10 Tipps zum Zeitmanagement im Fernstudium

Zeitmanagement – so heißt das neue Thema der Artikelreihe von studies4studies. Gerade Fernstudenten, deren überwiegende Anzahl berufstätig ist, haben oftmals mit dem Problem Zeitmanagement zu kämpfen. Job, Familie, Hobbys und ab und zu etwas Erholung und Abwechslung sind eigentlich schon zeitraubend genug. Ein nebenberufliches Fernstudium, dessen zeitlicher Lernaufwand oft unterschätzt wird, macht effektives Zeitmanagement zu einer Notwendigkeit, um alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen.

Als ich im Oktober mein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen begonnen habe, war das Thema Zeitmanagement noch etwas Überflüssiges für mich. Schließlich hatte ich bis zu den Prüfungen knapp sechs Monate Zeit und das müsste ja locker zum Lernen reichen! Zwar arbeite ich nebenbei Vollzeit und habe mit Sport auch ein zeitraubendes Hobby, aber für zwei Prüfungen sollte die freie Restzeit doch kein Problem sein…

Wenn ich bedenke, dass ich zu Beginn neben meinem Vollzeitjob noch drei Module (was einem Vollzeitstudium entspricht) belegen wollte, kann ich nur über mich selbst lachen. Das erste Semester war für mich eine Lektion in Thema Zeitmanagement. Zwar ist das Semester noch nicht vorbei, aber dafür aber der Großteil der sechs Monate, die mir am Anfang noch so lang und zum Lernen vollkommen ausreichend erschienen.

Ich wurde eines Besseren belehrt. In den folgenden Tipps zum Zeitmanagement im Fernstudium möchte ich auf meine Fehler und Zeitmanagement-Probleme eingehen, sowie Tipps für ein effektives Zeitmanagement geben, um das Fernstudium – gerade zu Beginn – effektiv zu gestalten und (meine) Fehler zu vermeiden ;).

1. Auswahl der Module sorgfältig überdenken

In meinem ersten Semester habe ich mich an den exemplarischen Studienplan für das Wiwi-Teilzeitstudium gehalten und die beiden Module “Einführung in die Wirtschaftswissenschaft” und “Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik” belegt. Im Oktober habe ich zuerst mit den Studienheften zum Kurs “Grundlagen der Linearen Algebra und Analysis” begonnen und ziemlich viel Zeit zum Lernen investiert. Bis ich nach knapp 1,5 Monaten feststellen musste, dass ich ohne ein umfassendes Wiederholen der mathematischen Grundlagen viel zu viel Zeit in diesen Kurs stecken müsste, welche mir dann für das andere  Module, bzw. für die anderen Kurse fehlen würde.

Das war fatal, denn schließlich waren diese 1,5 Monate verpulverte Zeit, die ich hätte durchaus effektiver einsetzen können. Ich habe mich blind nach dem exemplarischen Studienplan gerichtet, ohne die Voraussetzungen für die einzelnen Kurse zu kennen. Im Falle des Moduls “Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik” waren es u.a.:

  • Grundbegriffe der Arithmetik (Rechnen mit Klammern, Grundrechenarten, Bruchrechnen) und der Algebra (Rechnen mit Buchstaben, Binomen, Potenzen und Wurzeln, Summenzeichen),
  • lineare und quadratische Gleichungen,
  • Logarithmen
  • Grundbegriffe der Geometrie (Punkt, Linie, Fläche, Raum, Winkel, Strahlensätze, Dreieck, Viereck, Kreis, Parabel, Hyperbel),
  • elementare Logik und Mengenlehre
  • Kombinatorik
  • Folgend und Reihen
  • Grundbegriffe über Funktionen

Zwar hatte ich den ganzen Kram auch zu Zeiten meines Fachabis, aber – man mag es kaum glauben – auch das ist schon einige Jährchen her… Man sollte die Module, auch im ersten Semester, nicht unterschätzen. Man wird während des Fernstudiums nicht mit Watte angefasst, es geht von 0 auf 100 los und dann sitzt man da mit seinem Berg an Studienheften und ist auf sich alleine gestellt.

Daher sollte man sich noch vor dem Fernstudium, bzw. vor Belegung der Kurse gründlich überlegen, welche Module/Kurse man in diesem Semester belegen möchte. Das Modulhandbuch gibt Aufschluss über die Voraussetzungen für die jeweiligen Module. Ggf. sollte man sich die Grundlagen noch vor Kursbeginn anschauen, um das notwendige Basiswissen vorzuweisen und den Lernstoff zügig durcharbeiten zu können.

