Fernuni Hagen: Exmatrikulation und nun?

Irgendwie hört sich das Wort alleine ja schon schlimm an: Exmatrikulation. Aber wenn es das Verlassen der Fernuni Hagen oder wie es auf der Homepage der Fernuni heißt “ die Austragung der/des Betroffenen aus der Liste der Studierenden“ bedeutet, dann passt der Begriff schon ;). Ehrlich gesagt war meine Exmatrikulation eher ein passiver Vorgang. Anfang März lag einfach ein Schreiben der Fernuni Hagen in meinem Briefkasten, mit dem Betreff „Exmatrikulationsbescheid“.

Meine „Exmatrikulation zum 31.03.2012 wegen nicht erfolgter Rückmeldung“ brachte dann schon ein wenig Licht ins Dunkel. Schließlich hätte ich mich bis Ende Januar zum Sommersemester 2012 zurückmelden müssen. Allerdings wird man nicht einfach von der Uni geworfen, wenn man mal vergessen hat, sich zurückzumelden. Bis Ende März hätte ich theoretisch noch die Gelegenheit zur verspäteten Rückmeldung gehabt und somit mein Wiwi-Fernstudium fortsetzen können. Aufgrund der beruflichen und zeitlichen Veränderungen in meinem Leben habe ich mich jedoch entschlossen, die Exmatrikulation zu akzeptieren und meine kurze, aber lehrreiche Fernstudienzeit an der Fernuni Hagen zu beenden.

18 Monate Fernstudium: Ein Rückblick

Im Oktober 2010 fing mein Fernstudium an der Fernuni Hagen an. Damals war ich noch Vollzeit angestellt und wollte mich aus eigenem Antrieb nebenberuflich weiterbilden. Da ich bereits den Bachelor in Wirtschaftspsychologie in der Tasche hatte, war ein Masterabschluss mein ursprüngliches Ziel. Ein weiteres Präsenzstudium kam für mich damals aus Zeitgründen nicht in Frage, eine willkommene Gelegenheit, mich als Fernstudentin auszuprobieren. Die Anbieter-Frage war bei mir relativ schnell geklärt. Die Fernuni Hagen als einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland hatte in puncto Kostenfaktor schon mal gepunktet. Es ist nicht so, dass ich private Fernhochschulen kategorisch ausgeschlossen hätte, allerdings sind die Unterschiede bei den Studiengebühren mehr als beachtlich. An der Fernuni Hagen kostet ein Fernstudium zwischen 6.000 und 2.500 Euro, Gesamtkosten wohlbeachtet! Bei privaten Anbietern muss man für sein Fernstudium locker 10.000 – 15.000 Euro zahlen. Vielleicht würde man den Preis zugunsten eines inhaltlich passenderen Studiengangs sogar in Kauf nehmen, aber ich wollte eigentlich nur den Master. In welchem Studienfach war mir relativ egal, Hauptsache ich werde angenommen, Hauptsache Abschluss.

Der Masterstudiengang Wirtschaftswissenschaften schien mir damals die naheliegendste Alternative zu einem Master in Wirtschaftspsychologie. Allerdings flatterte dann auch recht schnell die Absage ins Haus, da mein Erststudium einen zu geringen BWL-Anteil hatte. Super, dachte ich. Und nun? Theoretisch hätte sich mein Fernstudien-Vorhaben damit in der Luft aufgelöst, wenn ich nicht auf die glorreiche Idee gekommen wäre, einen kleinen Umweg zum Wiwi-Master zu machen. Getreu dem Motto „Viele Wege führen nach Rom“, habe ich mich kurzherum entschlossen, zunächst den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften zu machen, um anschließend den Master draufzusetzen. Wie viele Jahre mich diese Fernstudien-Karriere alleine schon innerhalb der Regelstudienzeit gekostet hätte, wurde meinerseits gekonnt ignoriert.

