Fernstudium vs. Präsenzstudium – Ein Rückblick

Etwa 17 Monate ist es nun her, seitdem ich mich an der Fernuni Hagen für den Bachelor-Fernstudiengang Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben habe. Zeit, die vergangenen Monate als Fernstudentin Revue passieren zu lassen und einen Status Quo festzuhalten. Denn in den fast 1,5 Jahren haben sich nicht nur meine berufliche Situation, sondern auch meine Ziele und Pläne für die Zukunft verändert. Auch ist es interessant, meine ursprünglichen Vorstellungen zum Wiwi-Fernstudium an der Fernuni Hagen mit der Realität zu vergleichen. Eines nehme ich schon mal voraus: Es gab da gewisse Abweichungen…

Fernstudium an der Fernuni Hagen – Ja oder Nein?

Mein Fernstudium begann im Oktober 2010, pünktlich zum Wintersemester 10/11. Seitdem schreibe ich in meinem Blog über meine persönlichen Erfahrungen, Probleme und erfreuliche Ereignisse an der Fernuni, sowie über diverse Themen aus dem Bereich Fernstudium. Viele von euch haben sich ebenfalls bereits für ein Fernstudium (an der Fernuni Hagen) entschieden oder überlegen noch, ob sie sich einschreiben lassen sollen. Aktuell läuft gerade die Frist für den flexiblen Studieneinstieg. Bis zum 15. März  haben alle, die es versäumt haben, sich während der regulären Einschreibfrist für einen Studiengang einzuschreiben, die Möglichkeit, ihr Fernstudium trotzdem noch in diesem Semester aufzunehmen.

Vielleicht überlegen ja noch einige von euch, ob sie diese Chance nutzen sollten oder ob das Fernstudium neben Job, Familie, Hobbys usw. überhaupt machbar ist. Angesichts der immer noch aktuellen Diskussion über die hohen Abbruchquoten an der Fernuni sind Zweifel und Ängste nicht gerade abwegig. Auch ich habe vor Beginn meines Fernstudiums zahlreiche aufwühlende Beiträge in Blogs und Foren gelesen, die mir nicht gerade Mut gemacht haben. Dort wurden neben der beachtlichen Abbruchquote vor allem auch das hohe Lernpensum, sowie die anspruchsvollen Lerninhalte thematisiert.

Damals habe ich mich von all dem Gerde nicht sonderlich von meinem Ziel abhalten lassen. Nur, weil so viele mit dem Fernstudium überfordert scheinen und eventuell sogar abbrechen, muss es doch bei mir nicht genauso sein. Heute bin ich zwar immer noch der Meinung, dass man nicht von anderen auf sich selbst schließen sollte, allerdings bin ich mittlerweile auch um einige Erfahrungen und Erkenntnisse reicher, die ich zum Studienstart noch nicht hatte.

Fernstudium vs. Präsenzstudium – Was ist besser für mich?

Fernstudium oder Präsenzstudium?Ein akademisches Studium ist für mich nicht neu, da ich bereits ein komplettes Präsenzstudium hinter mir habe. Bis 2009 habe ich noch Wirtschaftspsycholgie an der Leuphana Universität Lüneburg studiert. Daher dachte ich, dass ich mit einem nebenberuflichen Fernstudium eigentlich auch ganz gut zurechtkommen sollte. Eigentlich kam mir die didaktische Form eines Fernstudiums auch sehr gelegen: Keine langen Hin- und Rückwege mehr zur Uni, keine festen Termine, kein Leerlauf zwischen den Vorlesungen, keine Seminare, Gruppenarbeiten, Referate … Das hörte sich für mich super an. Ich lerne ohnehin am liebsten alleine, sodass ein Fernstudium eigentlich perfekt schien. Die Betonung liegt aber auf dem Wort “eigentlich”, denn heute, nach 17 Monaten Fernstudium, weiß ich, dass das Studium an der Fernuni alles andere als perfekt für mich ist.

