Fernuni Hagen: Willenstest

Die Fernuni Hagen hat auf der diesjährigen LearnTec in Karlsuhe den Willenstest vorgestellt. Der Willenstest ist kein Persönlichkeits- oder Motivationstest, der tiefenpsychologische Analysen vornehmen sollen, er dient in erster Linie dazu, das eigene Lernverhalten zu analysieren und zu verbessern.


Schließlich kennt jeder das “Ich hab keinen Bock mehr” – Phänomen. Doch wie schafft man es, sich aus solchen Motivationslöchern wieder zu befreien und welche Strategie passt zu mir? Das beantwortet der Willenstest der Fernuni Hagen.

Mehr Motivation zum Lernen

Der Willenstest ist für alle Personengruppen gedacht, die in irgendeiner Art und Weise Lernen. Die Zielgruppe umfasst daher Fernstudenten der Fernuni Hagen ebenso, wie Studenten anderer Hochschulen, aber auch Schüler und Berufstätige, die sich weiterbilden.

Entwickelt wurde der Willenstest von Dr. Markus Deimann von der Fakultät für Kultur- und Sozialwissensschaften an der Fernuni Hagen, der u.a. auch für das Lehrgebiet Mediadidaktik zuständig ist. Gemäß Dr. Deimann ist der Willenstest soetwas, wie ein “Impulsgeber im Lerngeschehen”.

Was wird im Willenstest abgefragt?

Im Willenstest werden insgesamt 32 verschiedene Szenarien geschildert, zu denen man sich selbst einschätzen soll (anhand einer Skala von “trifft überhaupt nicht zu” bis “trifft vollkommen zu”. Dabei beginnt jedes Szenario mit dem Satz:

“Arbeite ich gerade nicht zielgerichtet oder unkonzentriert, dann …”

Die 32 Situationen, die dann geschildert werden, sollen ein detailliertes Profil des eigenen Lernverhaltens erstellen. Dabei steht die Fähigkeit, den eigenen Willen gezielt einzusetzen, im Mittelpunkt. Auch die Regulation der eigenen Motivation und Emotionen spielt dabei eine große Rolle.

Schließlich hatte jeder, der bereits im Lernstress steckte oder Lerndruck, Erfolgsdruck oder Zeitdruck ausgesetzt war, Erfahrungen mit Hochs und Tiefs während des Lernprozesses.

Die Angst, (selbst- oder fremdgesteckte) Ziele nicht zu erreichen, die fehlende Lust am Lernen, Frustration, Enttäuschung und der innere Schweinehund sind alles Faktoren, die das Lernverhalten maßgeblich beeinflussen können. Dem gegenüber stehen der Glaube an sich selbst, das Selbstbewusstsein und Selbtsvertrauen, Energie und Freund am Lernen, Kraft, Durchsetzungsstärke und Biss, sowie Freude und Glücksgefühle beim Erreichen von Zielen.

Dabei ist der Willenstest von den bekannten Lerntypentest und Motivationstests zu unterschieden. Denn diese, so Dr. Deimann auf der LearnTect, hauen zum Schluss zwar ein meist kurzes Testergebnis heraus, lassen den Teilnehmer damit dann aber alleine, sodass man sich fragt, was man mit dem Testergebnis jetzt eigentlich anfangen soll. Man wird zum Schluss der meisten gängigen Lerntests also mit einem Testergbnis zurückgelassen, welches kaum Optimierungsansätze bietet.

Werkzeuge zur Optimierung des Lernprozesses

Anders ist es beim Willenstest der Fernuni Hagen. Hier erhält man nach ca. 10 Minuten ein detailliertes Ergebnis, welches jedoch auch gezielte Optimierungsstrategien beinhaltet. Man erhält also individuelle Strategien und Werkzeuge an die Hand, sodass man Optimierungspotentiale nicht nur wahrnehmen, sondern diese auch mit gezielten Maßnahmen nutzen kann.

Die vorgeschlagenen Lernstrategien beziehen sich direkt auf das eigene Profil und sind daher eng auf das eigene Lernverhalten abgestimmt.