Der Studienplan der Fernuni ist wirklich nur exemplarisch. Natürlich ist es sinnvoll, einige Kurse und Module an den Anfang des Studiums zu setzen (z.B. “Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik”) und andere Kurse in der logischen Reihenfolge zu belegen (z.B. BWL I-IV), aber in der Auswahl der Module ist man frei und sollte seine Wahl auch dem vorhandenen Kenntnisstand anpassen.

Ich werde das Modul ” Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik” jetzt im nächsten Semester als Wiederholer belegen und mir in der Zeit davor noch die mathematischen Grundlagen anschauen. In diesem Semester habe ich mir vorgenommen, nur die Prüfung für das Modul “Einführung in die Wirtschaftswissenschaft” zu schreiben. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr und der Lernstoff wird irgendwie nur ein kleinen Schritten weniger, aber immerhin geht es frei nach dem Motto “langsam, aber stetig”, weiter ;).

2. Rechtzeitig mit dem Lernen anfangen

ZeitmanagementDer zeitliche Aufwand zum Lernen wird im Fernstudium oft unterschätzt. Auch wenn man sich auf die belegten Kurse (falls nötig) gründlich vorbereitet hat, gilt es, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen. Die Zeit vor offiziellem Kursbeginn kann, wie bereits erwähnt, zur Einarbeitung genutzt werden. Sobald man jedoch die Studienhefte vorliegen hat, sollte man keine Zeit mehr verschwenden.

Gerade zu Beginn eines Semesters schleicht sich gerne mal eine “das wird schon”-Haltung ein, die jedoch trügerisch ist. Man kann nie genug Zeit zum Lernen haben und jeder von uns hat nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Und als Fernstudent hat man schließlich auch ohne das Fernstudium einen eng gestrickten Zeitplan. Zudem weiß man nie, welche “Zeitstopper” während des Semesters auftreten, die einen vom Lernen aufhalten könnten.

Rechtzeitig mit dem Durcharbeiten der Studienhefte anzufangen gibt ein gutes Gefühl, sorgt für eine entspanntere Lernweise und verschafft Zeitpolster.

3. Zeitplan aufstellen

Für effektives Zeitmanagement im Fernstudium empfiehlt sich das Aufstellen eines Zeitplans. Ein Zeitplan hat den Vorteil, dass er als eine Art Lernkontrolle dient und kleine Ziele formuliert, an die man sich dann auch halten sollte.


Auch ich hätte beim Erhalt meines ersten Studienpakets einen Zeitplan erstellen sollen, denn man verliert bei dem Umfang an Lernmaterial schnell den Überblick und schätzt den Lernaufwand oft falsch ein. Wenn man dann auch noch, wie ich, mit dem “falschen Modul” anfängt und nur noch wenig Zeit für das zweite Modul bleibt, kommt man in Zeitnot. Daher werde ich mir für die verbleibenden Wochen auch noch einen Zeitplan erstellen, um mit dem noch vor mir liegenden Lernstoff rechtzeitig zur Prüfung fertig zu werden.

Bei der Erstellung eines Zeitplans sollten drei Dinge berücksichtigt werden: Die (für den Kurs notwendigen)Vorkenntnisse, der (Seiten)umfang der Studienhefte, sowie die von der Fernuni angesetzten Semesterwochenstunden (SWS). Ein Zeitplan beginnt nämlich im besten Fall schon vor dem offiziellen Semesterbeginn. Denn in der Regel hat man zwischen den Prüfungen und dem neuen Semester noch etwas Zeit, um sich ggf. auf die vor einem liegenden Module und Kurse vorzubereiten, bzw. sich Grundlagenwissen anzueignen.

Zum Kursbeginn erhält man dann die Studienhefte in einem Rutsch, bzw. in regelmäßigen Abständen nach Hause zugeschickt. Kommen diese, wie bei mir, alle auf einmal, hat meine eine gute Möglichkeit, den zeitlichen Lernaufwand einzuschätzen und den Stoff einzuteilen. Man könnte sich z.B. an den Seitenzahlen orientieren und diese auf die Wochen aufteilen. Oder man orientiert sich grober an den Studienheften und setzt sich Ziele, wann man mit einem Heft fertig sein will.