Und so baute sich sogar so etwas wie Vorfreude auf das Fernstudium auf. Keine lästigen Wege zur Uni, lernen wann und wo ich will und alles, was man zum Bestehen der Prüfungen braucht, kommt bequem zu mir nach Hause. Perfekt! Die erste Ernüchterung stellte sich bereits mit Empfang des ersten Studienpakets (5 kg) ein. Dabei hatte ich mich „nur“ für ein Teilzeitstudium eingeschrieben und lediglich zwei Module belegt. Insgesamt 14 Studienhefte und zwei CDs haben mich jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. Es gab eine ganze Menge zu tun, bzw. zu lernen…

Zu viel zu lernen, zu wenig Zeit …

Eines stand fest: Die Masse an Studienunterlagen musste spätestens bis zum Prüfungstermin abgearbeitet sein. Das bedeutet: Lesen, Verstehen, Üben und Wiederholen. Etwas Sorge bereitete mir die Tatsache, dass man zur Prüfung nicht nur die textlichen Inhalte der Kurseinheiten, sondern auch sämtliche mathematische Formeln im Kopf gespeichert haben musste. Einzige Ausnahme bildete der Kurs 40601 „Grundlagen der Statistik“, bei welchem man das Glossar (ohne zusätzliche Anmerkungen/Ergänzungen) während der Klausur verwenden durfte. Beim Kurs 40600 „Grundlagen der Analysis und Linearen Algebra“ hingegen waren Formelsammlungen etc. tabu, einziges Hilfsmittel war ein nichtprogrammierbarer Taschenrechner. Das selbe traf für das Modul 31001 „Grundlagen der Analysis und Linearen Algebra“ zu.

In Anbetracht dessen, dass es nicht gerade wenige Formeln sind, ist es eine der größeren Herausforderungen des Fernstudiums, sich alle Formeln einzuprägen. Wie sinnvoll oder weniger sinnvoll eine solche Auswendiglernerei ist, sei mal dahingestellt. Zudem muss man die Formeln auch erstmal anwenden können und dabei hilft bekanntlich nur Üben, Üben, Üben. Dabei prägen sich die meisten Formeln ohnehin fast wie von selbst ein. Allerdings nur fast, denn es kostet schon deutlich mehr Zeit, das komplette Sammelsurium an Formeln wirklich auswendig zu können.

Apropos Zeit: Ich glaube, ich habe mich noch nie so viel mit dem Thema Zeitmanagement auseinandergesetzt, wie während meines Fernstudiums. Damals, als ich in Lüneburg noch Wirtschaftspsychologie studiere, war mir zwar bekannt, wie es sich anfühlt zu wenig Zeit zu haben, aber irgendwie hat trotzdem alles noch irgendwie (auf den letzten Drücker) geklappt. Ich bin ohnehin ein Mensch, der unter Zeitdruck besonders produktiv ist. Außer der zusätzlichen Ausschüttung an Stresshormonen, die mich sicherlich einige Monate meines Lebens kosten werden, gab es nie einen Anlass, an meinem Zeitmanagement zu arbeiten.

Das änderte sich schlagartig, als ich mit meinem Fernstudium angefangen habe. Ich möchte vorab schon mal eine der beiden wichtigsten Erkenntnisse ziehen, die ich aus meiner Fernstudienzeit gewonnen habe:  Ein Fernstudium – zumindest ein nebenberufliches – kann ohne Zeitmanagement nicht funktionieren. Ich mag das Wort „Zeitmanagement“ zwar immer noch nicht, weil es sich irgendwie überflüssig oder selbstverständlich anhört, dass man sich seine Zeit einteilen kann. Aber genau das ist es, was mir und sicherlich vielen anderen Fernstudenten auch, große Probleme bereitet.

