Fernuni Hagen verkürzt Einschreibefristen

FernUniversität in Hagen

Auf dem Campus und in der Bibliothek der FernUniversiät in Hagen ist recht wenig los. Das ist jedoch völlig normal.

Schließlich ist das Prinzip der Fernuni, dass die Studierende nicht anwesend sein müssen, sondern zeit- und ortsunabhänging von zuhause aus lernen können. Für Informations- und Lernveranstaltungen, sowie Klausuren wird eines der Regional- und Studienzentren in der Nähe aufgesucht.

Der Mix aus E-Learning und Präsenzveranstaltungen („Blended Learning“), sowie eine intensive Vor-Ort- und Online-Betreuung kommt insbesondere berufstätigen Studieninteressenten entgegen.

Doch die Fernuni Hagen hat im Vergleich zu vielen privaten Fernhochschulen einen weiteren Vorteil: Sie ist die  einzige öffentlich-rechtliche Fernuniversität im deutschen Hochschulraum. Das spiegelt sich vor allem in den Studiengebühren wieder.

Während ein Fernstudiengang bei privaten Anbietern zwischen 11.000 und 18.000 Euro kosten kann, belaufen sich die Studiengebühren an der Fernuni Hagen gerade mal auf 700 bis 2.400 Euro Gesamtkosten!

Es wundert daher nicht, dass die Fernuniversität mit über 88.000 Studierenden im Wintersemester 2013/14 Deutschlands größte Hochschule war. Ebenfalls Spitze in Deutschland: Die Fernuni Hagen war auch in Bezug auf die Zahl ihrer Professuren eine der erfolgreichsten. Im Schnitt verhalfen die 87 Professorinnen und Professoren je fast 30 Studierenden pro Jahr zum Studienabschluss. Das ist zweieinhalb bis drei Mal so viel wie landesüblich!

Doch mit diesen „Spitzenwerten“ hat die FernUniversität in Hagen offenbar ihre Belastungsgrenze erreicht. Professor Dr.-Ing. Helmut Hoyer, der Rektor der FernUniversiät, sagte:

„Eine weitere Steigerung der Studierendenzahl ist bei gleicher Qualität in der Ausbildung für unsere Lehrgebiete nicht weiter zu verkraften.“

Daher hat die Fernuni Schritte unternommen, um der hohen Belastung entgegenzutreten. Ziel ist es, die Qualität zu sichern und den Erwartungen der Studierenden an einen geregelten Studieneinstieg besser gerecht zu werden.

Verkürzte Einschreibefristen

Hierfür wurden die Einschreibe- und Rückfristenfristen deutlich verkürzt und den Zeiten an Präsenzhochschulen angepasst.

Bisher konnte man sich über das ganze Jahr über an der Fernuni Hagen einschreiben. Dieser flexible Studieneinstieg kam insbesondere Berufstätigen entgegen, die nebenberuflich studieren wollen. Diese machen mit ca. 80 Prozent das Hauptklientel der Fernuni aus.

Jetzt wurden die Anmeldezeiten auf jeweils zwei Monate vor dem Sommer- und Wintersemester verkürzt worden und entsprechen damit den Fristen an den Präsenzhochschulen. Die Fristen für die Einschreibung und Rückmeldung laufen für das Sommersemester (Studienbeginn ab April) vom 01.12. – 31.01. und für das Wintersemester (Studienbeginn ab Oktober) vom 01.06. – 31.07.

Die Möglichkeit zur gebührenpflichtigen Nachmeldung entfällt. Das Semester beginnt somit für alle Studierenden an der FernUniversität gleichzeitig. Vorteil: Der gleichzeitige Studienstart dürfte sich positiv auf den Austausch und die Zusammenarbeit der Fernstudenten untereinander auswirken.

Zulassungsbeschränkte Studiengänge gibt es an der Fernuni Hagen nach wie vor nicht. Das heißt: Jeder Bewerber, der die Zulassungsvoraussetzungen für die Einschreibung erfüllt, erhält einen Studienplatz.

Obwohl es weiterhin keine Studienplatzbeschränkung gibt, haben die gestrafften Einschreibefristen zu weniger Neueinschreibungen und Rückmeldungen geführt. Ergebnis: Die Zahl der Studenten an der Fernuni wird im Sommersemester erstmals sinken. Statt 88.000 werden dann nur noch etwa 80.000 Studenten  an Deutschlands einziger staatlicher Fernuniversität eingeschrieben sein.

Das ist ein Rückgang von insgesamt etwa 10 Prozent (endgültige Zahlen liegen erst am 15. Mai vor). Somit zieht die Fernuni nach jahrelangem Studentenzuwachs wegen wachsender Überlastung jetzt die Notbremse.

FernUniversität in Hagen

Auch die Kapazitäten einer Fernuniversität sind begrenzt…
© Luftaufnahme: Bernhard Fischer

10 neue Professuren, 100 neue Mitarbeiter

Als weiteres Steuerungsinstrument zur Qualitätssicherung hat die Fernuniversität Hagen die Einrichtung von zehn zusätzlichen Professuren beschlossen. Dies soll für eine Entlastung der besonders stark betroffenen Fächer, wie z.B.  Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft und Bildungswissenschaften, sorgen.

Drei Professuren finanziert die Fernuni aus eigenen Mitteln, sieben werden zwischenfinanziert. Zur Unterstützung der Professuren wurden zusätzlich fast 100 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter geschaffen, um die Studierenden ausreichend betreuen zu können.