Schwieriger wird es, wenn die Unterlagen z.B. im 2-Wochen-Rhythmus verschickt werden. Doch auch hierbei kann man sich anhand der Versandtermine ausrechnen, wie viel Zeit man ungefähr zum Lernen aufwenden wird. Der Vorteil des mehrfachen Versands der Studienunterlagen ist natürlich, dass automatisch eine Rationierung des Lernumfangs erfolgt. Denn schließlich kann man dann nur die Studienhefte durcharbeiten, die man auch vorliegen hat. Hier könnte es das Ziel sein, zum nächsten Versandtermin alle bis daher erhaltenen Studienheften durchgearbeitet zu haben.

Die von der Fernuni veranschlagten Semesterwochenstunden (SWS) für Kurse bieten eine weitere Hilfestellung, den Zeitaufwand zum Lernen richtig einzuschätzen. Eine SWS entspricht dabei einer 45-minütigen Vorlesung in der Woche. ABER: Die SWS gibt nur Auskunft über den für die Vorlesung veranschlagten Zeitaufwand. Der reale Zeitaufwand (Auffrischung der Vorkenntnisse, Lernen und Wiederholen) dürfte deutlich größer ausfallen.

Angaben dazu, wieviele Semesterwochenstunden pro Kurs veranschlagt werden, findet man ebenfalls im Modulhandbuch.

Wir können mal ein kleines Beispiel durchrechnen. Nehmen wir an, man möchte im Semester die zwei Module “Einführung in die Wirtschaftswissenschaft” und “Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik” belegen.

Laut Modulhandbuch wäre der Zeitaufwand in Semesterwochenstunden wie folgt:

  • Einführung in die Volkswirtschaftslehre (150 Stunden)
  • Einführung in die Betriebswirtschaftslehre (150 Stunden)
  • Grundlagen der Linearen Algebra und Analysis (150 Stunden)
  • Grundlagen der Statistik (150 Stunden)

So, 4 x 150 SWS (kriege ich auch gerade noch so hin ;)) wären also insgesamt 600 Semesterwochenstunden. Hört sich viel an, ist es auch. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese 600 Stunden nur die Zeit sind, die (theoretisch) für die Verlesungen gedacht wären.

Rechnet man die 600 SWS auf Wochenbasis herunter (sind im WS 2010/11 rund 24 Wochen), so kommt man auf 25 SWS pro Woche für zwei Module. Man sieht schon, dass der Lernaufwand schon für “nur” zwei Module ziemlich hoch ist. 25 Semesterwochenstunden entsprechen ca. 19 Stunden Vorlesungszeit in der Woche (1 SWS = 45 Minuten Vorlesungszeit).

Die Vorlesungszeit entfällt natürlich bei einem Fernstudium, dennoch dürfte der Lernaufwand mindestens gleich, wenn nicht größer ausfallen. Zumal in diesen 19 Std./Woche auch schon die Zeit für Wiederholung des Lernstoffs, sowie zur Prüfungsvorbereitung enthalten ist.

Und ich muss ehrlich sagen, dass 19 Stunden pro Woche ziemlich viel Zeit neben dem Beruf sind. Das ist nur zu schaffen, wenn man unter der Woche etwas lernt (z.B. auf dem Weg zur Arbeit) oder die Wochenenden opfert. Daher wundert es mich nicht, dass ich dieses Semester und in der mir verbleibenden Zeit nur eine Prüfung schaffen kann. Ohne das Lernen unter der Woche wird es für berufstätige Fernstudenten ziemlich schwer, zwei Module im Semester zu schaffen, da man sonst alternativ an den Wochenenden 10 Stunden lernen müsste. Und wer macht/schafft das schon?

4. Früher mit dem Lernen fertig sein

Fertig mit Lernen!Im besten Fall richtet man den Zeitplan so aus, dass man schon früher mit dem Lernen fertig ist und noch ausreichend Zeit hat, den Lernstoff zu wiederholen, schwierige Sachverhalte nachzuschlagen, Übungsaufgaben/Klausuren zu bearbeiten und sich grünlich auf die Prüfung vorzubereiten.

Denn das Lesen der Studienhefte ist das Eine, das Einprägen der Formeln und Lehrinhalte, sowie der Aufbau eines soliden Grundverständnisses des Gelernten, das Andere. Kalkuliert man seine Zeit so ein, dass man kurz vor Prüfungsbeginn gerade mit dem Durcharbeiten des Studienmaterials fertig ist, ist es zu spät.