Dabei muss man sich nur vor Augen führen, was ein Fernstudium in der Realität bedeutet: Man bekommt zum Semesterbeginn einen Haufen Unterlagen und zum Semesterende den Prüfungstermin. Das war´s. Die komplette Studienorganisation muss man dabei selbst übernehmen.Ich habe damals auch gedacht, dass das schon irgendwie geht und habe einfach drauflos gelernt, immer so viel, wie ich geschafft habe. Eine zeitliche Einteilung des Lernstoffs inklusive Vorbereitung, Wiederholung, Übung, Klausurvorbereitung und Pufferzeiten habe ich nicht vorgenommen. Das wurde mir irgendwann zum Verhängnis, als ich a) merkte, dass die Zeit knapp wird und b) durch die nicht vorhandene Vorbereitung auf Wirtschaftsmathe noch mehr Zeit verlor. Alleine das Auffrischen von Grundkenntnissen hat mich einige Wochen Zeit gekostet, die ich in meinem nicht vorhandenen Zeitplan natürlich auch nicht berücksichtigt hatte. Wenn dann noch irgendwelche außerplanmäßigen Termine dazwischen kamen, war das Semester ohnehin schon gelaufen. Denn ohne ein gutes Gefühl, wollte ich nicht in die Prüfung gehen. Und so wurde meine Prüfungsteilnahme zu einem guten Vorsatz, welcher sehnsüchtig darauf wartete, erfüllt zu werden…

Nebenberufliches Fernstudium: Zwischen Illusion und Wirklichkeit

Die erste Illusion, nämlich dass in den Studienheften alles steht, was man zum Bestehen der Prüfung benötigt, wurde mir relativ schnell genommen. An dieser Stelle möchte ich jedem angehenden Fernstudenten den Tipp geben, sich intensiv mit den Teilnahmevoraussetzungen der einzelnen Module auseinanderzusetzen, um ggf. vorzuarbeiten. Denn auch bei einem Bachelorstudiengang fängt der Lernstoff nicht bei Null an. Wenn man einigermaßen einschätzen kann, was auf einen zukommt, kann man die Wochen vor Semesterbeginn zur Vorbereitung nutzen, um dann ohne längere Pausen direkt und zügig mit den Studienheften weiterzumachen.

Eine weitere Illusion sind die dauerlächelnden, sympathischen Werbeträger der Fernlehr-Institute, die gut gelaunt und bei Sonnenschein mit dem Laptop auf dem Schoß für ihr Fernstudium lernen. Wenn ich die Sonne beim Lernen mal zu Gesicht bekam, dann höchstens am Wochenende. Denn früh morgens vor der Arbeit, bzw. spät abends nach der Arbeit sah es in puncto Sonnenlicht im wahrsten Sinne des Wortes düster aus. Obwohl ich mit den Kursunterlagen gut ausgelastet war, kam der Laptop bei mir ab und zu auch mal auf den Tisch. Allerdings eher als unterstützendes Helferlein, falls ich mal wieder was nicht verstanden habe und es neudeutsch „googeln“ wollte.

Aber eines muss ich doch trotz meiner geringen Studienzeit und meiner überschaubaren Studienerfolge zugeben: Das Lernen hat phasenweise wirklich Spaß gemacht. Das Fernstudium war eine Herausforderung, die mich vor neue Aufgaben gestellt hat und meinen Horizont erweitert hat. Und sobald man etwas verstanden, eine schwere Aufgabe richtig gelöst oder sein tägliches Lernpensum absolviert hat, bekommt man auch gute Laune. Ich halte lebenslanges Lernen, ob nun in Form eines Fernstudium oder anderweitig, für sinnvoll und auch wichtig. Allerdings konnte ich ein Fernstudium in meiner damaligen Lebenssituation mehr schlecht, als recht umsetzen.

Im Zentrum der Problematik stand wie so häufig das Thema Zeit: Wann lerne ich? Wo lerne ich? Wie viel lerne ich? Ich wusste, dass man bei zwei Modulen etwa 20 Stunden pro Woche zum Lernen einplanen muss. „Teilzeitstudium“ hört sich zunächst noch machbar an, wenn man sich aber vorstellen müsste, neben seinem Beruf noch einen Teilzeitjob auszuüben, ändert sich der erste Eindruck schnell. Doch nichts anderes ist ein nebenberufliches Fernstudium. Wohin nur mit den 20 Stunden? Da ich ungerne mein geliebtes Wochenende opfern und Samstag und Sonntag jeweils 10 Stunden lernen wollte (was auch total unrealistisch ist), entschied ich mich, einen Teil des Lernpensums vor und nach der Arbeit abzuarbeiten.

