Fernstudium: Bewertung durch Personalchefs

Personalchef

Das Marktforschungsinstitut forsa führte im Auftrag der Euro-FH (Europäische Fernhochschule Hamburg) und des ILS (Institut für Lernsysteme) auch dieses Jahr wieder eine repräsentative Studie zum Thema Fernstudium unter Personalverantwortlichen durch.

Die Studie wird bereits seit 2006 erhoben und wurde im Jahre 2009 mit dem Publikationspreis des Fachverbandes Forum DistancE-Learning ausgezeichnet. In der forsa Studie 2011 wurden insgesamt 300 Personalverantwortliche aus Unternehmen ab 150 Mitarbeitern befragt.

Die Erhebung der Daten erfolgte anhand von computergestützte Telefoninterviews und wurde im Zeitraum vom 19. Januar bis 3. Februar 2011 durchgeführt.

Das Thema der diesjährigen forsa-Studie lautete:

Fernstudieren parallel zum Beruf

Bedeutung und Akzeptanz bei Personalentscheidern in mittleren und größeren Unternehmen.

Hierfür wurden Personalverantwortliche zu unterschiedlichen Aspekten eines Fernstudiums befragt. Folgende Fragen sollten geklärt werden:

  • Werden Absolventen von Fernstudiengängen bevorzugt?
  • Welche Pluspunkte können Fernstudenten bei Personalchefs sammeln?
  • Welche Eigenschaften schreiben Personalchefs Absolventen von Fernstudiengängen zu?
  • Was denken Arbeitnehmer von Mitarbeitern, die sich neben dem Beruf weiterbilden?
  • Welche Kriterien sind für Personalchefs bei der Bewertung der Hochschule entscheidend?
  • Wann ist nach Meinung von Personalchefs der beste Zeitpunkt für ein Master-Studium?
  • Welche Fernhochschulen sind bei Personalchefs am bekanntesten?

Zwar wurden schon so manche forsa-Studien zu ähnlichen Themen durchgeführt, aber da das Thema Fernstudium und Arbeitgeber nie langweilig wird, sind die aktuellen Ergebnisse doch sehr interessant. Jeder Fernstudent hat sicherlich so seine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema gemacht, ich auch. Daher werde ich die Ergebnisse der Studie mal um meine Erfahrungen und Eindrücke ergänzen.

Was kommt bei Personalchefs besser an: Fernstudium oder Präsenzstudium?

Fangen wir z.B. mit der Frage an, ob Personalchefs Fernstudenten Studenten, die ein Präsenzstudium durchführen bevorzugen. Normalerweise dürfte es unterm Strich keinen Unterschied geben, da letztendlich der Abschluss entscheidend ist. „Normale“ Studenten sollten Fernstudenten ebenso wenig bevorteilt werden, wie Fernstudenten Absolventen von Präsenzstudiengängen. Oder spielt die didaktische Methode doch eine Rolle?

Fernstudium oder Präsenzstudium?

Tatsächlich machen nach forsa Studie nur 26% aller befragten Personalentscheider keinen Unterschied, ob ein Bewerber ein Präsenzstudium oder ein Fernstudium absolviert hat. Bewerber mit abgeschlossenem Fernstudium haben hier die Nase vorn (38%), jedoch sagen ganze 33% (und ich finde, das ziemlich viel!), dass sie Absolventen von Präsenzhochschulen bevorzugen.

Dass die Fernstudenten hier bei Personalchefs punkten können, kann ich gut nachvollziehen. Die meisten Fernstudenten sind berufstätig, haben Familie und müssen das Fernstudium durch Disziplin, Motivation und Zeitmanagement irgendwie in den Alltag integrieren. Studenten an Präsenzunis haben es in puncto Zeitmanagement oftmals einfacher. Daher kann ich gut nachvollziehen, dass Fernstudenten aufgrund der Doppelbelastung Job und Studium das Ranking anführen.

Jedoch hätte ich nicht erwartet, dass ein Drittel aller Befragten klar sagt, dass sie Bewerber mit abgeschlossenem Präsenzstudium bevorzugen. Kann ich irgendwie nicht ganz nachvollziehen. Hier hätte ich vielmehr erwartet, dass der Anteil derer, die keinen Unterschied zwischen Fern- und Präsenzstudium macht, deutlich höher ist.