Ich fand den Tipp in einem Kommentar von Asta sehr hilfreich, dass man sich nicht zu lange mit den Studienheften aufhalten sollte. Natürlich sind die Studienhefte die Basis jeden Kurses, aber eben nicht alles! Ich habe beim Lernen oftmals das Gefühl gehabt, dass ich das Gelesene direkt verstehen und verinnerlichen muss. Das ist aber der falsche Ansatz. Zuerst sollte man sich ohne jeglichen Druck an das (oberflächliche) Durchlesen des Lernstoffs machen. Mit “oberflächlichem Durchlesen” meine ich, dass man beim ersten Durchlesen nicht gleich den Anspruch an sich stellen sollte, das Gelesene perfekt zu verstehen und zu beherrschen. Denn das kommt meistens erst im zweiten, dritten Wiederholen und beim Bearbeiten der Übungsaufgaben. Beim ersten Durcharbeiten ist es jedoch durchaus hilfreich, sich Notizen zu machen und wichtige Sachverhalte, Definitionen und Formeln zu unterstreichen, um sich später beim Wiederholen des Lernstoffs auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Beim Lernen gilt: Üben, üben, üben. Die Studienhefte bieten sozusagen das Grundwissen zum Verständnis des Lernstoffs, aber die Übungs-, Einsendeaufgaben, sowie alte Klausuren sind in Wirklichkeit das Geheimnis des Lernerfolgs, denn schließlich bereiten sie am besten auf die bevorstehende Klausur vor. Daher sollte man möglichst schnell mit der Bearbeitung der Studienhefte fertig sein, um sich danach auf das Wesentlich, nämlich das Wiederholen und Üben, konzentrieren zu können.

5. Zeiträuber enttarnen

Zeiträuber FernseherDas beste Zeitmanagement nützt nichts, wenn man es Zeiträubern erlaubt, sich in den Alltag zu schleichen und alle guten Vorsätze zunichte zu machen. Und jeder von uns kennt diese Zeiträuber. Oftmals verstecken sie sich hinter Vorwänden, Einwänden, Stimmungsschwankungen, Kränkeleien und anderen potentiellen Gründen, weshalb man gerade heute und jetzt leider keine Zeit zum Lernen hat.

Mir fallen viele dieser möglichen Gründe ein, z.B. die Arbeit, der lange Hin- und Rückweg, die Hausarbeit, der Sport, lange Telefonat mit der Familie und, und, und. Und dazwischen muss man sich schließlich auch noch etwas entspannen, vom anstrengenden Tag erholen und da hat Lernen nun mal keinen Platz.

Potentiellen Ausreden ist kein Ende gesetzt. Selbstverständlich haben vor allem berufstätige oder privat eingespannte Fernstudenten einen straffen Zeitplan und natürlich ist Erholung wichtig, aber wie viel Zeit verbringt man täglich vor dem Fernseher? Wenn ausreichend Zeit da ist GZSZ und das Dschungelcamp zu gucken, dann sollte es doch wohl auch möglich sein, sich mal auf sein faules Hinterteil zu setzen und zu lernen, oder nicht?

Manchmal kommt man sich vor, wie in Momo von Michael Ende und den grauen Männern, die die Zeit stehlen. Aber soweit muss es nicht kommen!

Denn eigentlich weiß man, wo die Zeitfallen lauern. Einer der größten Zeitfresser dürfte wohl der Fernseher sein, vor dem man sich nach einem anstrengenden Tag doch so schön gemütlich erholen kann …. und zwar Stunde für Stunde…

Lösung? Naja, einige empfehlen, den Fernseher in den Keller zu stellen. Das wäre vielleicht eine Lösung, wenn auch eine sehr radikale. Vielleicht mache ich das ja, wenn das Dschungelcamp vorbei ist ;). Leider ist das deutsche Trash-TV-Programm so raffiniert abgestimmt, dass nach der einen Schrottsendung gleich die nächste kommt.

Der Fernseher ist mein absoluter Zeiträuber Nr. 1, denn ich gucke ziemlich viel fern und bin bei der Auswahl des Fernsehprogramms leider auch relativ schmerzbefreit. Dennoch wäre das für mein ein Ansatzpunkt an dem ich etwas ändern muss, um mir mehr Zeit freizuschaufeln. Alternativ kann man auch beim Fernsehen lernen, aber hierzu muss das Fernsehrprogramm relativ monoton sein. Ich habe z.B. herausgefunden, dass ich bei Wintersport gut lernen kann. Das gucke ich mir dann am Wochenende an und lese dabei unterhaltsame VWL-Lektüre.