Da ich heute beides, sowohl Fernstudium, als auch Präsenzstudium kenne, möchte ich diese beiden Studienformen, sowie ihre Vor- und Nachteile in diesem Artikel gegenüberstellen. Für die meisten Berufstätigen, die sich nebenberuflich weiterbilden möchten, ist ein Fernstudium scheinbar die einzige Alternative. Doch nicht für jeden ist es die richtige Alternative zum Präsenzstudium.

Wie schwer ist das Fernstudium an der Fernuni Hagen wirklich? Was sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren? Und wer sollte besser über ein Präsenzstudium nachdenken? Im Folgenden möchte ich auf diese und weitere Fragen eingehen und Studieninteressierten eine kleine Entscheidungshilfe, basierend auf meinen eigenen Erfahrungen, bieten.

Warum der Wiwi-Bachelor an der Fernuni Hagen?

Warum habe ich mich damals eigentlich für ein Fernstudium entschieden? Und warum fiel meine Wahl ausgerechnet auf die Fernuni Hagen? Letztere Frage kann ich schnell beantworten: Wegen der günstigen Studienkosten. Doch erstmal zurück zum Fernstudium: Mein ursprüngliches Ziel war es, den Master zu machen. Ich wollte einfach eine aufbauende, akademische Qualifikation, um meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Außerdem war es bei mir bisher immer so, dass ich mir neue Ziele gesetzt und auf diese hingearbeitet habe. Lernen hat mir stets Spaß gemacht und so kam ich auf die Idee, noch einmal die Schulbank zu drücken.

FernstudierenEin Fernstudium war zu der Zeit die einzige Alternative für mich, da ich Vollzeit berufstätig war. Eine mehrjährige Auszeit, um noch einmal ein Präsenzstudium aufzunehmen, kam für mich damals nicht in Frage. Als es dann darum ging, einen geeigneten Fernstudien-Anbieter zu finden, wurde mir die Entscheidung sehr leicht gemacht. Denn der Fernstudienmarkt ist zweigeteilt. Da gibt es aus der einen Seite die Fernuni Hagen, welche nicht nur die größte Universität in Deutschland, sondern auch die einzige staatliche Fernuniversität ist. Aus diesem Grund kann sie ihre Fernstudiengänge auch zu sehr günstigen Konditionen anbieten, außerdem gibt es in NRW keine Studiengebühren.

Auf der anderen Seite gibt es die breite Masse an privaten Fernhochschulen, welche zwar eine viel größere Auswahl an Fernstudiengängen bieten, allerdings auch zu beachtlichen Preisen. Bei einem privaten Anbieter, z.B. an der Euro-FH, hätte ich sofort den passenden Masterstudiengang in Wirtschaftspsychologie gefunden. “Nur” 1,5 bis 2 Jahre und ich hätte den Abschluss Master of Science in der Tasche gehabt. Allerdings gibt es da ein kleines Problem mit den Gebühren. So hätte ich bei einer Studiendauer von 18 Monaten insgesamt 10.620 Euro blechen müssen. Und 1,5 Jahre lang 590 Euro pro Monat abdrücken zu müssen, tut schon weh. Bei der längeren Variante von 24 Monaten sind die Studienkosten mit 11.520 Euro sogar noch höher. Und obwohl die monatliche Belastung bei dieser Studiendauer bei niedrigeren 480 Euro liegt, so war und bin ich nicht bereit, so viel Geld für ein Fernstudium an einer privaten Hochschule zu bezahlen.

Anders sah es an der Fernuni Hagen aus. Zwar bietet die Fernuni leider keinen Master in Wirtschaftspsychologie an, dafür aber den Masterstudiengang Wirtschaftswissenschaften. Der Blick in das Modulhandbuch hat mir durchaus zugesagt, zumal man die Wahlpflichtmodule – je nach Interesse und beruflichem Einsatzgebiet – selbst wählen kann. Überzeugt hat mich letztendlich der Preis, denn der Wiwi-Master an der Fernuni Hagen kostet insgesamt nur 1.000 Euro! Da ein Fernstudium bei einer privaten Fernhochschule für mich bereits aufgrund der horrenden Studiengebühren ausschied, verblieb nur noch die Fernuni als einzige, für mich realisierbare Alternative. Und für den riesigen Kostenunterschied war ich gerne bereit, beim Studiengang einen Kompromiss einzugehen.