Woran mag das liegen? Vielleicht sehen Personalentscheider ein „normales“ Fernstudium wirklich als „normaler“ an. In der Regel wird es auch so sein, dass Personalchefs mehr Erfahrungen mit Absolventen von Präsenzhochschulen haben. Vielleicht haben sie auch selbst ein Präsenzstudium absolviert und wissen, wo sie mit Studenten von Präsenzstudiengängen dran sind. Oder sie haben keine oder kaum Erfahrungen mit Fernstudenten, was Unsicherheit auslöst und die Wahl eines Bewerbers mit „normalem“ Studium begünstigt. Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem.

Aber anscheinend muss zum Thema Fernstudium unter Personalchefs noch deutlich mehr Aufklärung geleistet werden! Nicht das sie denken, Fernstudenten wären hobbylose, introvertierte Einzelgänger mit Sozialphobie, die in jeder frieen Minute in ihrem stillen Kämmerlein über ihren Büchern hocken.

Die Pluspunkte von Fernstudierenden

Wodurch können Fernstudenten bei Personalentscheidern punkten? Hier ging es darum, welche Gründe eher für Fernstudenten sprechen. Wie bereits erwähnt würde ich hier hauptsächlich die hohe Eigenmotivation und das gute Zeitmanagement nennen. Ohne Motivation geht nichts und wenn ein Fernstudent sein Studium erfolgreich absolviert hat, verdient er schon mal Anerkennung! Ich finde, dass der Abschluss eines Fernstudiums unter deutlich schwierigeren Bedingungen erlangt wird, als bei einem Präsenzstudium. „Fernstudium“ hört sich zwar immer so locker an, aber man ist Lehrer und Schüler gleichzeitig, muss sich Termine setzen und immer wieder aufs Neue motivieren.

Pluspunkte von Fernstudenten

Was meinten denn die Personalchefs? An erster Stelle steht der Vorteil, dass Fernstudenten in den meisten Fällen bereits Berufserfahrung sammeln konnten. Mit 99% ist das hier wohl das Hauptargument. Umso weniger verstehe ich, warum trotzdem ein Drittel aller Personalchefs Bewerber mit Präsenzstudium vorzieht. Aber auch diese 33% sehen den Vorteil eines Fernstudiums im parallelen Erwerb von Berufserfahrung. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus…

Weiter punkten Fernstudenten mit Eigenschaften, wie Zeitmanagement und Selbstdisziplin (97%), sowie Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft (96%). Und ganze 90% sagen, das Fachwissen von Absolventen von Fernstudiengängen sei praxisbezogen. Das ist ganz schön viel. Ich kann jedenfalls aus meinem Präsenzstudium berichten, dass es nicht wirklich praxisbezogen war, bzw. wenig mit meiner späteren beruflichen Tätigkeit zu tun hatte…

Aber wenn man als Fernstudent nebenbei arbeitet, sieht das sicherlich anders aus. Man wird das im Fernstudium erworbene Wissen deutlich besser in der Praxis einsetzen können. Und viele Fernstudenten studieren gerade, um ihre berufliche Position zu verbessern oder ihre Karrierechancen zu erhöhen.

Für 76% spricht für einen Fernstudenten, dass er zur Verwirklichung seiner Ideen „ungewöhnlichen Wege“ geht. Naja, was heißt „ungewöhnlich“. So neuartig ist ein Fernstudium jetzt nicht wirklich, aber oft die einzige Möglichkeit für Personen, die zeitlich flexibel und örtlich unabhängig bleiben müssen…

Und: So unbekannt scheint das Fernstudieren ja bei Personalern gar nicht zu sein, da immerhin 62% die bisherigen positiven Erfahrungen mit Fernstudenten als Grund für einen Bewerber mit Fernstudium-Abschluss nennen. Doch auf der anderen Seite haben 38% keine (oder keine positiven) Erfahrungen mit Fernstudenten gemacht… Das kann man so oder so sehen.

Welche Eigenschaften schreiben Personalchefs Fernstudenten zu?

Ähnlich zu dem vorherigen Punkt, welche Gründe für einen Bewerber mit Fernstudium-Abschluss sprechen, wurden Personalentscheider auch gefragt, welche Eigenschaften sie Fernstudenten zuschrieben:

Welche Eigenschaften haben Fernstudenten?