In der Realität hieß das: Morgens um 6 Uhr mit Studienheften in der U-Bahn zur Arbeit fahren, das gleiche Spiel wieder abends auf dem Rückweg. Je nachdem, wie der Lärmpegel war, blieb mal mehr, mal weniger hängen. Doch die Konzentrationsfähigkeit in öffentlichen Verkehrsmitteln ist im Allgemeinen nicht sonderlich berauschend. Mal abgesehen davon, dass man sich mit verrunzelter Stirn und Taschenrechner in der Hand über schräge Blicke nicht wundern muss…

Nachdem die Einkäufe erledigt waren, ging es dann nach Hause und nach dem Essen wurde ein entspannter Fernsehabend gegen den heimischen Schreibtisch getauscht. Spaß ist anders. Unter der Woche, neben der Arbeit zu lernen, ist echt hart. Vor allem, wenn die Arbeitstage wieder etwas länger ausfallen und man erst spät zu Hause ist. An den Wochenenden fällt das Lernen schon etwas einfacher, auch wenn man seine Freizeitaktivitäten stark einschränken muss.

Wenn man sich für ein Fernstudium entscheidet, muss man nun mal bereits sein, Opfer zu bringen und seine freie Zeit für das Studium zu investieren. Allerdings stieg in Anbetracht meines Lerntempos und der entsprechend langen Studienzeit, langsam aber sicher Demotivation in mir auf. Hätte ich jedes Semester zwei Module bestanden, wäre ich in 4,5 Jahren  mit dem Fernstudium, bzw. erstmal nur dem Bachelor, fertig gewesen. Dazu kam noch, dass die Prüfungen nicht jedes Semester in Hamburg angeboten wurden und der nächste Prüfungsort wäre Bremen gewesen. Zu Beginn des Studiums denkt man noch: Ach, der Weg zum nächsten Prüfungsstandort ist ja nicht so schlimm. Schließlich finden die Prüfungen nur einmal im Semester statt. Aber wenn man dann tatsächlich einen längeren Weg zum nächstgelegenen Klausurort in Kauf nehmen muss und je nachdem, wie viele Prüfungen man schreibt, evtl. auch öfter fahren muss, sieht das schon anders aus.

Nachdem die ersten beiden Semester ohne Prüfungsteilnahme stattfanden, wollte ich schon gar nicht mehr ausrechnen, wann das Studium seinen theoretischen Abschluss gefunden hätte. Meine Mutter meinte damals, ich solle das Studium zu einer Art Hobby machen und mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Als sich dann aber noch meine berufliche Situation verändert hat, fragte ich mich irgendwann, warum ich das Ganze überhaupt mache.

Was studiere ich da eigentlich und was will ich damit?

Wenn man schon nicht mehr genau weiß, warum man überhaupt studiert, ist es höchste Eisenbahn, die persönliche Motivationshintergründe zu hinterfragen. Die geniale Idee, den Wiwi-Master über den Umweg des Wiwi-Bachelors zu erreichen, hatte ich ja anfangs bereits erläutert. Doch warum überhaupt Wirtschaftswissenschaften? Nun ja, ein anderer Master kam an der Fernuni Hagen nun mal nicht für mein Wirtschaftspsychologie-Studium in Frage. Zumal dachte ich, mit einem zusätzlichen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, bessere Karrierechancen zu haben. Ob nun BWL oder Wirtschaftswissenschaften – Das sind „Allround-Studiengänge“, mit denen man eigentlich immer auf der sicheren Seite ist. Die passen so gut wie immer, werden von Zigtausenden studiert, von denen sich aber wahrscheinlich nur ein Bruchteil tatsächlich für die Inhalte interessiert.

