblockaden. Negative Erfahrungen in der Vergangenheit können die Angst auslösen, wie der in stressige Situationen, wie Prüfungen, zu geraten. Aber auch die Angst zu Versagen oder die Angst vor schlechten Noten können zur Entwicklung von Lernblockaden beitragen.

Auch langanhaltender Lernstress („Ich muss jeden Tag so viel Lernen“) und Unlust zum Lernen („Hoffentlich ist es schnell vorbei“) können zu Lernblockaden führen. Weitere Anzeichen sind Versagensängste („Wenn ich an Prüfung denke, wird mir ganz schlecht“), Selbstzweifel („Das werde ich nie verstehen!“) und körperliches Unwohlsein (Verspannungen, Bauch-/Kopfschmerzen).

Lernblockaden äußern sich zudem oft in Konzentrationsstörungen („Ich kann mir einfach nichts merken“) und mangelnder Ausdauer („Ich bin mal kurz weg“). Man ist dann nicht mehr ganz bei der Sache und lässt ich oft und gerne ablenken, um der unangenehmen Situation des Lernens auszuweichen (Fluchtverhalten). Unzufriedenheit, Enttäuschung und Frust können sich dann sogar in Aggressivität (Wutausbrüche, Handgreiflichkeiten) äußern.

Im Vergleich zu einem Studenten an einer normalen Uni sind typische Anzeichen einer Lernblockade bei einem Fernstudenten deutlich schwieriger zu erkennen. Bei einem Präsenzstudium sind nämlich auch das Fernbleiben von Vorlesungen, Null-Bock-Verhalten bei Gruppenarbeiten oder fehlende Mitarbeit sichtbare Anzeichen für eine Lernblockade. In dem Fall haben Freunde und Mitkommilitonen die Möglichkeit, jemanden auf diese ersten Anzeichen anzusprechen und zu helfen. Beim Fernstudium hingegen ist man meistens unbeobachtet und auf sich alleine gestellt. Familie, Freunde und Partner haben es hier deutlich schwerer, mangelndes Interesse und Unlust beim Lernen auszudecken, schließlich studieren sie nicht mit.

Das fatale an Lernblockaden ist, dass sie sich verstärken und irgendwann verselbstständigen. Dann bleibt nicht nur der Erfolg beim Fernstudium aus, sondern auch in anderen Bereichen des Alltag, wie z.B. der Arbeit. Denn lernen müssen wir überall – ob im Fernstudium oder im Berufsleben. Umso wichtiger ist es, Blockaden rechtzeitig aufzuspüren, zu entschärfen und zu lösen. Nur dadurch wird man den Stress auf ein Level reduzieren können, auf welchem man den erlernenden Stoff verstehen und auch abspeichern lann.

Lernblockade: Was tun?

Lernblockaden, verursacht durch unangenehme Erlebnisse, negative Emotionen oder Leistungsdruck sind manchmal erst über Jahre entstanden und haben die unterschiedlichsten Ursachen.

Einige Ursachen von Lernblockaden lassen sich relativ leicht und schnell lösen, indem man für eine angenehme Arbeitsumgebung und Ruhe sorgt, ausgeschlafen ist und ausreichend trinkt. Ausreichend Schlaf und Bewegung, sowie eine vitaminreiche Ernährung steigern das Wohlbefinden, welches zu mehr Aktivität, besserer Laune und höherer Leistungsbereitschaft führt.

Für konzentriertes Lernen ist jedoch auch das richtige Timing entscheidend, denn nicht zu jeder Tageszeit lernt es sich gleich gut. Während des Tages durchlaufen wir Hoch- und Tiefphasen. Unser Biorhythmus gibt vor, wann unser Gehirn besonders leistungsfähig und aufnahmebereit ist.

