Fehler 9 beim Fernstudium: Kein Austausch mit anderen Studenten

Im letzten Artikel wurde deutlich, wie wichtig eine selbstständige Arbeitsweise und Disziplin für das Fernstudium sind. Für Erfolg und Misserfolg ist man selbst verantwortlich, ebenso wie für die Planung und Organisation des Fernstudiums. Was man schafft oder nicht schafft, registriert man nur selbst, Dozenten, Professoren oder Kommilitonen ist es egal, ob man seine Ziele erreicht oder nicht.

Als Fernstudent steht man also ziemlich alleine dar. Das trifft sich nicht gerade gut mit der Tatsache, dass wir doch eigentlich soziale Wesen sind, die unter, mit oder für andere Menschen handeln.

Warum soziale Kontakte so wichtig sind

Dieses Eingebunden sein in ein soziales Geflecht hat durchaus Vorteile. Ich der Arbeit werden wir uns z.B. beeilen, Termine einhalten und versuchen Kunden zufrieden zu stellen, um Anerkennung vom Chef zu ernten. Wir lassen keine Arbeit liegen, weil sie dann andere Kollegen erledigen müssten, die darüber nicht sonderlich erfreut wären.

Austausch mit StudentenAn einer Präsenzuni ist es ähnlich. Verspätungen bei den Vorlesungen werden vermieden, sich nicht den strafenden Blicken des Profs und der Kommilitonen auszusetzen. Auch halten wir Termine für Gruppenarbeiten ein, da sich unser Fernbleiben unmittelbar negativ auf das Ergebnis der Gesamtleistung auswirkt. Auf interaktive Seminare werden wir uns vorbereiten, da wir wissen, der Prof lässt jeden zu Wort kommen und wir wollen schließlich nicht durch Unwissenheit glänzen …

Die Motivation zur Leistung ist höher, wenn sie von anderen wahrgenommen, belohnt oder kritisiert wird. Für verpasste Termine und schlechte Leistung erhalten wir ebenso, wie für Pünktlichkeit und gute Leistungen ein direktes Feedback.

Mit sich selbst geht man da etwas lockerer um und verzeiht sich gerne mal den ein oder anderen Fehler. Beim Fernstudium müssen Halt gebende Arbeitsroutinen vor allem selbst aufgebaut und durch eisernen Willen und Disziplin gefestigt werden. Jedoch besteht auch bei einem Fernstudium die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und Teil eines Netzwerkes zu werden, welches sich positiv auf die Lernmotivation und Arbeitsleistung auswirken kann. Ein Alleingang ist möglich, aber nicht notwendig und vor allem nicht vorteilhaft für das Fernstudium. Im Gegenteil – Komplett auf den Kontakt zu anderen Fernstudenten zu verzichten kann, kann sich sogar als einer der „10 Fehler beim Fernstudium“ herausstellen.

Fernstudium bedeutet nicht Einzelhaft

Der Aufbau sozialer Kontakte während des Fernstudiums kommt nicht von selbst. Schließlich fehlen gemeinsame Vorlesungen, Gruppenarbeiten und Prüfungsvorbereitungsphasen i.d.R. Auf das typische Studentenleben mit Erstsemesterpartys, Bier & Chips in versifften Studentenbuden, verkaterten Vorlesungsbesuchen, gemeinsamen Mittagesessen in der Mensa und den Flirt auf dem Campus wird man verzichten müssen.

Aber nur, weil man ein Fernstudium macht, heißt das nicht gleich, dass man total desozialisiert wird und stundenlang vor Büchern und PC versauern muss. Kein Fernstudent muss vereinsamen ;).

Virtuelle KontaktaufnahmeUnd obwohl Kontakte zu anderen Kommilitonen während des Fernstudiums meistens in der virtuellen Welt stattfinden und sich auch oft schnell verlaufen, da jeder in seinem anderen Tempo lernt, sind und bleiben sie wichtig für die eigene Motivation. Durch den Austausch mit anderen Fernstudenten kann man Freude und Leid während des Fernstudiums teilen. Kommilitonen können Probleme beim Zeitmanagement, der Organisation oder der Motivation meistens besser nachvollziehen, da sie in einer vergleichbaren Situation stecken. Oft kann man gute Ratschläge und Tipps mitnehmen. Der Austausch fördert das Gemeinschaftsgefühl, welches beim Studieren aus der Ferne ansonsten nicht aufkommt.

