Fehler 6 beim Fernstudium: Falsche Schwerpunkte setzen

Neben dem Fehler, den Lernaufwand zu unterschätzen möchte ich mich im sechsten Teil der Artikelreihe „10 Fehler beim Fernstudium“  einem weiteren Problem zuwenden: Dem Setzen falscher Schwerpunkte. Im letzten Teil der Artikelreihe bin ich auf den Lernaufwand oder „Workload“ eingegangen, der mit dem Studium verbunden ist. Je nachdem, wie viele Module man im Semester belegt, muss man zwischen 20-30 Stunden pro Woche in sein Fernstudium investieren.

Beim Fernstudium wird der Lernaufwand oft anhand der Studienhefte gemessen. Im Gegensatz zu einem Präsenzstudium sind die Studienunterlagen deutlich ausführlicher und damit auch umfangreicher. Normalerweise bekommt man nur stichpunktartige Skripte, die man während der Vorlesungen noch laufend ergänzen und diverse Inhalte mit Fachbüchern nachschlagen muss.

Falsche Schwerpunkte

Eigentlich ist man alleine mit den Studienheften bedient und könnte locker die 20-30 Stunden pro Woche füllen. Ich habe mich im ersten Semester fast ausschließlich auf die Studienhefte konzentriert. Bei Wirtschaftsmathe & Statistik“, dem Modul, mit dem ich angefangen habe, musste ich schnell feststellen, dass ich den Lernstoff mit den Heften nicht wirklich gut verstanden habe. Ich muss auch sagen, dass die Inhalte in einigen Büchern deutlich verständlicher erklärt werden. Bei Statistik bin ich dann gar nicht angekommen. Ich war echt frustriert, dass ich bei Wirtschaftsmathe anscheinend noch einige Basics zu wiederholen hatte, um die Studienhefte zügiger bearbeiten zu können, dass ich mit EWiwi weitergemacht habe. Die bis dato investierte Zeit für Wirtschaftsmathe war aber dahin und in diesem Fall auch eine Fehlinvestition.

Beim Modul „Einführung in die Wirtschaftswissenschaft“ sah die Sache schon anders aus. Auch wenn hier einige wirtschaftsmathematische Basics abverlangt werden, kam ich deutlich besser mit den Studienheften klar. Sie waren viel verständlicher, auch wenn man das ein oder andere Mal an einigen Stellen hängen blieb… Aber die Studienhefte waren erstmal das, worauf ich mich konzentriert habe. Ich war echt froh, als ich irgendwann mit allen BWL & VWL Studienheften durch war. Und dann? Wirtschaftsmathe habe ich ja bereits abgeschrieben, aber dann habe ich erstmal festgestellt, dass es mit dem Durcharbeiten der Studienunterlagen auch bei EWiwi nicht getan ist. Denn schließlichist es die Prüfung, auf die man gut vorbereitet sein muss. Und zu dieser mussten alle Formeln sitzen! Und das sind nicht gerade wenige… Da hilft nur Üben, Üben, Üben und genau dazu fehlte mir die Zeit.

Die verlorene Zeit zu Beginn des Semesters, sowie die falschen Schwerpunkte, nämlich mit Wirtschaftsmathe anzufangen und sich bei EWiwi hauptsächlich auf die Studienhefte zu konzentrieren, wurden mir zum Verhängnis. Letztendlich waren es später nur noch wenige Wochen bis zur Prüfungen, gleichzeitig hat sich bei mir beruflich einiges geändert und ich habe mich aus Zeitgründen wieder von der Prüfung abgemeldet.

Schwerpunkte erkennen und setzen!

Wie man bei mir gesehen hat, ist es nicht immer leicht, die richtigen Schwerpunkte zu erkennen. Für mich stellten die Studienhefte den Schwerpunkt des Fernstudium dar. Schließlich sollten sie doch den gesamten Lernstoff beinhalten, der später in der Prüfung abgefragt wird. Und wenn man die Studienhefte beherrscht, dann müsste auch die Prüfung reibungslos klappen, oder?

Im Prinzip ist das auch richtig und die Studienhefte sind und bleiben auch weiterhin wichtig. Doch es ist nicht immer richtig, sich ausschließlich auf die Studienunterlagen zu konzentrieren. Denn Lernen bedeutet nicht nur, alle Studienhefte im Kreis zu lesen und zu wiederholen. Das kann zwar nie schaden, aber man muss auch bedenken, dass die Zeit zum Lernen begrenzt ist. Und das Ziel, am Ende der Bearbeitungszeit sollte es sein, mit einem gut vorbereiteten Gefühl zur Prüfung gehen zu können.

Es gilt daher, die Lernzeit bestmöglich zu investieren und die Schwerpunkte so zu setzen, dass man dieses Ziel auch erreicht.

