Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Nach fast genau drei Monaten Wiwi-Fernstudium an der Fernuni Hagen ist nun die Zeit für ein wenig Selbsterkenntnis gekommen. Wie man es bereits in einigen Artikeln entnehmen konnte, stellten mich genau zwei Dinge vor eine große Herausforderung: Die Zeit und das leidige Thema Wirtschaftsmathe.

Wenden wir uns zunächst dem kostbaren (da zeitlich begrenztem) Faktor Zeit zu. Im Fernstudium ist mir erst richtig bewusst geworden, wie wenig Zeit ich doch eigentlich habe. Ich weiß gar nicht mal, ob die Zeit wirklich so knapp ist oder ob ich diese falsch einsetzte. Fakt ist aber: Ein Fernstudium kosten Zeit, viel Zeit. Je nachdem, ob man einVoll- oder ein Teilzeitstudium absolviert, zeitraubende Hobbys hat, im Berufsleben steht oder familiären Verpflichtungen nachgehen muss, steht Fernstudenten unterschiedlich viel (oder wenig) Lernzeit zur Verfügung.

In meinem Falls sieht das so aus: Ich arbeite Vollzeit und inklusive Hin- und Rückfahrt gehen da schon mal locker 12 Stunden drauf (ich muss einmal quer durch Hamburg fahren). Jetzt, wo ich mir tatsächlich vergegenwärtigt habe, dass es 12 Stunden sind, kommt mir die Frage in den Sinn: Hat der Tag nicht nur 24 Stunden? Ja, hat er. Daran lässt sich leider nichts ändern. Also nähern wir uns der Geschichte von einer anderen Seite und versuchen, alles, was es so an einem Tag zu erledigen gilt, in diese wenigen, zur Verfügung stehenden 24 kostbare Stunden Zeit zu quetschen.

Neben der Arbeit gibt es da ja auch noch mein zeitraubendes Hobby Sport. Während meines Fernstudium habe ich mich oft gefragt, ob ich den Sport nicht zugunsten mehr Zeit reduziere, aber das hatte in meinem Fall eher den gegenteiligen Effekt. Ich war schlecht gelaunt, „auf Krawall gebürstet“ (sagt mein Freund immer ;)) und überhaupt war ich nicht wirklich ausgeglichen. Ich brauche den Sport zum Ausgleich und für meine regelmäßige Portion Endorphine. Danach geht´s mir einfach besser. Nach der Arbeit ist also regelmäßig Sport eingeplant, das Fitnesstudio liegt direkt auf dem Heimweg, sodass sich das ganz gut vereinbaren lässt. Dort verbringe ich dann insgesamt für alles etwa 2,5 Std.

An den Wochenenden sieht es bei mir hingegen sehr ruhig aus, ich gehe kaum aus. Verkaterte Sonntage habe ich bereits erlebt und stehe da nicht so drauf. Für mein Fernstudium wäre das auch eher kontraproduktiv. Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel, aber ich weiß jetzt schon, dass ich am Tag danach zu nix zu gebrauchen bin und mich erstmal den ganzen Tag erholen müsste.

Neben der „normalen“Arbeit nehmen auch noch einige private Projekte, die mein Freund und ich nebenberuflich betreiben viel Zeit ein. Viel verbleibende freie Zeit, bleibt da nicht mehr übrig, wie man an folgender Grafik sehen kann, die ungefähr abbildet, wieviel Zeit in meiner Woche wofür draufgeht:

Hier sind wir wieder bei der Frage, ob ein Fernstudium überhaupt mit einem Vollzeitjob vereinbar ist. Ich sage: Ja, definitiv. Und damit meine ich nicht, dass man auf jegliche Erholung und jeden Spaß verzichten und sich vollständig dem Fernstudium widmen muss. Aber gerade wenn Job, Familie, Partnerschaft, Hobby´s und die zeitraubenden Dinge des Alltags hinzukommen, ist Zeitmanagement gefragt. Dabei gilt es, Zeitfresser zu enttarnen. In meinem Fall wäre das Fernsehen (ich gestehe, ich bin ein TV-Junkie) ein Opfer wert. Zwar kann ich vorm Fernseher (auch bei grottenschlechtem Programm) super entspannen, aber es raubt mir letztendlich meine Zeit. Einsicht ist der beste Weg zur Besserung, oder ;)? Man muss sich nun mal den Dingen annehmen, an denen man selbst etwas ändern kann.  Und das Fernsehen ist definitiv mein Laster, bietet aber auch einen guten Ansatz für Veränderungen.

Schafft man es, Verpflichtungen (Familie, Beruf), Ausgleich (Sport, Hobby´s, eigene Projekte) und das Fernstudium unter einen Hut zu bekommen, kann man sich glücklich schätzen. Gutes Zeitmanagement ist hierbei das A und O. Ich habe den Umfang des Lernstoffs und auch den zeitlichen Aufwand, den das Lernen erfordert, unterschätzt. Bei mir war es, wie auch bereits bei meinem Erststudium so, dass ich mich erstmal an die neue Lernsituation gewöhnen und einen Rhythmus finden musste. Bei meinem ersten Präsenzstudium war dies auch schwer. Wann muss ich anfangen zu lernen? Wie lange kann/muss ich durchgehend lernen? Was für ein Lerntyp bin ich?

Ich denke, dass jeder, der sich für ein akademisches Fernstudium entscheidet, bereits erste Einschätzungen über sein Lernverhalten treffen kann, sei es aus der Abi-Zeit oder vom Erststudium, wie in meinem Fall. Dennoch erfordert jede neue (Lern)Situation/Lernumgebung eine Anpassung der Lernstrategie. Die Schulzeit ist genau sowenig mit einem Studium vergleichbar, wie ein Studium mit einem nebenberuflichen Fernstudium. Letzteres erfordert deutlich mehr Motivation und Zeitplanung. Während eines Präsenzstudium steht i.d.R. das Studium im Mittelpunkt des Geschehens. Viele Studenten arbeiten nebenbei, aber eben nur nebenbei. Im Zentrum steht das Studium. Bei einem nebenberuflichen Fernstudium ist es genau andersherum. Im Zentrum steht die Arbeit, das Studium absolviert man nebenbei. Diese, für mich neue Situation erforderte eine gewisse Eingewöhnung, bis man einen Rhythmus gefunden hat, mit dem man sich wohl fühlt.

Mittlerweile weiß ich, dass ich hätte mehr Zeit für mein Fernstudium aufwenden müssen, um mit dem Lernstoff im normalen Tempo voranzukommen. Und die Zeit hätte ich gehabt, ich hätte einfach nur konsequenter sein müssen und bei der mir (neben allen Pflichten und Hobbys) und zur Verfügung stehenden, freien Zeit, Prioritäten setzten müssen. Wahrscheinlich habe ich mich das einfach etwas überschätzt, aber auch hier ist Einsicht der erste Schritt zur Besserung.

Neben meinem Zeitmanagementproblem hatte ich auch noch mit einem Motivationsproblem zu kämpfen, welches hautpsächlich im Umfang und Inhalt des Moduls „Einführung in die Wirtschaftsmathematik“ begründet lag. Nicht nur, dass meine Zeit eh schon knapp ist, bei Wirtschaftsmathe musste ich auch noch feststellen, dass mich alleine das Wiederholen der erforderlichen mathematischen Grundlagen zu viel Zeit gekostet hätte. Dabei habe ich extra mit Linearer Algebra angefangen, weil ich dachte, dass ich dann bereits das Schlimmste hinter mir hätte. Dem wäre auch so, wenn ich denn die Studienhefte zügig hätte bearbeiten können. Zwar war ich immer gut in Mathe, es war sogar eines meiner Lieblingsfächer. Aber ohne vorherige Wiederholung von Lehrinhalten, wie Differentialrechnung, Integralrechnung etc. machte es einfach keinen Spaß. Es hat mich verärgert, dass ich vor Dingen, die ich vor wenigen Jahren noch super beherrschte, jetzt mit einem großen Fragezeichen gegenüber saß.