Da die dafür benötigten finanziellen Mittel aus dem Hochschulpakt stammen, (der aber nur bis 2017 läuft), ist die Finanzierung darüber hinaus nicht gesichert.

Sich sich die Bedingungen an einer Fernuniversiät von denen an einer Präsenzhochschule unterscheiden, hat die Fernuni Hagen analog zu Präsenzunis begonnen, eine Kapazitätsrechnung zu entwickeln. Sie soll dabei helfen, die tatsächlichen Belastungsgrenzen für das wissenschaftliche Personal zu ermitteln und nachvollziehbare Argumente für den politischen Dialog schaffen. Zum Beispiel, was im Falle von besonders belasteten Studiengängen zu tun ist.

Druck auf die Politik wächst

Die Reduktion der Studentenzahl soll auf die schwierige finanzielle Situation der Fernuni Hagen hinweisen. Rektor Hoyer erklärte:

„Zugleich ist dieser Schritt ein deutliches Signal an die Politik, dass unsere Kapazitäten bis an die Grenze ausgelastet sind und bei weiteren Steigerungen Qualitätseinbußen drohen.“

Tatsächlich hat sich die Zahl der Studierenden innerhalb von sieben Jahren fast verdoppelt (siehe PDF Entwicklung der Studierenden ab SS 2007). Im Sommersemester 2007 waren insgesamt 44.767 Studierende an der Fernuni Hagen eingeschrieben, im Wintersemester 2013/14 waren es 88.168.

Die vom Land Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellten Ressourcen seien aber nicht gestiegen. Die Fernuni mit einem Gesamtetat von 100 Millionen Euro wird zu zwei Dritteln vom Land NRW gefördert.

Die Hochschulleitung fordert nun, dass die Mittel aufgestockt werden und sich auch andere Länder und der Bund stärker an der Finanzierung beteiligen sollen. Immerhin wohnen laut Studierendenstatistik für das Wintersemester 13/14 nur 31,3 Prozent der Fernuni-Studenten in NRW. Die große Mehrheit kommt aus anderen Bundesländern, allen voran Bayern (15,7 Porzent) und Baden-Württemberg (10,9 Prozent).

Dennoch trägt das Land Nordrhein-Westfalen zwei Drittel der Kosten. Den überwiegende Rest wird durch die Materialbezugsgebühren der Studenten finanziert.

Wird die Fernuni Hagen jetzt schrumpfen? Wohl eher nicht. Auch wenn die Studierendenzahlen zum kommenden Sommersemester um etwa 10 Prozent zurückgehen werden, wertet Rektor Hoyer dies nicht als Beginn einer Talfahrt, sondern vielmehr als eine Chance zum Atemholen:

„Wir gehen aber davon aus, dass das nur eine Atempause ist und wir dennoch nach weiteren nachhaltigen Finanzierungswegen suchen müssen.“

Immerhin: Die Zahl der Rückmeldungen ist trotz Verkürzung der Rückmeldefristen nur um ein Prozent zurückgegangen. Die Debatte über  die Finanzierung der Fernuniversität Hagen wird angesichts des erhöhten Drucks auf die Politik weitergehen…

Fazit

Stetig wachsende Studierendenzahlen – Eigentlich ein wünschenswertes Ziel einer Hochschule. Vor allem dann, wenn die Studierenden das eigene Wohnzimmer als Hörsaal nutzen können.

Doch jedes System ist endlich. Und offensichtlich ist das Boot der Fernuniversität jetzt voll. Im Kampf gegen die Überlast musste die Fernuni nun erstmals die Zahl der Studierenden zurückschrauben.

Die deutlich verkürzten Einschreibe- und Rückmeldefristen ähneln dem Semesterbetrieb an einer Präsenzuniversität und bedeuten vor allem für berufstätige Studieninteressierte weniger Flexibilität. Zum Vergleich: An privaten Fernhochschulen kann das Fernstudium jederzeit begonnen werden.

Wie geht es nun mit Deutschlands größter Universität weiter? Das weiß keiner so genau. Fakt ist: Die Fernuni Hagen hat angesichts stetig wachsender Studierendenzahlen offenbar ihre Belastungsgrenze erreicht und fordert auch andere Länder und den Bund auf, sich an den Fernuni-Kosten zu beteiligen.

Die Fernuni Hagen hat ihren Sitz zwar in NRW, doch rund 70 Prozent aller Studierenden wohnen (und studieren) verteilt in ganz Deutschland.

Und obwohl an einer Fernuniversiät keine großen Hörsäle für Vorlesungen oder Räume für zusätzliche Lehrveranstaltungen bereitgestellt werden und die Studienunterlagen per Post verschickt und Materialien über das Internet zur Verfügung gestellt werden, so brauchen auch Fernstudenten individuelle Betreuung.

Das betrifft die Studienberatung, die fachliche Betreuung durch Mentorinnen und Mentoren, sowie die Korrektur der Einsendearbeiten, Klausuren und Betreuung bei den Abschlussarbeiten.

Die Fernuni ist nach wie vor beliebt – Vielleicht schon zu beliebt? Die Zeichen der Hochschulleitung sind deutlich: Mit dem wachsendem Bedarf müssen auch die Ressourcen angeglichen werden. Die Finanzspritze aus dem Hochschulpakt und die Beschränkung der Zulassungszeiten sind nur die Ruhe vor dem Sturm.

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

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