Ein allgemein gültiges Rezept, welche Schwerpunkte richtig sind, gibt es nicht. Dies hängt stark vom Modul, dem eigenen Vorwissen, den Inhalten und dem Verständnis der Studienhefte und der effizienten Prüfungsvorbereitung ab. Die Schwierigkeit besteht darin, gleichzeitig prüfungsrelevante Inhalte zu identifizieren (Was könnte abgefragt werden?) und seine eigenen Schwächen herauszufinden (Wo muss ich mich verbessern?). Und dann kommt noch der Faktor Zeit hinzu. Wie bereits erwähnt: Mit den Studienheften könnte man die gesamte Zeit gut füllen, aber oft sind sie nicht der richtige Schwerpunkt.

Das heißt nicht, dass sie nicht wichtig sind, aber oft kann man sich das Lernen erleichtern, bzw. besser und effektiver lernen, wenn man die Schwerpunkte woanders setzt.

Mögliche Schwerpunkte

Das Offensichtliche ist nicht immer das Effektivste. Studienhefte sind nicht immer die beste Möglichkeit zu Lernen. Zwar sind die Inhalte der Studienhefte mit Sicherheit prüfungsrelevant und damit auch wichtig, doch die Art und Weise, wie man sich die Inhalte aneignet, kann gerne variieren.

Ich würde daher nicht empfehlen, die Studienhefte einfach zu ignorieren und beiseite zu legen. Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich mir die Studienhefte auf jeden Fall anschauen und auch durcharbeiten, aber mich nicht allzu lange damit aufhalten. Auch hier sollte man zwischen den Modulen unterscheiden.

  • Welche Vorkenntnisse werden zur Kursbearbeitung verlangt?
  • Worauf kommt es in der Modulprüfung an?
  • Welche Aufgabentypen gibt es?
  • Muss man Rechnen?
  • Müssen Definitionen und Inhalte in Textform wiedergegeben werden?
  • Muss man alle Formeln auswendig wissen?

All das sind Fragen, die dabei helfen können, festzustellen, worauf es beim Modul, bzw. den Kursen und später in der Prüfung ankommt und in welche Richtung man lernen, bzw. sich vorbereiten muss. Alles beginnt mit der Auswahl der Module. Denn eine unüberlegte Modulauswahl kann nur Zeit und Nerven kosten.

Ein Blick auf die Teilnahmebedingungen der Module kann helfen, sich für die richtigen Module zu entscheiden, bzw. evtl. Lücken noch vor Bearbeitungsbeginn aufzufrischen. Das spart Zeit und man wird später schneller mit der Bearbeitung der Studienhefte fertig sein. Dies ist z.B. bei dem Modul „Grundlagen der Wirtschaftsmathematik & Statistik“ der Fall. Hier wird ein gewisses Basic KnowHow als gegeben vorausgesetzt. War die letzte Mathestunde schon ein bisschen länger her, sollte man sich vor Beginn des Semesters am besten noch mal hinsetzen und einige Grundlagen auffrischen. Sonst verliert man im Semester zu viel Zeit und ist frustriert.

Eine gründliche Vorbereitung auf die Module ist also ein erster Schritt in Richtung effektives Lernen und kann bereits einen Schwerpunkt bilden. Um richtig einschätzen zu können, worauf man sich beim Lernen konzentrieren sollte, sollte man die spätere Modulprüfung heranziehen. Wie ist diese aufgebaut und was wird dort abgefragt? Bei den Klausuren für Wirtschaftsmathe und Statistik sind es z.B. Multiple-Choice Aufgaben (1 aus n; x aus 2), bei den EWiwi-Klausuren hingegen zum Teil Multiple-Choice Aufgaben bei der Teilklausur VWL und zum Teil offene Fragen (Teilklausur BWL). Beispielklausuren können also bereits Aufschluss darüber geben, worauf man sich beim Lernen konzentrieren sollte. geht es um das Abrufen von Inhalten oder um das Verständnis? Muss ich Inhalte auswendig lernen oder nur anwenden können? Bei Mathe wird man z.B. keine Definitionen niederschreiben müssen, bei BWL und VWL ja. Alte Wiwi-Klausuren (die man übrigens auch bei den einzelnen Lehrstühlen findet) sind also eine gute Hilfe, um inhaltliche Schwerpunkte zu identifizieren. Die Suche nach den einzelnen Teilklausren gestaltet sich zwar etwas schwierig, aber man kann einfach im Modulhandbuch gucken, welche Profs. für das Modul zuständig sind und dann unter dieser Übersicht per Link auf die einzelnen Lehrstühle gelangen. Dort findet man dann auch unter „Lehrangebot“ die alten Klausuren.

Wenn man einschätzen kann, was auf einen in der Modulprüfung zukommt, kann man auch besser einschätzen, wie man sich am besten vorbereitet. Sicherlich gibt es hier von Fernstudent zu Fernstudent Unterschiede. Aber wenn man die Voraussetzungen, die für die Teilnahme am Modul verlangt werden erfüllt und sich mit den alten Klausuren auseinandergesetzt hat, ist man schon ein ganzes Stück weiter.