Unter der Woche fällt es mir deutlich schwieriger, nach der Arbeit zu lernen. Hier nutze ich die Zeit in der U-Bahn. Aber ich werde mich bemühen, in den nächsten Wochen auch nach der Arbeit zu lernen, und wenn es nur eine Stunde ist. Besser als nichts. Wenn man innerhalb der Woche nur wenig lernen kann, sind die Wochenenden natürlich umso wichtiger, schließlich hat man am Samstag und Sonntag i.d.R. mehr Zeit zur Verfügung.

Doch auch an Wochenenden schleichen sich gerne mal Planungen ein, die das gute Vorhaben zu Lernen außer Gefecht setzten. Sei es das Samstags-Shopping, der IKEA-Besuch oder andere Dinge, die viel mehr Spaß machen, als zu Lernen. Hier hilft nur Disziplin und ein klares Ziel vor Augen. Denn die Motivation und den notwendige Druck zum Lernen muss man sich selbst schaffen, schließlich ist man im Fernstudium weder an feste Zeitvorgaben, noch an einen Ort gebunden und kann im Bezug auf Zeitplanung frei walten. Da bleiben andere Dinge oftmals auf der Strecke, aber das ist nun mal der Preis eines erfolgreichen (nebenberuflichen) Studiums. Es erfordert Opfer. Und wenn man nicht selbst eines werden will, sollte man auch den folgenden Punkt beherzigen ;).

6. Zeitreserven einkalkulieren

Man weiß nie, was einen im Laufe des Semesters erwartet. Unerwartete Ereignisse, Stressphasen im Job, familiäre Verpflichtungen und Krankheiten können dem sauber kalkulierten Zeitplan schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Daher ist es wichtig, Platz für Unvorhergesehenes einzuplanen, um Zeiträubern nicht zum Opfer zu fallen.

Ein zu enger Zeitplan sollte daher vermieden werden. Ich habe zwar bis zur Prüfung im März nicht mehr so viel Zeit, aber ich habe mir dennoch vorgenommen, bis Ende Februar mit allen Studienheften fertig zu sein, um die dann noch verbleibenden drei Wochen zum Wiederholen und Üben nutzen zu können.

Für mich war meine nebenberufliche Selbstständigkeit, die ich im Dezember begonnen habe ein etwas unvorhergesehenes Ereignis. Zwar wusste ich schon länger, dass ich mich neben dem Job selbstständig machen möchte, aber im Dezember hat sich die Lage etwas zugespitzt, sodass ich da schon das Gewerbe anmelden musste, um Rechnungen schreiben zu können. Und wie das nun mal so ist: Wenn man erstmal ein Gewerbe angemeldet hat und sich mit dem ganzen Steuerkram etc. beschäftigen muss und neben der Arbeit und am Wochenende noch mit den eigenen Projekten beschäftigt ist, fehlt am anderen Ende schnell man die Zeit.

Zwar versuche ich, den zeitlichen Aufwand für die Selbstständigkeit noch so gering wie nur möglich zu halten, aber da war für mich auch ein Beispiel dafür, dass man manchmal von Ereignissen überrumpelt wird, ebenso, wie wenn man durch eine Grippe einige Tage ans Bett gefesselt ist (hatte ich auch).

Besser ist es, die Zeit zum Lernen eher großzügig einzuplanen, um bei unvorhergesehenen Ereignissen einigermaßen im Zeitplan zu bleiben.

7. Ausreichend Pausen machen

Pausen machen!Gutes Zeitmanagement benötigt Erholungsphasen ebenso wie Lernphasen. Überlanges Lernen ohne Pausen kann schnell auf die Psyche schlagen und die Effektivität des Lernprozesses gravierend verschlechtern. Jeder von uns kennt es, wenn man lernt und lernt und das Gefühl hat, dass nichts mehr in den Kopf geht. An dieser Stelle wäre es mal Zeit für eine Pause.

Pausen haben im Lernprozess eine entscheidende Bedeutung, denn sie helfen leistungs- und aufnahmefähig zu bleiben. Dies gilt vor allem bei längeren Lernphasen, z.B. an Wochenenden. Konzentration ist bei Aufnahme von Lernstoff das A und O und sollte durch überlange Lernphasen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Schließlich hat man als Fernstudent meistens ohnehin wenig Zeit zur Verfügung und daher sollte die Zeit, die man zum Lernen aufwenden kann auch effektiv eingesetzt werden.