Wie ich letztendlich beim Bachelorstudiengang Wiwi gelandet bin, erklärt sich damit, dass ich für den Masterstudiengang abgelehnt wurde. Grund: Mein Erststudium weist einen zu geringen BWL-Anteil auf. Das ist nun mal das Problem bei diesen Misch-Studiengängen, wie Wirtschaftspsychologie – nichts Halbes und nichts Ganzes. Nachdem ich die erste Enttäuschung verdaut habe, entschied ich mich kurzerhand für den Bachelorstudiengang Wiwi. Ich dachte mir “Viele Wege führen nach Rom”, also würde ich zunächst den Bachelor und anschließend den Master in Wirtschaftswissenschaften machen. So jedenfalls der Plan…

Ich hatte einfach Lust auf das Fernstudium und wollte wieder mal etwas Neues lernen. Da ich es mit dem Abschluss nicht eilig hatte, nahm ich die lange Studienzeit für zwei Abschlüsse gerne in Kauf. Zunächst wollte ich das Bachelor-Fernstudium sogar in Vollzeit absolvieren – Neben meinem damaligen Vollzeitjob wohlgemerkt. Diese Schnappsidee wurde mir jedoch von einem Fernuni-Mitarbeiter schnell wieder ausgeredet. Woher hätte ich die 40 Stunden in der Woche zum Lernen auch nehmen sollen? Also entschied ich mich für die Teilzeit-Variante, welche die Studienzeit wieder in die Länge zog. Da wusste ich noch nicht, dass sich die anvisierten 4,5 Jahren bis zum Bachelor-Abschluss schnell verdoppeln würden…

Die Studienunterlagen – Ein Batzen Desillusion

“Der Begriff Desillusion (lat.) bezeichnet eine Enttäuschung oder eine tiefgreifende negative Erfahrung, die zu Resignation führen kann. Dabei kommt es zu einer Erkenntnis, die eine vorherige Interpretation der Tatsachen als falsch erkennt oder gar einen Teil oder das gesamte bisherige Weltbild infrage stellt.” (Wikipedia)

Die erste Ernüchterung trat mit Erhalt des ersten Studienpakets ein – 5 Kilo Studienmaterial mussten erstmal verdaut werden. Ehrlich gesagt hätte ich damals nicht gedacht, dass zwei Module so umfangreich sein würden. Eigentlich habe ich mich auf die Studienhefte gefreut, weil sie schließlich alles enthalten, was für die anstehenden Klausuren relevant ist. Im Vergleich zu Vorlesungen an der Uni muss man nicht laufend anwesend sein, ständig mitschreiben und aufpassen, alle relevanten Inhalte mitzubekommen. Zwar kommt auch an der Uni im Verlauf des Semesters einiges an Lernstoff zusammen, aber nicht als geballte Ladung. Zudem kam mir das Lernpensum beim Fernstudium deutlich höher vor, als zu Zeiten meines Präsenzstudiums. Ok, damals war ich Vollzeit-Studentin und habe pro Semester sieben Prüfungen geschrieben. Die Klausurvorbereitung war auch Stress pur, aber ich konnte mich gut motivieren, hatte Spaß beim Lernen und damit auch Erfolgserlebnisse.

Beim Fernstudium wollte der Spaß allerdings nicht so wirklich aufkommen. Vielleicht lag es auch daran, dass der Batzen Studienhefte auf meinem Schreibtisch nicht sonderlich motivierend wirkte. Ich habe diese dann kurzerhand aus meinem Sichtfeld geräumt und versucht Heft für Heft abzuarbeiten. Doch auch inhaltlich war ich vor bösen Überraschungen nicht gefeit…

Basic-Knowhow für die Module: obligatorisch statt fakultativ

Frei nach dem Motto “Das Schwierigste zuerst”, fing ich mit dem Kurs “Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik” an. Beflügelt von den guten Mathe-Noten aus meiner FOS-Zeit und den Statistik-Kenntnissen aus meinem Studium sollte die Bearbeitung der Studieninhalte doch keine größeren Probleme darstellen. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass auf mein Langzeitgedächtnis kein Verlass war. Immerhin war die letzte Mathestunde auch schon sechs Jahre her. Hier hätte ich die Teilnahmevoraussetzungen im Modulhandbuch sowohl besser studieren, als auch ernster nehmen sollen.