Die Studienhefte würde ich nach wie vor auf jeden Fall bearbeiten, aber wie bereits gesagt, nicht allzu viel Zeit dafür aufwenden. Worauf es meiner Meinung nach viel mehr ankommt, ist Übung. Und das gilt sowohl für anwendungslastige Module, wie Wirtschaftsmathe und Statistik, als auch für Module, wie EWiwi, bei denen man zwar auch rechnen, aber auch viele Inhalte abrufen können muss.

Einige Fernstudenten lernen bei Wirtschaftsmathe z.B. gar nicht mit den Studienheften, da es hier auf das Rechnen und Verstehen ankommt. Mathe ist Mathe und das Ergebnis ist – egal mit welchem Lehrbuch man sich das Wissen angeeignet hat – unterm Strich das selbe. Hier ist die Gefahr, dass man am prüfungsrelevanten Stoff vorbei lernt, nicht allzu hoch. Und es gibt so manche Bücher und Lernhilfen, die verständlicher sind, als die Studienhefte. Hier hat aber jeder Fernstudent seine eigenen Vorlieben. Die einen empfehlen z.B. die Skripte von fabianca, die anderen Mathebücher, wie „Mathematik – anschaulich dargestellt – für Studierende der Wirtschaftswissenschaften“ oder „Value Pack: Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler + Übungsbuch„. Die Bücher eigenen sich auch super, um Grundlagenwissen zu wiederholen und sich auf das Modul vorzubereiten.

Die Studienhefte enthalten zwar auch Übungsaufgaben und die Einsendearbeiten üben zusätzlich, doch vom Üben kann man nie genug bekommen ;).

Bei BWL und VWL haben die Studienhefte einen höheren Stellenwert. Bei VWL sind die Hefte auch leicht verständlich, sodass es hier kaum Verständnisprobleme gibt. Zwar gibt es auch dort Übungsaufgaben und Formeln, aber ich würde mir hierzu nicht gleich einen dicken Wälzer anschaffen, sondern lieber alte Klausuren durchrechnen und die Einsendearbeiten und Übungsaufgaben in den Heften solange durchrechnen, bis man sie versteht. Die Teilklausur für VWL besteht aus Multiple-Choice Aufgaben, sodass man hier auch nichts auswendig lernen muss. Es kommt vielmehr auf das allgemeine Verständig an und dass man die Formeln anwenden kann.

Bei BWL sind die Studienhefte zwar leicht anspruchsvoller, aber dennoch kein aussichtsloses Problem. Jedoch ist mein heißer Tipp für BWL, sich das Buch „BWL-Klausuren: Aufgaben und Lösungen für Studienanfänger“ von Prof. Hering anzuschaffen, da er gerne mal Übungsaufgaben aus dem Buch in der Klausur verwendet.

Fazit

Ziel des Fernstudiums ist es, Modul für Modul erfolgreich zu bearbeiten und das Studium mit Bestehen der Abschlussarbeit abzuschließen. Die Modulprüfungen sind daher wichtige Teilziele, auf die in den Bearbeitungszeiträumen während des Semesters hingearbeitet werden muss.

Die Zeit, die man wöchentlich für die Bearbeitung der Module investieren sollte ist mit durchschnittlich 20-30 Stunden sehr hoch und wird bei zeitlich eingespannten Fernstudenten (Job, Familie etc.) vielleicht auch deutlich geringer ausfallen. Umso wichtiger ist es, die freie Zeit möglichst effektiv einzusetzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Studienhefte sind sicherlich wichtige Bestandteile des Studiums und sollten auch (inkl. Übungsaufgaben) bearbeitet werden. Sie müssen jedoch nicht die Lernschwerpunkte bilden, sondern sollten vielmehr einer inhaltlichen Orientierung dienen. Ansonsten sprüht man nur so vor Theorie und schaut bei der Prüfung dumm aus der Wäsche.

Bei Modulen, wie Wirtschaftsmathe und Statistik, bei denen man viel Rechnen und die Lösungswege auch verstehen muss, können Fachbücher und andere Skripte oft bessere Lernergebnisse erzielen. Sie helfen auch bei der Auffrischung von Basics.

Bei anderen Modulen sind Studienhefte vor allem inhaltlich wichtig, da ggf. Definitionen etc. abgefragt werden. Sind die Inhalte gut verständlich, kann man auch bei den Studienheften bleiben. Es schadet jedoch nie, auch andere Literatur zurate zu ziehen. Und vor allem, wenn der Prof, wie bei BWL noch ein extra Übungsbuch zur Verfügung stellt, dessen Aufgaben er oft in den Klausuren verwendet, ist dieses ein absolutes Must-Have.

Übung macht den Meister. Je mehr Aufgaben mehr durchrechnet und übt, umso besser wird man sich die Formeln einprägen und diese auch verstehen können. Mir fehlte im März die erforderliche Zeit zum Üben. Ich möchte eine Prüfung nicht nur Bestehen, sondern auch das Gefühl haben, mich gut darauf vorbereitet zu haben. Die Noten sind mir nicht unwichtig. Und mittlerweile weiß ich, wo ich für mich die Schwerpunkte setzen muss und freue mich auf das kommende Semester ;).

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

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