Eine Karriere in der Wirtschaft rückte spätestens dann in den Hintergrund meiner beruflichen Bestrebungen, als ich selbstständig gemacht habe. Mit einem abwechslungsreichen Job, der mir sehr viel Spaß macht und mich erfüllt, löste sich der anfängliche Grund für mein Wiwi-Fernstudium  nach und nach in Luft auf. Nicht, dass man ein Wiwi-Studium nicht vielleicht doch noch gut gebrauchen könnte, das mit Sicherheit. Allerdings habe ich da wohl zum ersten Mal auf meine innere Stimme gehört und mir ohne meinen beruflichen Werdegang, sowie die ganzen Karrierechancen und Jobaussichten im Hinterkopf, Gedanken darüber gemacht, welches Studienfach mich wirklich interessieren würde. Kurz gesagt: Da gibt es einige, aber Wirtschaftswissenschaften ist nicht darunter.

Neben dieser Feststellung, muss man, egal, was man nun studiert, Zeit für sein Studium haben. Mit Beginn der Selbstständigkeit wurde die ohnehin schon knappe Zeit zum Lernen nochmal deutlich geringer. Diese beiden Faktoren: Mangelnde Zeit und mangelndes Interesse haben letztendlich zum Ende meines Fernstudiums geführt.

Ich möchte aber auch nicht nur auf dem Zeitfaktor herumreiten. Schließlich haben die meisten berufstätigen Fernstudenten wenig Zeit und ein Großteil von ihnen schafft es dennoch bis zum Abschluss. Wenn man will, dann schafft man es in aller Regel auch, Zeit zum Studieren freizuschaufeln und opfert seine Freizeit auch gerne. Voraussetzung ist jedoch, dass man ein Ziel vor Augen hat und dem Studium so einen Sinn gibt. Sei es ein Berufswunsch oder einfach das persönliche Interesse an einem Themengebiet – Grundlos irgendwas zu studieren, macht einfach keinen Sinn. Wenn man dann in ein Motivationsloch fällt, muss man sich nicht wundern.

Wie geht es jetzt weiter?


Ich kann mich schon noch vorstellen, in Zukunft wieder ein Studium aufzunehmen. Allerdings werde ich dann meine beiden gezogenen Erkenntnisse beherzigen und dafür sorgend, dass ich 1. etwas studiere, was mich interessiert und 2. ausreichend Zeit für mein Studium habe. Aus meiner Sicht sind das die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Die Kombinationen „Zeit ohne Spaß“ und „Spaß ohne Zeit“ funktionieren zwar auch, fragt sich nur wie lange. Der Weg ist jedenfalls deutlich schwieriger und aufmürbender, als wenn man mit Zeit und Spaß studiert.

Ein konkretes Studienfach schwebt mir noch nicht vor, dafür müsste ich im Rahmen meiner Selbstständigkeit erstmal den erforderlichen Zeitrahmen für ein Studium schaffen. Sollte ich wieder studieren, wird es voraussichtlich auf die Studienrichtung Sport-/Ernährungswissenschaften hinauslaufen, also eine völlig neue Richtung, mit der ich mich jedoch sowohl privat, als zeitweise auch beruflich auseinandersetze.

Bei der Frage: „Fernstudium oder Präsenzstudium?“ würde ich im Nachhinein ein weiteres Präsenzstudium bevorzugen. Es sind nicht nur der Kontakt zu anderen Studenten und der vorgegebene organisatorische Rahmen, den ich mittlerweile als großenVorteil empfinde, sondern vor allem der Stellenwert im Alltag, den ein Präsenzstudium mit sich bringt. Ein Studium braucht, egal ob Fern-, oder Präsenzstudium, Priorität im Alltag. Meinem nebenberuflichen Fernstudium konnte ich diese Priorität nicht geben. Ich möchte nicht jahrelang einfach nur „nebenbei“ studieren, sondern mich schwerpunktmäßig auf mein Studium konzentrieren können. Die Doppelbelastung Studium-Beruf wird mit meiner Selbstständigkeit weiterhin bestehen bleiben, doch gibt es sicherlich Mittel und Wege, in Zukunft etwas mehr Zeit freizuschaufeln.