Ein Fernstudium ist mit Entbehrungen verbunden und wie sagt man so schön: „Geteiltes Leid ist halbes Leid„. Sich mit Menschen austauschen zu können, die einen verstehen und mitfühlen können, hilft, sich immer wieder aufzuraffen und zu wissen „Ich bin nicht alleine“, „Anderen geht es auch so“ oder „Das schaffe ich auch“. Ansonsten hat man ständig nur seine eigenen Probleme und Entbehrungen vor Augen und verliert schnell die Lust am Lernen.

Und wer Motivation, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit aufweist und andere Studenten motiviert, bzw. ihnen sinnvolle Hilfestellungen und Tipps gibt, wird sogar Anerkennung dafür ernten. Dieses positive Feedback wirkt sich dann natürlich wesentlich auf die eigene Motivation und den inneren Antrieb aus.

Wie knüpfe ich Kontakte zu anderen Fernstudenten?

Die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und zum Austausch mit anderen Kommilitonen sind zwar nicht so groß, wie bei einem Präsenzstudium, aber dennoch vorhanden.

So gibt es diverse Foren und Blogs, auf denen man sich zu speziellen Kursen, der Hochschule oder dem Fernstudium allgemein austauschen kann. Wenn es speziell um das Fernstudium an der Fernuni geht, finde ich studienservice.de super. Hier kann man entweder inhaltliche Fragen zu einzelnen Kursen und Modulen stellen oder beantworten, sowie gezielt Kontakte zu Gleichgesinnten suchen und finden. Viele fragen auch direkt nach anderen Mitstudenten aus bestimmten Städten (z.B. zur Bildung von Lerngruppen). Hier kann man dann die belegten Kurse abgleichen und sich zum Lernen, Üben oder Verabreden auf die Prüfung verabreden.

Vor allem bei der Bearbeitung von Einsendearbeiten, sowie inhaltlichen Fragen, die oft mal aufkommen, ist Studienservice.de eine super Hilfe. Schließlich kann oder will man vielleicht nicht gleich den Prof oder einen Dozenten kontaktieren. Wenn man an irgendeiner Stelle in den Studienheften hängenbleibt, ist es immer einfach, den Kontakt zu Kommilitonen zu suchen.

Die Fernuni Hagen stellt auf der Lernplattform Moodle auch eine Liste von allen Teilnehmern eines Kurses zur Verfügung (wenn man denn der Freigabe seiner Daten in der Kontaktliste zugestimmt hat). Dort kann man auf einen Blick sehen, aus welcher Stadt die Fernstudenten kommen und welchen Studiengang sie belegen. So kann man z.B. gezielt Kommilitonen aus der eigenen Stadt suchen und per Email anschreiben. Auf diese Weise lassen sich auch im Fernstudium Kontakte knüpfen oder Lerngruppen bilden. Gemeinsam kann man dann z.B. Veranstaltungen in den Regionalzentren besuchen, für Kurse lernen, Üben und sich auf Prüfungen vorbereiten.

Neben diesen Kontaktmöglichkeiten zum Fernuni Hagen Studium, gibt es auch andere Foren, wie Fernstudium-Guide.de, die speziell auf das Wiwi-Studium ausgreichtet sind. Dort kann man Vorlesungen kaufen oder sich im Forum über die Einsendearbeiten und Klausuren bestimmer Module und allgemeinen Fragen zum Fernstudium austauschen. Mir persönlich war Fernstudium-Guide.de vor allem bei der Bearbeitung der Einsendearbeiten eine große Hilfe, da man hier nahezu alle Lösungen und Lösungswege vergleichen konnte.

Unter den Foren zum Erfahrungsaustausch im Fernstudium darf natürlich Fernstudium-Infos.de nicht fehlen! Für mich ist das der Über-Fernstudium-Blog, der wirklich von A-Z reicht. Egal ob Fernstudium oder Fernlehrgang, ob Fernuni Hagen oder eine andere Fern(Hoch)schule – hier findet man News, Tipps und Erfahrungen rund um das Thema Fernstudieren. Auch die Fernuni Hagen hat in Markus´Forum einen Platz gefunden und auch hier kann man sich über Module, Erfahrungen, News an der Fernuni und Kontaktmöglichkeiten austauschen.