Im Bezug auf Lineare Algebra habe ich ja bereits einige Tipps zum Einstieg gegeben. Zu diesen zählte vor allem, sich vorher den ganzen Grundlagen-Stoff anzuschauen. An dieser Stelle möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass zum Modul Wirtschaftsmathe auch noch der Kurs „Grundlagen der Statistik“ gehört, welcher evtl. auch noch eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert.

Ich war jedenfalls froh, als ich auf „Einführung in die Wirtschaftswissenschaft“ umgestiegen bin, da ich mit diesem Lernstoff natürlich deutlich besser vorankam. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mich entschieden, dieses Semester nur das Modul „Einführung in die Wirtschaftswissenschaft“ abzuschließen. Alles andere hätte keinen Sinn und dies ist für mich die beste Entscheidung. Ich habe viele Ansätze zur Verbesserung meiner Zeitplanung und Optimierung meines Lernverhaltens gesammelt und nun kann ich auch besser einschätzen, wieviel Zeit es erfordert, einen Kurs, bzw. ein Modul zu bearbeiten und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte.

Natürlich ist es nicht mein Ziel, in diesem Tempo weiterzumachen, schließlich möchte ich das Fernstudium noch vor meinem 40. Geburtstag beenden ;), aber es bringt auch nichts, auf Krampf unbedingt beide Prüfungen zu schreiben, wenn man sich in einem Modul total unsicher ist. Mein Ziel ist es daher, erstmal mit VWL & BWL zu starten, diese Prüfung gut zu bestehen und nebenbei die Grundlagen für Wirtschaftsmathe aufzuarbeiten, sodass ich dieses Modul im nächsten Semester nochmals belegen kann. Auf diese Weise kann ich erstmal ohne Prüfungsdruck für Wirtschaftsmathe lernen und mich erstmal auf eine Prüfung konzentrieren.

Ich habe mich lange Zeit gefragt, ob ich jetzt enttäuscht von mir sein soll, weil ich die Ziele, die ich mir selbst gesetzt habe, nicht erreichen konnte. Aber nein, ich bin nicht enttäuscht. Im Gegenteil, denn nicht die Prüfungen eines Semesters sind das Ziel, sondern der gesamte Weg, den man während des Fernstudium durchläuft, mit allen Höhen und Tiefen, die dazugehören.

Auch während eines Fernstudium stößt man auf Probleme, Erkenntnisse und Optimierungspotentiale, aber Einsicht ist der erste Weg zur Besserung ;)!

Über den Autor

Alicia
Hier schreibt Alicia (Google+), 32 aus dem schönen Hamburg. Im WS 2010/11 habe ich mein WiWi-Fernstudium an der Fernuni-Hagen begonnen - Und bereits nach 18 Monaten erfolgreich abgebrochen. Die Gründe: Eine voreilige Entscheidung, berufliche Veränderungen und die Einsicht, dass nicht jeder der geborene Fernstudent ist. In meinem Blog berichte ich über persönliche Erfahrungen, Eindrücke, Probleme und Fragen aus meiner Fernstudienzeit, sowie allgemeine Informationen und News rund um das Thema Fernstudium und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Mein Ziel ist es, Studieninteressierte bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit das Projekt Fernstudium auch ein nachhaltiger Erfolg wird.

7 Kommentare zu "Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung"

  1. Hi Alicia!

    Kopf hoch, ich finde du machst die richtige Entscheidung anstatt dich zu quälen.