Die Exmatrikulation, bzw. der Abbruch meines Fernstudiums waren jedenfalls die richtige Entscheidung. Ziele und Umstände ändern sich, warum also sollte man nicht einmal getroffene Entscheidungen wieder über Bord treffen und eine neue Richtung einschlagen. Doch obwohl das Wiwi-Fernstudium an der Fernuni Hagen rückblickend nicht der richtige Weg für mich war, so ist er es vielleicht für jemand anderen. Die Möglichkeit, neben dem Beruf einen akademischen Abschluss zu erlangen ist ein großer Pluspunkt für das Fernstudium und für viele Berufstätige die einzige Alternative zum Präsenzstudium. Und die Fernuni Hagen ist und bleibt nicht umsonst die größte Universität in Deutschland und gerade auch aufgrund der humanen Studiengebühren eine gute Anlaufstelle für angehende Fernstudenten. Doch auch wenn es verlockend ist, so sollte der Kostenfaktor nicht der einzige Grund sein, warum man an die Fernuni Hagen geht. Kompromisse beim Studienfach zahlen sich auf lange Sicht nicht aus.

Solange man sich für das Studienfach interessiert, bereit ist, Zeit zu investieren und mit dem Studium ein berufliches oder persönliches Ziel vor Augen hat, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfolgreich sein. Daher schaue ich nicht enttäuscht auf meine 18-monatige Fernstudienzeit zurück, sondern betrachte sie als erkenntnisreiche Phase, in der ich auch viel über mich selbst kennengelernt habe.

Mit Fernstudium-Wiwi geht es natürlich nach wie vor weiter. Denn obwohl ich jetzt zum viel diskutierten Anteil der Studienabbrecher zähle, ist und bleibt das Thema Fernstudium weiterhin ein interessantes und vielseitiges Gebiet, über das ich gerne schreibe. Doch zunächst bleibe ich nebenberuflich studienfrei ;).

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

9 Kommentare zu "Fernuni Hagen: Exmatrikulation und nun?"

  1. Danke, fuer Deinen Artikel.
    Als Teilzeitstudentin Bc. Psychologie an der Fernuni-Hagen im dritten Semester ist meine Motivation der „rote Faden“in meinem Studium und Zeitmanagement das „A und O“.

  2. Hallo Alicia,

    ich verfolge Deinen Blog nun schon einige Monate und freue mich an Deinen Erfahrungen teilhaben zu dürfen. Vielen Dank dafür. Ich habe vor mich an der Fernuni Hagen zum WS einzuschreiben, dabei hast Du mich auch nicht abgeschreckt 😉
    Dein Blog hat mir aber bei der Entscheidung geholfen, es ruhig angehen zu lassen und neben dem Job erstmal nur ein Modul zu belegen.
    Nebenbei habe ich dank Deines Blogs schon mal angefangen den Brückenkurs Mathematik durchzuarbeiten- mein Erststudium ist ja nun doch schon 15 Jahre her 🙂

  3. Hey Oliver,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Obwohl sich das Wiwi-Fernstudium für mich persönlich irgendwann als nicht zweckmäßig herausgestellt hat, möchte ich natürlich niemanden von einem Studium an der Fernuni Hagen abschrecken, im Gegenteil. Daher freue ich mich, dass du ebenfalls planst, dich einzuschreiben.

    Aber ich freue mich auch, wenn meine Artikel dazu beitragen, das Fernstudium nicht durch die rosarote Brille zu sehen. Denn obwohl es vielleicht leichter scheint, ist ein Fernstudium in Wirklichkeit schwerer, als ein Präsenzstudium. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn du bei Mathe etwas vorlernst und zunächst nur ein Modul belegst. Das ist definitiv machbar und du kannst dich an die neue Studienform gewöhnen.

    Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß bei deinem Fernstudium!