Angst vor Leistungsvergleich?

Manchmal man vielleicht zurück, Kontakte zu anderen zu knüpfen, weil man den direkten Vergleich vermeiden möchte. Wenn man z.B. sieht, dass andere schon viel weiter mit dem Lernstoff sind, als man selbst oder etwas verstehen, was bei einem selbst nur ein großes Fragezeichen hervorruft, kann man schon schnell in Panik verfallen und die Motivation verlieren.

Ich bin auch der Meinung, dass man sich nicht direkt mit anderen Fernstudenten vergleichen sollte, da jeder in einer sehr individuellen Situation steckt. Einige Fernstudenten haben Vollzeitjobs und Familie mit Kindern, andere widerum arbeiten nur nebenbei und haben demnach viel mehr Zeit für ihr Fernstudium.

Minderwertigkeitgefühle muss daher niemand haben, aber wenn man selbst merkt, dass man mit dem Lernen nicht zu potte kommt und das schlechte Gewissen immer größer wird, kann der Vergleich oder besser gesagt das positive Beispiel anderer ein Umdenken bewirken. In dem Sinne muss der Vergleich mit anderen nicht immer negativ und depremierend sein.

Im Gegenteil, von einigen Fernstudenten kann man sich durchaus etwas abschauen und die eigenen Lernprozesse optimieren, sowie Tipps zur Verbesserung von Planung und Organisation des Fernstudiums aufgreifen. So können viele Fehler bereits von Anfang an vermieden werden. Dennoch sollte man einen Vergleich, bzw. eine Bewertung von Leistungen anderer auch immer mit der eigenen persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Situation abgleichen und versuchen, neue Optimierungspotentiale aufzudecken und für sich zu nutzen.

Fazit

Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme während eines Fernstudiums gibt es viele und man sollte die ein oder andere auch nutzen. Ob man sich jetzt mit anderen Studenten virtuell oder persönlich trifft bleibt einem natürlich selbst überlassen und ist auch eine Zeitsache. Hier hat jeder seine Präferenzen, aber ab und zu mal nachschauen, was so geht, kann sicherlich nicht schaden. Zumindest sieht man dann auch schwarz auf weiß, dass es auch noch andere Leute, die in der selben Situation stecken und vielleicht ähnliche Schwierigkeiten haben, wie man selbst.

Kontakte zu Kommilitonen sollten einen positiven Nutzen haben. Direkte Leistungsvergleiche und das Messen und Vergleichen mit anderen ist mit Vorsicht zu genießen, da jeder von uns einen ganz individuellen Alltag und eine individuelle Lebenssituation hat. Statt dessen sollten Kontakte zu Mitstudenten dazu dienen, hilfreiche Tipps zu erfahren, die zur Lernoptimierung beitragen. Positive Beispiele gibt es genug, anstatt immer nur das Negative und die eigenen Fehler bei sich selbst zu sehen, kann man sich auch einiges abschauen und diese Beispiele als positiven Anreiz bewerten. Beispiele und Erfahrungen, die wir durch den Austausch mit anderen Studenten erfahren, können völlig neue Lernwege erschließen und wichtige Denkanstöße bei der Eigensteuerung bewirken.

Und nicht zuletzt geben soziale Kontakte zu Mitstudenten – gerade bei einem Fernstudium – das gute Gefühl, mit Problemen und Schwierigkeiten nicht alleine zu sein, sondern verstanden zu werden. Man sollte es sich als Fernstudenten nicht noch schwerer machen, als es ist. Denn natürlich lernt man die meiste Zeit alleine, das ist nun mal so bei einem Fernstudium. Aber regelmäßiger Kontakt zu Kommilitonen wird definitiv das Gemeinschaftsgefühl stärken. Und wenn man weiß, dass man kein Einzelgänger ist, sondern es auch noch zahlreiche andere Studenten gibt, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, kann sich das positiv auf die Lernmotivation auswirken. Das Lernen in der stillen Kammer war gestern. Die Fernuni hat über 73.000 Studenten… ich glaube, da muss sich keiner von uns einsam fühlen ;).

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

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