Es empfiehlt sich, alle 30 Minuten eine 5-minütige Pause zu machen. Während der Pause sollte man wenn möglich den Lernraum verlassen und etwas ganz anderes tun, sowie etwas trinken. Ab einer Lerndauer von 1,5 Stunden sollte die Pause auf 15-20 Minuten ausgeweitet werden. Ab 3 Stunden Lerndauer kann die Pause gerne etwas länger ausfallen, sollte jedoch 1,5 Stunden nicht übersteigen, da man sonst riskiert, den Anschluss zu verlieren und sich nicht mehr zum Lernen aufzuraffen.

Generell gilt: Konzentrierte und kürzere Lernphasen sind effektiver, als lange und unkonzentrierte Phasen. Je länger de Lernphasen sind, umso unkonzentrierter wird man nun mal und umso höher ist der Aufwand, sich Gelerntes einzuprägen, bzw. wirklich zu verinnerlichen.

Dennoch gilt: Pausen und Erholungsphasen sind dem individuellen Lerntyp anzupassen. Hier sollte jeder Fernstudent in sich selbst hineinhören und das Pausenkonzept, sowie die Dauer der Lernphasen so anpassen, dass man gefühlt das beste Ergebnis aus Lernaufwand und Lernerfolg erzielt.

8. Biorhythmus nutzen

Die Effektivität beim Lernen hängt von unserem persönlichen Biorhythmus ab. Jeder hat (Tages)zeiten, an denen er sich fitter oder müder fühlt. Ebenso sind den meisten von uns auch Leistungstiefs bekannt, die z.B. gerne mal nach dem Mittagessen auftreten. Für effektives Lernen sollte daher auch der Biorhythmus im Zeitmanagement berücksichtigt werden.

Als berufstätiger Fernstudent hat man es natürlich schwieriger, da die Arbeit den Großteil des Alltags einnimmt, aber auch dann kann man den Biorhythmus in der verbleibenden Zeit vor und nach der Arbeit berücksichtigen, um die besten Lernzeitpunkte herauszufinden.

Ich habe z.B. an mir festgestellt, dass ich vor der Arbeit (in der U-Bahn) besser lernen kann, als nach der Arbeit. Der lange Hinweg zur Arbeit ist für mich daher ideal, um einige Seiten in den Studienheften zu lesen und Übungsaufgaben zu machen. Übrigens ist es bei den meisten Menschen so, dass sie morgend ein echtes Leistungshoch haben (zwischen 9.00 und 11.00 Uhr). Ok, ich bin zwar schon um 6 auf dem Weg zur Arbeit, kann mich aber dennoch gut konzentrieren (weil Frühausteher ;)). Bei Spätaustehern sieht es wieder anders aus, diese erreichen i.d.R. erst gegen 15.00 Uhr ihr Leistungshoch.

Abends geht bei mir meistens nichts mehr. Da bereitet sich mein Körper schon gegen 18.00 Uhr auf Schlaf vor und leitet die Erholungsphase ein. Der Abend würde sich bei mir gut dazu eignen, Dinge zu wiederholen oder “zu Ende zu lesen”, aber nicht, um etwas völlig Neues zu beginnen. Tiefphasen und Müdigkeit zu ignorieren bringt auch nichts, da man sonst noch schwerer in Schwung kommt und längere Tiefphasen danach riskiert.

9. Kein Hang zum Perfektionismus!

Nobody´s perfekt! Das gilt auch im Zeitmanagement und während des Fernstudiums. Wichtig für langanhaltenden Erfolg ist daher, auch mit Niederlagen umgehen zu können, Fehler zu erkennen und auch mit Würde zu Scheitern ;). Oftmals sind die selbstgesteckten Ziele zu hoch, sodass die hohen Erwartungen an sich selbst nicht erfüllt werden können.

Ich kann nach den ersten Monaten meines Fernstudiums ein Lied davon singen: Statt zwei Prüfungen nur eine Prüfung und statt großzügiger Zeitplanung nur wenige Wochen bis zur ersten Prüfung. Auch ich habe die anfänglichen Erwartungen an mich selbst nicht erfüllt, aber was soll man machen? Fernstudium abbrechen? Sicherlich nicht. Statt dessen sollte man die Erwartungen zurückschrauben oder etwas an der Situation ändern (sofern es in den eigenen Möglichkeiten liegt).