Auch hier steht die hohe Eigenmotivation mit 97% wieder an erster Stelle. Auch Zielstrebigkeit (96%) und hohe Selbstständigkeit (94%) werden Fernstudenten zugeschrieben. Ebenso sind gutes Zeitmanagement, Organisationsfähigkeit und Flexibilität sind Eigenschaften, die Personaler mit einem Fernstudenten verbinden.

Das kennen wir ja alles schon. Interessanter wird es aber, wenn man die Grafik anfängt von unten zu betrachten :).

Wir ignorieren jetzt einfach mal die 1%, die anscheinend schlechte Erfahrungen mit Fernstudenten gemacht haben… muss es ja auch geben. Aber anscheinend sind Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsstärke Eigenschaften, die Fernstudenten jetzt nicht unbedingt auszeichnen. Bei der Kommunikationsfähigkeit man es vielleicht daran liegen, dass Personaler denken, dass man während eines Fernstudiums wirklich abgeschottet von der Außenwelt in der dunklen Kammer hockt, was aber totaler Schwachsinn ist. Es gibt so viele Blogs und Foren, bei denen man sich mit anderen Studenten austauschen kann, dass Kommunikation wohl echt kein Problem sein sollte. Im Gegenteil, gerade weil man während eines Fernstudiums auf sich alleine gestellt ist, ist der Kontakt zu anderen Studenten umso wichtiger. Man tauscht sich über Fragen, Probleme und Aufgaben, sowie Prüfungsängste und Klausurlösungen aus, ähnlich, wie „normale“ Studenten.

Bei Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsstärke wird es ähnlich sein. Vielleicht ist der direkte Konkurrenzkampf zwischen Studenten beim Fernstudium geringer, aber dafür gibt es andere Situationen, in denen man umso mehr Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsstärke aufbringen muss (z.B. im Job oder der Familie).

In der Mitte finden wir dann noch die Offenheit für neue Ideen (82%) und neue Impulse für das Unternehmen (71%). Wenn man nicht offen für neue Ideen, Erfahrungen und Eindrücke wäre, würde man kein Fernstudium machen oder besser gesagt, durchhalten. Die Motivation von Innen ist enorm wichtig. Vielleicht macht man das Fernstudium zum Teil auch für den Job oder die Karriere, aber dennoch muss man selbst offen für Neues sein und sich immer wieder neu motivieren. Sonst ist das Fernstudium von kurzfristiger Dauer.

Ich bin erfreut über das Ergebnis, dass über zwei Drittel der Personalchefs finden, dass Fernstudenten neue Impulse für das Unternehmen bringen. Warum nicht 100%? Vielleicht, weil das Fernstudium keinen direkten Bezug zum Beruf hat. Na und? Ein Fernstudent, egal, was er studiert, entwickelt sich weiter und arbeitet an seinen Zielen. Das sind doch Eigenschaften, die sich jeder Chef wünscht, oder nicht? Hier kommt es nicht immer auf den fachlichen Zusammenhang zwischen Arbeit und Fernstudiengang an, sondern den Mehrwert, die Absolventen von Fernstudiengängen dem Unternehmen bringen (z.B. mit den während des Fernstudiums erworbenen Lernstrategien und Eigenschaften).

Was denke Personalchefs von Mitarbeitern, die neben dem Job fernstudieren?

Ach ja, das Thema „Fernstudium und Arbeitgeber“ wird uns so schnell nicht loslassen. Wie wir eben gesehen haben, finden 71%, Absolventen von Fernstudiengängen bringen neue Impulse für das Unternehmen. Zwar geht daraus nicht eindeutig hervor, ob es sich bei den Absolventen um Bewerber oder Arbeitnehmer handelt, aber hierbei gibt es sicherlich auch Unterschiede. Bei Bewerbern weiß man von vornherein, dass sie ein Fernstudium absolviert haben und dieses Wissen kann man gezielt bei der Personalauswahl einsetzen.

Doch wie sieht es aus, wenn Arbeitnehmer sich dafür entscheiden, neben dem Beruf ein Fernstudium zu absolvieren? Was denken Personaler darüber?

Wie kommt ein Fernstudium neben dem Beruf an?