Fazit

Der Willenstest der Fernuni Hagen ist kein Psychotest und unterscheidet sich von anderen Lerntypen- und Motivationstests im Wesentlichen dadurch, dass er anschließend auf das persönliche Lernprofil abgestimmte Optimierungsstrategien liefert, die man direkt im Lernalltag anwenden kann.

Ich habe den Test eben auch gemacht und der Test geht richtig schnell, man braucht sich lediglich zu 32 Situationen einzuschätzen. Gute Nachricht: Ein psychisches Lernwrack bin ich (noch) nicht ;). Und einige Testergebnisse waren auch nicht Neues für mich, z.B. dass ich anscheinend die Aufschieberitis habe und dazu tendiere, auf den letzten Drücker zu lernen. Das war jetzt zwar keine neue Selbsterkenntnis über mich, aber dennoch habe ich erfahren, wodurch man diese ominöse Krankheit heilen kann. So habe ich erfahren, dass ich mehr nach meinem persönlichen Biorhythmus lernen, mit den unangenehmsten Sachen zuerst anfangen und eine Art Lernroutine einführen sollte.

Auch das Auseinandersetzen mit negativen Konsequenzen gehört nicht gerade zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich gebe mein Bestes und mache mir nur ungerne Gedanken darüber, wie es wohl ist zu Scheitern und was dann passiert. Was passiert, passiert eben. Aber ich habe durch den Willenstest erfahren, dass es auch motivierend sein kann, sich mit Konsequenzen auseinanderzusetzen, denn diese müssen ja nicht immer negativ sein! Anstatt negative Folgen zu verdrängen, sollte man sich diese ins Bewusstsein rufen und daraus positive und motivierende Lernanreize ableiten. Also nicht: Was mache ich bloß, wenn ich das Fernstudium abbrechen muss? Sondern: Wie sieht meine Party aus, wenn ich einen langen Atem beweise und den Abschluss in der Tasche habe ;)? So macht das doch viel mehr Spaß? Und der Verzicht auf Erfolge und Glücksgefühle ist schließlich auch eine negative Konsequenz.

Und dann gab es auch so Sachen, von denen ich eigentlich gedacht hätte, dass ich mit meiner jetzigen Einstellung dazu gut fahre. Dazu zählt z.B. der Leistungsvergleich mit anderen (Fernstudenten). Ich war immer der Meinung, man sollte sich auf sich selbst konzentrieren und sich nicht von links und rechts beeinflussen lassen. Im Willenstest wurde mir der Tipp gegeben, ich solle mir den Umfang an Arbeitszeit vorstellen, den meine Kommilitonen investieren und dadurch wahrscheinlich erfolgreicher sein werden, als ich. Also solche Überlegungen habe ich eigentlich in die Schublade “Selbstzerstörerisches Gedankengut” gepackt. Schließlich muss man sich nicht noch extra demotivieren und einen Leistungs- und Mithaltedruck aufbauen. Aber auch das kann von einer anderen Seite beleuchtet werden. Denn der Vergleich mit anderen kann durchaus ein Motivator für bessere Leistungen sein. Wenn man den Blick nur auf sich alleine gerichtet hält, neigt man eher dazu, den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Wird der Vergleichsmaßstab jedoch von sich selbst auf Dritte verlagert, kann die zu Höchstleistungen anspornen! Eine Different zwischen unserer Leistung und der Mehrleistungen eines anderen kann in diesem Fall den Anreiz zum Einsatz noch nicht ausgeschöpfter Ressourcen geben!

Auch das Lernen aus Fehlern (“Fehler muss man nie zweimal machen”) und das Abschätzen von (auch negativen) Folgen sind Erkenntnisse, die ich aus dem Willenstest mitgenommen habe. Für mich hat es sich jedenfalls gelohnt, den Test gemacht zu haben, auch wenn dies bedeutet, sich auch mal mit unangenehmen Überlegungen auseinanderzusetzen. Und das Gute ist: Den Test kann man zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen und evtl. Veränderungen im Lernverhalten festhalten. Schließlich ist Lernen ein kontinuierlicher Prozess, der stetig verbessert werden kann ;)!

Also? Wer will, wer hat noch nicht? Zum Willenstest >>