Ganz früh am Morgen ist das Hirn noch nicht richtig wach und auch am frühen Nachmittag ruft es nach einer Ruhepause. Wenn man sich in dieser Zeit nicht konzentrieren kann, hat man keine Lernblockade, sondern ein ganz natürliches Leistungstief. Die erste geistige Hochphase des Tages stellt sich zwischen sieben und zehn Uhr morgens ein. Wer diese Zeit verpennt, verpasst auch die beste Zeit zum Lernen. Nachmittags ist das Gehirn gegen drei Uhr noch einmal sehr aufnahmebereit. Die Abendstunden hingegen sind zum Lernen eher ungeeignet und bieten sich für Erholungsphasen, bzw. körperlichen Ausgleich wie Sport an.

Bei einem nebenberuflichen Fernstudium ist es zwar oftmals schwer, diese Hochphasen auszunutzen, schließlich sind die meisten in dieser Zeit in der Arbeit, aber man kann dennoch versuchen, einige Stunden in diesen Hochphasen zum Lernen einzusetzen. Und wenn das unter der Woche gar nicht klappt, bleiben ja noch die Wochenenden!

Doch nicht nur während des Fernstudiums, auch direkt vor den Prüfungen kann man nicht immer Rücksicht auf den Biorythmus nehmen. Die Zeit eines Fernstudenten ist knapp und daher gilt es in freien Zeiten so viel und so lange zu lernen, wie es nur geht. Je mehr man an eine große Lernbelastung gewöhnt ist, umso einfacher fällt das Lernen. Die ersten Semester sind sicherlich die schwierigsten, hat man sich aber an das Lernpensum gewöhnt, dürfte es zunehmend leichter werden, den hohen Umfang zu schaffen.

Doch auch der lernwilligste Fernstudent hat in punkto Lernbelastung seine Grenzen. Denn gerade bei hoher Lernbelastung ist ein gesunder und ausgewogener Lernrhythmus wichtig. Es ist traurig, aber wahr: Unser Gehirn ist lediglich für rund eine halbe Stunde voll konzentrationsfähig. Danach lässt die Konzentrationsfähigkeit deutlich ab und es wird Zeit für eine Pause. Dabei spielt auch die Dauer der Pause eine entscheidende Rolle. Sie muss ausreichend lang für eine Erholung, aber nur so lang sein, dass man nach der Pause „raus“ist und keine Lust mehr hat, weiterzulernen.

Ein sinnvoller Rhythmus wäre, nach 30 Minuten eine Mini-Pause (5 Minuten) einzulegen. Nach 2 Stunden empfiehlt sich eine Kaffee-Pause (15-20 Minuten), in der man auch mal kurz an die frische Luft gehen kann. Spätestens nach 4 Stunden Lernen wird es Zeit für eine richtige Erholungs-Pause (1-2 Stunden). Viel wichtiger, als die Pausen nach der Uhr ist es jedoch, auf die Signale seines Körpers zu hören, damit sich mit der Zeit ein individueller Rhythmus zwischen Lernen und Erholung einpendeln kann.

Ursachen für Lernblockaden, die durch Überforderung entstehen lassen sich reduzieren, indem man sich den Lernstoff häppchenweise einteilt, anstatt den ganzen Berg vor sich zu sehen. Ich hatte zuerst auch alle Studienhefte in einem Batzen auf meinem Schreibtisch liegen. Jetzt liegt dort nur noch ein Studienheft und der Rest ist in einer großen schwarzen Kiste. Dadurch wird das Lernpensum zwar nicht weniger, aber es macht mehr Lust aufs Lernen, wenn man sich nur einer Aufgabe widmet und erst nach der Erledigung dieser der nächsten zuwendet.

Zudem hat es mir geholfen, Lern-, und Erholungsphasen strikt zu trennen.  Früher habe ich immer viel zwischendurch gelernt, oft auch auf dem Sofa und nebenbei Fernsehen geschaut. Seitdem ich mir meinen Arbeitsplatz gemütlich eingerichtet habe (natürlich ohne TV ;)) und ihn zum Lern- und Arbeitsort ernannt habe, macht mir das Lernen auch mehr Spaß. Ablenkungen und Störfaktoren sollten dort keinen Platz haben. Durch feste, für das Lernen bestimmte Arbeitsplätze wird man viel konzentrierter bei der Sache sein, schließlich sitzt man zu einem bestimmten Zweck am Schreibtisch.