Mathematisches Grundwissen ist PflichtMan sollte sich nie darauf verlassen, dass in den Studienunterlagen alles ausführlich und bis in kleinste Detail erklärt wird. Ohne Vorbereitung und Auffrischung von Grundwissen wird man ins eiskalte Wasser geworfen. Ohne grundlegende Kenntnisse in Arithmetik, Algebra, Gleichungen, Logarithmen etc. braucht man z.B. mit Wirtschaftsmathe gar nicht erst anfangen. Und selbst bei Modulen, in denen es keine offiziellen Teilnahmevoraussetzungen gibt, wie z.B. “Einführung in die Wirtschaftswissenschaft” kommen Ableitungen, Gleichungen etc. vor, mit denen man zurechtkommen muss.

Fehlen diese wichtigen Grundkenntnisse, muss wieder viel Zeit investiert werden, um diese aufzufrischen. Bei Mathe habe ich das komplette Auffrischungsprogramm mit den Lernvideos von Lecturio durchgezogen. Das war zwar äußerst effektiv, kostete mich aber auch immens viel Zeit, die mir dann beim Lernen fehlte. Und Zeitnot ist einer der größten Erfolgskiller beim Fernstudium. Es war hart zu realisieren, dass ich in dem Lerntempo wohl kaum zwei Module pro Semester schaffen würde.

Um dieses Problem vorzubeugen, kann ich nur empfehlen, sich rechtzeitig mit den Studieninhalten auseinanderzusetzen und ggf. vorzuarbeiten. Auch ein Zeitplan mit festen Lernzeiten und der Einteilung des gesamten Lernstoffs inklusive Zeitpuffern für Engpässe ist nicht nur hilfreich, sondern auch wichtig, um nicht in Zeitnot zu geraten. Denn die hohe Flexibilität beim Fernstudium kann auch zum Verhängnis werden…

Flexibilität beim Fernstudium – Fluch oder Segen?

Freie Zeiteinteilung und örtliche Ungebundenheit – Für mich war die hohe Flexibilität eines Fernstudiums, neben den günstigen Studiengebühren an der Fernuni Hagen, der größte Vorteil. Keine festen Vorlesungszeiten, keine nervigen Fahrten zur Uni – perfekt! Doch der Luxus der Freiheit will gelernt sein. Angesichts der Tatsache, dass ein Fernstudium meist nebenberuflich absolviert wird und es niemanden gibt, der einem auf die Finger guckt, ist es eine große Herausforderung, sich selbst Termine zu setzen und diese dann auch einzuhalten.

Sowohl die komplette Studienorganisation, als auch die Verantwortung für die Umsetzung liegt an einem selbst. Wer also ein erfolgreiches Fernstudium absolvieren möchte, muss in den Organisationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Disziplin und Eigenmotivation glänzen. Hört lich leichter an, als getan. Morgens früher aufstehen, um noch vor der Arbeit zu lernen, spätabends nach dem Feierabend an den Schreibtisch setzen, während Partner oder Familie gemütlich fernsehen, an den Wochenenden auf Freizeit verzichten oder extra Urlaub für die Klausurvorbereitung investieren – Wer tut das schon gerne?