Ich habe die Erwartungen an mich selbst zurückgeschraubt und versuche, mein Zeitmanagement zu verbessern und die Lernphasen effektiver zu gestalten. Man kann nicht mehr, als sein bestes geben. Nur, weil man nicht die Ziele erreicht, die man sich vorgenommen hat, heißt es nicht, dass man gescheitert ist oder dass das Fernstudium keinen Sinn mehr macht! Die Devise lautet: am Ball bleiben und in kleinen Schritten stetig Fortschritte zu machen.

Und gerade zu Beginn des Fernstudiums muss man sich auch als Fernlern-Typ kennenlernen, ideale Lernphasen herausfinden und lernen, mit dem Lernstoff zurechtzukommen. In den weiteren Semestern wird man aus den ersten Erfahrungen gelernt haben und Lernprozesse kontinuierlich verbessern können!

10. Ruhig experementieren!

Für gutes Zeitmanagement gibt es keinen Masterplan. Ziel für eine effektive Zeiteinteilung kann es daher nicht sein, sich an bestimmte Vorgaben zu halten und starre Zeitpläne einzuhalten. Viel besser ist es, einfach etwas zu experementieren und den für sich am besten funktionierenden Lernrhythmus zu finden.

Zum Beispiel könnte man mal die Lernzeiten und Dauer der Lernphasen zu variieren. Warum nicht mal morgens, statt abends lernen oder umgekehrt? Ebenso könnte man sich vornehmen, in der Woche längere Lernphasen einzuplanen und an den Wochenenden weniger zu lernen oder die Wochenenden intensiver nutzen und es während der Arbeitswoche ruhiger angehen zu lassen.

Man wird schnell feststellen, zu welchen Zeiten, an welchen Tagen und für welche Lerndauer man am effizientesten lernt. Natürlich kann man sich Tipps und Vorschläge holen, aber Probieren geht nun mal immer noch über Studieren!

Fazit

Effektives Zeitmanagement ist eine Herausforderung für jeden Fernstudenten. Neben der Schwierigkeit, im Fernstudium den Rhythmus zu finden, gilt es bei den meisten Fernstudenten zudem noch, Job, Familie, Hobbys und andere Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen.

Das kann schon mal schwierig werden. Daher sollte man sich vor allem am Anfang eines Fernstudium ausreichend Zeit nehmen, um den Lernstoff so früh wie möglich durchzuarbeiten. Es gilt, Vorbereitung, Aneignung des Lernstoffs, Vertiefung des Gelernten, sowie das Überprüfen anhand von Übungsaufgaben und Klausuren innerhalb der verfügbaren Zeit einzuplanen. Ein Zeitplan ist hierbei eine hilfreiche Lösung, um sich schrittweise Lernziele zu setzen. Dabei sollten ausreichend Pausen und Zeiten für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant werden.

Das Analysieren des Alltags kann helfen, Zeiträuber zu enttarnen und mehr Zeit freizuschaufeln. Auch eine Analyse des Biorhythmus trägt dazu bei, zu möglichst effektiven Zeiten zu lernen und den größtmöglichen Nutzen aus Lernaufwand und Lernerfolg zu ziehen.

Die eigenen Erwartungen und Ansprüche u.U. auch zurückzuschrauben sollte kein Grund zur Frustration sein, schließlich gilt es vor allem, sein Bestes zu geben und nach seinen individuellen Möglichkeiten zu lernen. Das Gute am Fernstudium ist ja auch, dass man sich die Anzahl der Module und Kurse an seine persönliche Lebenssituation anpassen kann und daher auch soviel lernen kann, wie möglich ist.

Man sollte sich daher in erster Linie darauf konzentrieren, das Zeitmanagement, sowie die Lernprozesse zu verbessern, um das Bestmögliche aus der (wenigen) zur Verfügung stehenden Zeit herauszuholen ;).

Wer seine eigenen Erfahrungen, Lernstrategien und Herausforderungen zum Thema Zeitmanagement mit anderen Fernstudenten der Fernuni teilen möchte, kann seine Eindrücke gerne an studies4studies weitergeben und sich an der neuen Artikelreihe zum Thema Zeitmanagement beteiligen. Auch Vorschläge für neue Artikelreihen sind dort immer gerne gesehen!