Die Ergebnisse sehen insgesamt ziemlich wünschenswert aus. Die Mehrheit (89%) findet jedenfalls die Zielstrebigkeit und das Engagement von Mitarbeitern, die nebenbei ein Fernstudium machen, beeindruckend. 75% der Personalchefs finden sogar, dass Mitarbeiter, die parallel zum Job fernstudieren, das Unternehmen voranbringen. Das deckt sich ja ungefähr mit den 71%, die finden, Absolventen von Fernlehrgängen bringen neue Impulse für das Unternehmen.

Wie sieht es denn mit dem von vielen Fernstudenten erhofften beruflichen Aufstieg, z.B. einer Beförderung aus? Auch hier ist die Mehrheit (69%) eher dafür, 24% nur bedingt und ganze 7% stimmen eher nicht bzw. überhaupt nicht zu.

Und die Ängste der Arbeitgeber, der fernstudierende Mitarbeiter könnte nach Abschluss des Fernstudiums aus dem Unternehmen ausscheiden? Die ist definitiv gegeben! 58% aller befragten Personalchefs stimmt dieser Gefahr (voll und ganz) zu. Nur 10% scheinen sich diesbezüglich kaum, bzw. überhaupt keine Sorgen zu machen. Eine weitere Angst der Arbeitgeber ist, dass Mitarbeiter, die nebenbei noch fernstudieren, die Arbeit wegen des Fernstudiums vernachlässigen könnten. Hier hätte ich deutlich mehr Befürworter dieser These erwartet. Aber nur 27% sehen diese Gefahr wirklich, 29% eher, oder überhaupt nicht. Die breite Masse (44%) nur bedingt.

Ich persönlich finde, dass es sehr vom Mitarbeiter selbst abhängt. Aber ich würde die Gefahr nicht speziell im Fernstudium sehen. Warum sollte man gerade wegen einem Fernstudium den Job vernachlässigen? Ein Fernstudium fällt in die Kategorie „Freizeit“, ebenso, wie andere Hobbys, Feiern gehen etc. Dann müssten sich Personaler auch um alle Mitarbeiter Gedanken machen, die in der Woche oder Sonntags bis in die Nacht feiern gehen und ggf. deswegen ihre beruflichen Aufgaben vernachlässigen…

Fernstudenten scheuen sich, gerade wegen solcher angeblichen „Ängste“, ihrem Arbeitgeber vom Fernstudium zu erzählen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Mehrheit der befragten Personalchefs positiv zu Fernstudenten eingestellt ist und sogar einen Mehrwert für das Unternehmen sieht.

Aber die Mehrheit nützt nichts, wenn man einen Personalchef hat, der zur Minderheit gehört. Es kommt daher immer auf den Einzelfall an. Und man darf auch nicht vergessen, dass es sich bei dieser Befragung um Personalentscheider in Unternehmen ab 150 Mitarbeitern handelt. In einer kleinen Firma sehen die Dinge oft schon ganz anders aus. Bei nur wenigen Mitarbeitern könnten die Befürchtungen, der fernstudierende Arbeitnehmer könne sich später umorientieren, größer sein. Doch auch hier kann ein persönliches Gespräch und das Aufeinanderzukommen hilfreich sein, Ängste und Befürchtungen auf beiden Seiten abzubauen. Für viele Fernstudenten wäre es jedenfalls sehr hilfreich, wenn der Chef einem das Gefühl gibt, hinter dem Fernstudium zu stehen und evtl. auch seine Unterstützung anbietet. Das ist doch immer noch besser, als das Studium aus Angst vor negativem Feedback zu verheimlichen. Und macht macht es ja sowieso. Insofern kann der Arbeitgeber durch Entgegenkommen lieber versuchen, das Fernstudium des Arbeitnehmers positiv für das Unternehmen zu nutzen.

Nach welchen Kriterien bewerten Personalchefs Fernhochschule?

Spielt es für Personalentscheider eine Rolle, an welcher Hochschule man sein (Fern)Studium absolviert hat? Diese Frage bezieht sich auf Hochschulen, bzw. Fachhochschulen allgemein, es wird also kein Unterschied zwischen Hochschule und Fernhochschule gemacht. Grundsätzlich würde ich eher behaupten, nein. Wenn man nicht gerade Medizin oder Ähnliches studiert, wo es Hochschulen gibt, die sich auf speziellen Fachgebieten besonders auszeichnen (bei Medizin z.B. die Uni Heidelberg), werden wohl kaum große Unterschiede gemacht. Der Blick auf die Studienergebnisse belegt dies: Für den Großteil der befragten Personalchefs ist der Bekanntheitsgrad nur „einigermaßen wichtig“ (44%). Letztendlich ist der Abschluss entscheidend. Ein Abschluss einer Universität wird vielleicht noch höher bewertet, als der an einer Fachhochschule, aber auch das finde ich nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr kommt es auf die vermittelten Inhalte an.