Neben dem Lernort ist auch das konsequente Beginnen mit dem Lernen entscheidend. Denn im Alltagsgetummel lässt man sich schnell durch Hausarbeiten oder andere Zwischenfälle ablenken. Ich kann hier jedem Fernstudenten nur empfehlen, einen Zeitplan zu erstellen und sich pro Zeiteinheit kleinere Lerneinheiten vorzunehmen. Nach Erledigung einer Einheit kann man sich dann auch ruhig mal belohnen. Dadurch wird man seinem Ziel Schritt für Schritt näher kommen, sich motivierter und zufriedener fühlen und unangenehme Gefühle, wie Frust, Überforderung und Zeitdruck vermeiden können.

Um die Lust zum Lernen auch dauerhaft beizubehalten ist Abwechslung wichtig. Wer nonstop vor den Studienheften hockt, wird früher oder später immer weniger Lust zum Lernen haben. Abwechlung schafft man z.B. durch einen Wechsel der Stoffgebiete oder – je nach Schwierigkeitsgrad und erforderlicher Aufnahmekapazität – durch Variation des Lernmediums. Ob nun Fachliteratur, Online-Tutorials, Blogs, Foren, Videostreams etc. – Die Möglichkeiten, das Lernen etwas abwechlungsreicher zu gestalten gibt es viele. Lernen soll ja auch Spaß machen. Und eine variationsreiche Lernphase stabilisiert nicht nur die Konzentrationsfähigkeit stabilisiert, sie beugt auch Ermüdungserscheinungen vor. Doch auch hier sind regelmäßige Pausen unabdingbar.

Oftmals sind ein mangelndes Selbstwertgefühl und fehlendes Selbstvertrauen Auslöser für eine Lernblockade. Schlechte Noten oder Vergleiche mit anderen können den Glauben an sich selbst ins Wanken bringen. Daher ist es wichtig, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Was habe ich bisher erreicht? Worin bin ich besonders gut? Was sind meine Stärken?  Ziele, die man gar nicht erst erreichen kann, können nur zu Frust und Enttäuschung führen. Vor allem Fernstudenten mit Einser-Abi können die hohen Anforderungen an sich selbst, während des Studiums nicht mehr halten. Bei mir war das ja nicht anders. Während meines Erststudiums wurde ich aber unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Da hilft aber nur ein klares Umdenken. Man muss sich nun mal erreichbare Ziele setzen und die eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen.

Und wenn die Bestnoten im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten und der individuellen Lebenssituation nicht mehr erreichbar sind, dann ist das nun mal so. Man darf nur in solchen Bereichen Höchstleistungen von sich selbst erwarten, in denen man auch ganz besonders befähigt oder motiviert ist. Und obwohl ein Fernstudium einen Stellenwert im Alltag braucht, so stellt es doch für den größten Teil von uns nicht den Lebensmittelpunkt dar. Arbeit, Partner, Kinder, Familie, Hobbys u.s.w. sind auch wichtige Teile unseres Lebens. Wenn man bedenkt, welchen Anteil das Fernstudium einnimmt, wie realistisch ist es dann, die Prüfungen mit Bestnoten abzuschließen…?

Man hat es selbst in der Hand. Je weniger Druck und Ballast man sich selbst aufbürdet, umso einfacher und freudiger wird das Lernen sein. Mein Ziel ist es, die Prüfungen nach und nach zu bestehen. Natürlich möchte ich sie möglichst gut bestehen. Das Fernstudium ist mir wichtig, aber nicht das wichtigste in meinem Leben. Wenn man im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Bestes gibt, wird man auch mit sich selbst und seiner Leistung zufrieden sein, auch wenn es keine Eins geworden ist ;)!

Bildquelle: www.fruehstueck-fertig-los.de

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

1 Kommentar zu "Lernblockade. Keine Lust, was dann?"

  1. Sehr schöner Beitrag. Dieses Beispiel kenne ich aus meinen Lerncoachings. Meine Erfahrung hat gezeigt, wer seinen Stoff gut plant und keine unrealistischen Ziele setzt, schafft sein Studium auch ohne Stress.

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