Ich habe damals immer in der U-Bahn auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit gelernt, aber besonders effektiv war das auch nicht. An den Wochenenden ging es schon besser, allerdings hätte ich dann Samstag und Sonntag durchpowern müssen, um das anvisierte Lernpensum eines Teilzeitstudiums (20 Stunden) zu schaffen. Abends, wenn man müde aus der Arbeit wiederkommt, fällt das Lernen besonders schwer. Auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, dem Rat meiner Mutter zu folgen und das Fernstudium als eine Art Hobby anzusehen, so wurde es zunehmend zur Last. Das hohe Lernpensum war nur ein Punkt, hinzu kam das teils unverständliche Studienmaterial, welches erforderte, gewisse Inhalte in anderen, verständlicheren Quellen nachzuschlagen. Das alles kostet Zeit, die mit Beginn der Selbstständigkeit besonders rar wurden. Die fehlende Zeit, der innere Druck, lernen zu müssen und die Einsicht, allerhöchstens noch ein Modul pro Semester bearbeiten zu können, resultierten bald in ausbleibender Motivation. Und für die ist man beim Fernstudium nun mal selbst verantwortlich…

Stilles Kämmerlein statt pulsierendes Campus-Leben

Auf dem CampusIm Vergleich zu einem Präsenzstudium, wird man beim Fernstudium i.d.R. nicht “mitgezogen”. Man fühlt sich niemandem verpflichtet, schließlich lag die Entscheidung bei einem selbst. Es gibt keinen Grund, aufgrund verpasster Vorlesungen ein schlechtes Gewissen zu bekommen, noch gibt es regelmäßigen Kontakt zu Kommilitonen, die einen aufmuntern und motivieren könnten. Auch wenn es diverse Online-Angebote der Anbieter, Foren und Blogs gibt, in denen man sich mit Kommilitonen austauschen und Lerngruppen bilden kann, so ist das kein Ersatz für das wahre Camups-Leben.

Das Lernen beim Fernstudium erfolgt nun mal zum Großteil alleine am heimischen Schreibtisch. Auch wenn ich noch nie der Typ war, der gerne in Lerngruppen lernt, so habe ich den täglichen Kontakt zu Mitstudenten sehr vermisst. Die Veranstaltungen in den Regional- und Studienzentren wären zwar eine gute Gelegenheit gewesen, neue Gesichter kennenzulernen, aber der Besuch wäre wieder mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden gewesen.

Die meist virtuellen Kontakte beim Fernstudium, die sich aufgrund des individuellen Lerntempos auch schnell wieder verlaufen, sind kein Ersatz für das echte Studentenleben. Es fehlen einfach die verbindenden Gemeinschaftserlebnisse, die Verabredungen in der Mensa, das gemeinsame Lernen in der Bibliothek usw. Von meiner Unizeit, an die ich mich immer gerne erinnere, ist beim Fernstudium nicht viel zu erkennen. Das liegt aber nun mal auch daran, dass das Fernstudium für berufstätigen Studenten nicht im Vordergrund steht. Bei einem Altersschwerpunkt an der Fernuni Hagen zwischen 29 und 35 Jahren stehen die meisten Fernstudenten bereits mitten im Berufs- und Familienleben. Ein Präsenzstudium mit denkwürdigen Erstsemester-Partys, mal einem Bierchen zu viel, verkaterten Montag morgenden und Flirts auf dem Campus ist da vielleicht nicht mehr Bestandteil der Zukunftsplanung.

An der Fernuni Hagen sind 80 Prozent aller Studenten berufstätig, für die meisten von ihnen ist ein Fernstudium die einzige Möglichkeit, erstrangige Fachkenntnisse neben dem Beruf zu vertiefen und einen akademischen Abschluss zu erwerben. Für viele ist es sogar ein Vorteil, im eigenen Rhythmus zu lernen. Obwohl die Abbruchquoten beim Präsenzstudium deutlich geringer sind, gibt es auch zahlreiche Studenten, die ihr Fernstudium bis zum Schluss durchziehen. Doch was sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren, um langfristig am Ball zu bleiben?

Fernstudium – Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg?