Dennoch sind einige der abgefragten Kriterien wichtiger, als andere, wie die forsa Studie zeigt:

Welche Kriterien sind bei (Fach)Hochschulen wichtig?

Ganz oben auf der Liste der wichtigsten Kriterien bei (Fach)Hochschulen stehen ein hoher Praxisbezug des Studiums, sowie die Vernetzung zwischen Studium und Beruf. Die Ergebnisse sind jetzt nicht wirklich erstaunlich, entsprechen aber leider nicht immer der Realität. Natürlich wird die Nähe zur beruflichen Praxis vom Großteil der Personalchefs gewünscht, doch gerade wenn man direkt nach dem Abi zu studieren anfängt, ist kaum Praxisbezug vorhanden. Wie denn auch? In meinem Erststudium (Wirtschaftspsychologie in Lüneburg) wurde zum Großteil nur Theorie behandelt, wirkliche „Praxisnähe“ gab es nicht. Die Praxis kam erst mit Praktika und sobald man sich entschieden hat, in welche Richtung man sich beruflich weiterentwickeln möchte. Gerade bei Wirtschaftspsychologie gibt es so viele Tätigkeitbereiche, dass man während des Studiums kaum praxistaugliche Erfahrungen sammeln kann. Dies kommt erst durch praktische Erfahrungen (z.B. bei Praktika).

Im Fernstudium sieht es oft anders aus, da man in den meisten Fällen bereits berufstätig ist und das Fernstudium oft auf den Job abstimmt. In diesem Fall kann man aus dem Fernstudium deutlich mehr Know How direkt im Berufsalltag nutzen.

Die Akkreditierung, die einem Gütesiegel des Studiengangs entspricht, ist für knapp zwei Dritter der Personalentscheider wichtig. Ganze 27% finden die Akkreditierung nur einigermaßen wichtig und der Rest kaum oder gar nicht wichtig. Ich finde, dass die Akkreditierung zwar ein Kriterium bei der Wahl des Studiengangs oder der Hochschule sein sollte, aber auch nicht überbewertet werden darf. Sie entspricht in vielen Fällen einer „administrativen Überregulierung“ und ist stark von der unterschiedlichen Genehmigungspolitik der Länder abhängig. Ist ein Studiengang jedoch noch nicht akkreditiert, muss das für den Bewerber kein Ausschlussgrund sein. In der Personalabteilung scheint sie aber immer noch ein wichtiges Qualitätsmerkmal zu sein…

Die Internationalisierung des Studiengangs (Internationale Vergleichbarkeit, internationaler Bezug der Studieninhalte und internationale Vernetzung mit anderen Hochschulen) sind nur für die Minderheit der befragten Personalverantwortlichen ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium. Die meisten finden Internationalisierung zwar einigermaßen wichtig, viele aber auch kaum oder überhaupt nicht wichtig. Auch hier wird es stark auf den Tätigkeitsbereich und den Kundenstamm des Unternehmens ankommen. Da es sich bei der Befragung um mittelgroße bis große Unternehmen handelt, werden viele davon ausländische Standorte, bzw. internationale Kunden haben, was internationale Studiengänge besonders attraktiv macht. In den meisten Fällen ist die Internationalisierung jedoch nicht ausschlaggebend.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Master?

Wann soll man den Master machen? Direkt nach dem Bachelor? Oder lieber erst ein bisschen Berufserfahrung sammeln? Oder vielleicht gar nicht? Die Frage nach dem besten Zeitpunkt für den Master wird oft diskutiert und die Meinungen gehen sehr auseinander. Grundsätzlich finde ich, dass es sinnvoller ist, zwischen Bachelor und Master Berufserfahrung zu sammeln. Auf der anderen Seite ist es deutlich schwerer, sich für ein Masterstudium zu entscheiden, wenn man mitten im Berufsleben steht und vielleicht gar keine Zeit und Lust auf ein weiteres Studium hat.