    Ich habe übrigens eine ganz nette Seite noch mit vielen „Basic“ Übungsaufgaben gefunden, gerade um wieder in Mathe reinzukommen sicher ganz hilfreich (auch mit Lösungen dabei):
    http://www.brinkmann-du.de/mathe/aufgabenportal.htm

    Liebe Grüße,
    Tobi

    • Hey Tobi,

      danke für die Aufmunterung ;). Ich denke auch, dass das die richtige Entscheidung, damit habe ich mir etwas mehr Luft verschafft.

      Danke auch für den Link zum Mathe-Aufgabenportal! Hab da schon mal kurz reingeschaut, die Aufgaben + Lösungen helfen mir definitiv schon weiter!

      Viele Grüße,

      Alicia

  2. Hi Alicia nochmal!

    Sagmal, man bekommt doch bei jedem Modul anscheinend auch Literaturtipps mitgeliefert oder?
    Kannst du evtl. für das Wirtschaftsmathe Modul ein paar Empfelungen hier reinstellen? (Ich habe z.B. das Buch „Mathematik zum Studieneinstieg“ bereits bestellt, dort wird allerdings z.B. Statistik aussen vor gelassen erstmal…)

    Danke schonmal! 🙂 Kann das Buch übrigens weiterempfehlen, hat zwar nicht alzuviele Übungsaufgaben, ist aber sehr gut verständlich geschrieben. (Nur die Schriftart erinnert ein wenig an alter PC Schrift…man gewöhnt sich aber daran.)

    Viele Grüße,
    Tobi

    • Hey Tobi,

      super, dass dir das Wiwi-Buch gefällt! Ja, Statistik ist dort leider nicht enthalten. Ich selbst habe noch von meinem Erststudium den „Bortz“ in Satitisik, aber für Human- und Sozialwissenschaftler. Hier werde ich mir wohl auch ein neues Statistik-Buch für Wirtschaftswissenschaftler zulegen müssen.

      In den Studienheften zum Kurs Statistik wird auf den Lehrstuhl Statistik an der Fernuni Hagen verwiesen:. Dort findet man „Kursergänzende Lehrbücher: http://fernuni-hagen.de/ls_statistik/kurse/k40601.shtml, die „zur Vertiefung einzelner Inhalte“ hergezogen werden können. Am besten wäre natürlich ein Buch, dass zu einer grundständigen Einarbeitung in den Soff passend wäre.

      Ich habe hierzu ein gutes Buch Statistik für Wirtschaftswissenschaftler
      gefunden. Das Buch enthält das komplette Statistikwissen, das für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium benötigt wird und ist daher ideal zum Einarbeiten.

      Liebe Grüße,

      Alicia

  3. Hi Alicia!

    Danke für die Links, das ist genau was ich noch gesucht habe 🙂

    Auf der FU Seite sehe ich auch:
    Stoffeingrenzungen:
    Nichtklausurrelevante Abschnitte
    XY…

    Ist das dann anscheinend jedes Jahr dasselbe, was ausgeschlossen wird?

    Viele Grüße!
    Tobi

  4. Hey Tobi,

    ja, ich denke schon, dass die „nichtklausurrelevanten Abschnitte“ (http://www.fernuni-hagen.de/ls_statistik/kurse/k00055.shtml) dieselben bleiben. Sieht jedenfalls ganz so aus.

    Ich habe übrigens noch ein PDF mit interessanten Infos zu den Klausuren gefunden, wie Hilfsmitteln, Stoffeingrenzungen und Aufgabentypen etc.: http://www.fernuni-hagen.de/wiwi/studium/pruefungen/klausuren/klausur_hinw.pdf.

    Da werden schon mal einige hilfreiche Fragen zu den Klausuren beantwortet. Weitere Fragen kann man dann ja während der Beratungszeiten noch direkt an die Kursbetreuer richten. Aber bis zu den Klausuren ist es ja noch etwas hin ;).

    Viele Grüße,

    Alicia

  5. Ich verstehe dich nur zu gut…

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