Diese Frage kann ich trotz meiner ernüchternden Erfahrungen mit Ja beantworten. Ich habe mir in den vergangenen Monaten öfters Gedanken darüber gemacht, warum ich mich nicht zum Lernen aufraffen konnte und die Motivation auf der Strecke blieb. Heute weiß ich, dass es eine Fehlentscheidung war, das ursprüngliche Ziel, nämlich den Master-Abschluss, über den Bachelor erreichen zu wollen. Irgendwann habe ich mich einfach gefragt: Warum mache ich das eigentlich? War es all die Zeit, Mühe und Arbeit für den Bachelor-Abschluss wert, nur um dann endlich den Master draufsetzen zu können? Da half es auch nicht, sich selbst gut zuzureden und das Wiwi-Studium als hobbymäßige Weiterbildung zu betrachten. Dafür sind die zeitlichen und persönlichen Opfer einfach zu groß.

Ein Fernstudium erfordert eine hohe Ausdauer. Im Vergleich zu ihren Vollzeit-Kommilitonen brauchen berufstätige Fernstudenten für ihren Studienabschluss oft mindestens doppelt. Während der hohen Studiendauer muss man nicht nur selbst Entbehrungen bei den Freizeit-Aktivitäten in Kauf nehmen, auch Partner, Familie und Freundeskreis müssen oft zurückstehen, wenn an den Wochenenden gebüffelt wird.

Um das über mehrere Jahre durchzuziehen, erfordert es ein festes Ziel vor Augen und einen eisernen Willen. Obwohl ein Fernstudium neben der Berufstätigkeit nie im Mittelpunkt des Alltag stehen kann, so braucht es eine gewisse Priorität. Man muss bereit sein, über längere Zeit zugunsten des Fernstudiums zurückzustecken. Das wird nur dann gelingen, wenn man persönlich voll und ganz von dem Studienzweck überzeugt ist.

Welches Ziel verfolge ich mit dem Studium? Welche persönlichen und beruflichen Optionen bieten mit die Studieninhalte? Und was bringt mir der Abschluss? Den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften nur aus dem Grund zu machen, um anschließend in den Masterstudiengang aufgenommen zu werden, reicht da als Motivationshintergrund nicht aus. Da das Wiwi-Fernstudium  auch inhaltlich ein Kompromiss war, konnte nicht einmal das persönliche Interesse für die Inhalte als Ersatzmotivation herhalten.

Unterm Strich ist ein weiteres Erststudium nicht der richtige Weg, der mich zum Master-Abschluss führt. Didaktische Methode, Studieninhalte und Studiendauer des Fernstudiums stimmen nicht mit meinen persönlichen Vorstellungen und Zielen überein. Ich weiß nicht, ob es anders wäre, wenn die Fernuni Hagen direkt den Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie anbieten würde. Aber selbst wenn dies der Fall wäre, würde ich mich wahrscheinlich nicht noch einmal für ein Fernstudium entscheiden. Um erfolgreich und motiviert studieren zu können, müsste das Studium für mich eine deutlich höhere Priorität einnehmen und nicht einfach so nebenbei ablaufen. Dies wäre zum Einen nur dann gegeben, wenn ich mein beruflichen Tätigkeit für die Studiendauer zurückschrauben würde. Zum Anderen würde dann aber auch wieder ein Präsenzstudium in Frage kommen.

Präzenzstudium: Weniger Freiheit für mehr Erfolg?

AbsolventenZeit ist Geld. Zwar halten sich die Investitionen in mein Fernstudium an der Fernuni Hagen in Grenzen, aber es ist schade um die investierte Zeit. Fehlinvestiert wäre aber sicherlich das falsche Wort, da mir die bisher erworbenen Kenntnisse auch keiner mehr nehmen kann. Trotzdem bin ich froh, nicht noch mehr Geld für Studiengebühren ausgegeben zu haben, dann wäre die Enttäuschung bestimmt größer.

Wenn ich noch mal ein Studium in Angriff nehmen sollte, dann möchte ich auch sichergehen, dass die Bedingungen stimmen und ich das Studium auch erfolgreich abschließen kann. Die Bedingungen muss man für sich selbst schaffen, auch ein nebenberufliches Fernstudium ist mit der nötigen Planung und Priorisierung durchaus machbar. Man muss dann aber bereit sein, die mit der Überschneidung von Lern-, Arbeits- und Freizeitaktivitäten verbundene, mehrjährige Einschränkung der gewohnten Lebensqualität in Kauf zu nehmen.