    Viele Grüße,

    Alicia

  4. Hallo Alicia

    Darf ich fragen wieviele Mdoule in der Zeit bestanden hast? 🙂

    LG,
    Rudy

  5. Hey Rudy,

    ich habe während meines Fernstudiums lediglich zwei Module, aber an keiner Prüfung teilgenommen. Im ersten Semester wurde es bei Mathe zeitlich zu knapp und im zweiten Semester habe ich das Tempo bereits deutlich rausgenommen. Zudem fanden die Prüfungen dort in Bremen statt, was mir vom Aufwand her einfach zu hoch war.

    Ich habe aber bereits im zweiten Semester gemerkt, dass das Wiwi-Fernstudium von den Inhalten nicht das Wahre für mich ist, ansonsten wäre ich wohl eher bereits gewesen, mehr Opfer dafür zu bringen.

    Liebe Grüße,

    Alicia

  6. Haste richtig gemacht!

    P.S
    Wenn ich Zeit habe, mach ich noch ne schöne Kommentierung noch!

  7. Dein Artikel ist sehr ehrlich geschrieben und spiegelt Realitäten die Viele lieber verdrängen gut wieder. Glücklich sein heisst nicht hinter falschen Werten hinterherzurennen und etwas zwanghaft zu lernen (oder aus 1000 Gründen eben dies nicht zun tun) was weder einen persönlich noch beruflich wirklich weiterbringen würde.

  8. hallo alicia, habe vor wirtschaftspsychologie zu studieren, entwerder an einer staatlichen wenn es klappt oder auch privat wenn es sein muss, wie war das bei dir ? was muss man im vorraus wissen über diesen studiengang.
    mit freundlichen grüßen.

  9. Hey Ben,

    also ich habe Wirtschaftspsychologie damals an der Leuphana Universität in Lüneburg studiert. Das Studium ist eine Mischung aus BWL und Psychologie.

    Im Fokus stehen Allgemein- und Sozialpsychologie, sowie Grundlagen in Persönlichkeits- und Differentialpsychologie. Auch psychologische Methodik und verhaltensorientierte BWL sind integriert.

    Im weiteren Studienverlauf konnte man sich auf die Bereiche Arbeits- und Ingenieurspsychologie, Umwelt- und Verkehrspsychologie, Werbe- und Konsumpsycholgogie, sowie Personal- und Organisationspsychologie spezialisieren.

    Mein Schwerpunkt war Werbe- und Konsumpsychologie. Insgesamt war ich mit dem Studium sehr zufrieden, da es eine gute Alternative zur klassischen BWL und Psychologie ist. Auch wenn Wirtschaftspsycholgoie nicht mit klinischer Psychologie oder der Tätigkeit eines Psychologen zu verwechseln ist.

    Alternativ zum Präsenzstudium bietet die Euro-FH auch den Studiengang „BWL & Wirtschaftspsychologie“ als Fernstudium oder Abendstudium an. Der Fernstudiengang zeichnet sich durch gleichgewichtige Anteile von Betriebswirtschaftslehre zum einen, sowie Wirtschaftspsychologie und Verhaltensökonomik zum anderen aus.

    Allerdings sind die Kosten mit 12.240,- bis 12.960,- Euro (bei 36 und 48 Monaten Studiendauer) relativ hoch.

    Ein Fernstudium lohnt sich z.B. wenn man bereits berufstätig bist und keine längere Job-Auszeit oder Gehaltseinbußen in Kauf nehmen kann oder möchte – Die zeitlichen Kapazitäten eines nebenberuflichen Studiums vorausgesetzt.

    Ansonsten würde ich mittlerweile eher zu einem Präsenzstudium tendieren, da das Studium in dieser Zeit klar im Fokus ist und man am „normalen“ Studienalltag an einer Uni/FH teilhaben kann. Weitere Vorteile sind klare Zeitpläne bzw. Termine und der unmittelbare Kontakt zu Kommilitonen und Lehrkräften.

    Ein Fernstudium erfordert weitaus mehr Eigenmotivation, Willensstärke, sowie ein gutes Zeitmanagement, das man evtl. erst lernen muss…

    Viele Grüße,

    Alicia

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