Was meinen deutsche Personalentscheider?

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Master?

Hier scheinen sich die Lager zu teilen, denn 48% sagen, dass der beste Zeitpunkt für einen Master nach ein paar Jahren Berufserfahrung ist. jedoch sagen auch 40%, dass man den Master direkt an den Bachelor anschließen sollte. Man scheint also klar Stellung zu beziehen, denn für nur 3% ist der Zeitpunkt unwichtig, Hauptsache man hat den Master irgendwann. Und nur 5% finden den Master-Abschluss unnötig.

Fassen war zusammen: Der Master ist für die meisten Personalchefs wichtig. Über die Frage, ob man ihn nun direkt nach dem Bachelor oder erst nach ein paar Jahren Berufserfahrung machen sollte, kann man sich streiten. Ich finde es sowieso unsinnig, hier eine Vorgabe zu geben, denn der Zeitpunkt für einen Aufbaustudiengang hängt doch sehr von der individuellen Lebenssituation ab.

Was deutsche Fernhochschule ist bei Personalchefs am bekanntesten?

Wir erinnern uns an die Ergebnisse der Kriterienabfrage bei Hochschulen. Der Bekanntheitsgrad war 3% der Personalentscheider sehr wichtig, 27% wichtig und für 47% einigermaßen wichtig. Man scheint also mehr oder weniger darauf zu achten, wie bekannt die (Fern)Hochschule ist. Und natürlich kann es ein Pluspunkt sein, wenn der Personalchefs schon einmal von der Fernhochschule gehört hat, an der man studierte. Je bekannter, umso mehr Erfahrung wird er womöglich auch mit anderen Bewerbern und Mitarbeiter gemacht haben, die dort ebenfalls studierten.

Ein hoher Bekanntheitsgrad der Fernhochschule kann also ein Pluspunkt sein! Welche Fernhochschule ist unter Personalchefs nun am bekanntesten?

Welche Fernhochschulen ist am bekanntesten?

Year, die Fernuni Hagen sticht mit 84% raus – kein Wunder, ist ja auch mit über 74.000 Studenten die größte deutsche Hochschule. Auch die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) ist mit 44% unter Personalchefs ziemlich bekannt.

Da es sich bei dieser forsa Studie auch um eine Untersuchung im Auftrag der Euro-FH handelt, freut sich die Euro-FH über das schöne Ergebnis und fasst den ganzen unwichtigen Rest einfach unter „weitere Anbieter“ zusammen ;). Der Vollständigkeit halber möchte ich hier jedoch zusammenfassend noch die AKAD Hochschulen, die Wilhelm Büchner Hochschule und die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft nennen. Und wer einen MBA machen will ist auch bei der MBA Allfinanz Akademie gut aufgehoben.

Kurz & bündig

Fernstudenten haben bei Personalentscheidern einen guten Stand. Bei der Auswahl der Bewerber würden 38% eindeutig Absolventen eines Fernstudiums präferieren. Ausschlaggebendes Argument ist die umfassende Berufserfahrung, die die meisten Fernstudierenden mitbringen. Neben der Berufserfahrung sind 90% der Personaler zudem auch von ihrem praxisbezogenen Fachwissen überzeugt.

Fernstudenten punkten zudem durch Zeitmanagement, Selbstdisziplin, Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft. Ein erfolgreicher Fernstudium-Abschluss kann ein wahrer Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt sein.
Die meisten Arbeitgeber wissen die Qualitäten von Fernstudenten zu schätzen, sodass sich diesen oftmals schon während des Studiums weitere Entwicklungs- und Karrierechancen ergeben.

Man sollte jedoch beachten, dass es sich bei der Umfrage um Personalchefs von Unternehmen am 150 Mitarbeitern handelt und die Umfrage zwar eine repräsentative, aber immer noch eine stichprobenartige Untersuchung war. Wie es bei solchen Umfrage daher meistens ist, sind und müssen Abweichung nach links und rechts vorhanden sein.

Dennoch ist das durchaus positive Feedback ein guter Grund, sich über sein Fernstudium zu freuen und vielleicht sogar eins aufzunehmen! Schaden kann es jedenfalls nicht ;). Und die Fernuni ist dabei, wie wir gesehen haben, keine so schlechte Adresse!

Als Bildquelle diente die vollständige forsa Studie 2011.

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

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