Viele Fernstudenten kommen damit aber nicht klar, was dann auch zu einer höheren Abbruchquote, als an “normalen” Universitäten führt. Mir wurden die hohe Flexibilität und die Möglichkeit der nebenberuflichen Weiterbildung zum Verhängnis. Bei mir braucht ein Studium, egal ob Fern- oder Präsenzstudium – Priorität A. Mein Anspruch ist es schließlich, nicht einfach nur irgendwie, sondern auch möglichst gut zu bestehen. Neben Selbstständigkeit, Partner, Familie und Hobbys kann ich meinem Anspruch nicht gerecht werden.

Fernstudium vs. Präsenzstudium – Ein Ausblick

AusblickZurzeit liegt mein Wiwi-Fernstudium auf Eis, aber ich werde es nicht mehr weiter verfolgen. Schade nur, um den kostenlosen Statista-Zugang, den ich als weiteren Vorteil für ein Fernstudium an der Fernuni Hagen nicht unerwähnt lassen möchte ;). Doch natürlich gibt es nach wie vor auch viele weitere Vorteile, die für ein Fernstudium sprechen. Entscheidend für den Studienerfolg ist, dass man das Studium wirklich will, die Inhalte interessieren und man sich über die gesamte Studiendauer motivieren kann.

Vorteile, wie die Freiheit in Ort, Zeit und Lernrhythmus, das gedruckte Studenmaterial, die Möglichkeit, neben dem Beruf oder auch ohne Abi zu studieren, sowie das hohe Renommée eines Fernstudiums bei Personalverantwortlichen sind gute Gründe für ein Fernstudium. Die niedrigere Studiendauer, das studentische Sozialleben, die geringeren Kosten (im Vergleich zu privaten Fernhochschulen), sowie die klareren organisatorischen Strukturen hingegen sind die wesentlichen Vorteile eines Präsenzstudiums.

Die Liste der Argumente für beide Studienformen ist lang. Nach meiner bisherigen Erfahrungen als Fern- und Präsenzstudentin überwiegen für mich jedoch die Vorteile eines Präsenzstudiums. Der Master-Abschluss ist nach wie vor mein Ziel, nur weder ich zukünftig keine langen Umwege mehr in Kauf nehmen. Schließlich gibt es keine Zeit zu verlieren. Wenn, dann möchte ich mich voll das Masterstudium konzentrieren und den Abschluss in der Regelstudienzeit schaffen. Ich würde gerne wieder an meine ehemalige Uni in Lüneburg gehen. Ein geeignetes Masterprogramm habe ich bereits gefunden: Management & Marketing. Die Voraussetzungen erfülle ich bereits, sodass ich nicht befürchten müsste, aufgrund eines zu geringen BWL-Anteils abgelehnt zu werden.

Inwieweit sich das Präsenzstudium mit der Selbstständigkeit verbinden lässt, wird sich noch herausstellen. Unmöglich ist es jedenfalls nicht, da viele Selbstständige nebenbei studieren. Es ist alles eine Frage der Organisation. Mal sehen, ob sich meine Pläne bereits dieses oder ggf. erst nächstes Jahr realisieren lassen. Für mich wäre ein weiteres Präsenzstudium jedenfalls einen zweiten Anlauf wert. Wohlgemerkt “Für mich”, ich möchte niemanden entmutigen, der überlegt, ein Fernstudium aufzunehmen. Ich hoffe aber, mit diesem Artikel einen Einblick in meine Realität des Fernstudierens geboten zu haben. Denn die von den Fernstudium-Anbietern angepriesenen Vorteile müssen nicht für jeden auch als diese herausstellen.

Eine pauschale Antwort, ob ein Fernstudium oder ein Präsenzstudium die richtige Form der Weiterbildung sind, gibt es nicht. Hier muss jeder für sich die Vor- und Nachteile der beiden Studienformen abwägen. Im Dschungel der akademischen Weiterbildungsangebote gibt es schließlich nur einen richtigen Weg: Den eigenen ;).